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22 Minitipps für einen gedanklichen Reset zum Jahreswechsel Quelle: dpa

Statt Böllern: 22 Minitipps für einen gedanklichen Reset zum Jahreswechsel

Geböllert wird nicht. Aber „Zähler auf null“ zum Start in 2022 geht anders sogar besser. Hier ein paar kleine Ideen, mit denen Sie im Kopf mit dem alten Jahr abschließen.

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Unser Kolumnist Marcus Werner ist Fernsehmoderator und Buchautor und arbeitet als Berater für Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.

Das Geballer am 1. Januar soll ja die bösen Geister vertreiben oder so ähnlich. Wie auch immer genau: Das Feuerwerk ist ein einzigartiges Symbol für eine gedankliche Zäsur. Denn obwohl sich die Welt einfach so weiterdreht, fühlt sich der erste Tag des neuen Jahres an, wie der Beginn von etwas Neuem.

Ganz so falsch ist der Eindruck ja gar nicht, denn unsere Erde hat sich in den vergangenen knapp 365 Tagen einmal komplett um die Sonne gedreht. Jetzt geht das Ganze wieder von vorne los. Doch letztendlich ist dieses Neustartgefühl nichts anderes als das Symptom einer inneren Haltung, die wir uns kollektiv eingeredet haben.

Und dieser Ansatz ist ja ganz hervorragend. Denn den Zähler auf Null zu stellen, gibt uns die Möglichkeit, Dinge hinter uns zu lassen, die uns belasten. Gleichzeitig kann uns kein Mensch zwingen, aufmunternde, motivierende oder inspirierende Dinge ohne mit der Wimper zu zucken gedanklich oder ganz praktisch mit ins neue Jahr zu nehmen.

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    Das Symbol für diese Zäsur dafür war bis Anfang 2020 bei uns für viele das Feuerwerk: laut, martialisch, mystisch, aber auch recht gefährlich (fragen Sie die Profis, die zu Jahreswechseln schon Erfahrung mit Nachtdiensten in der Notaufnahme gemacht haben) – eine Zumutung für Wild- und Haustiere und eine unfassbare Feinstaubbelastung unserer Atemluft. Was vielen durch den Wegfall des Rituals Feuerwerk aber fehlen dürfte, ist nicht nur der Spaß, sondern das Gefühl, aktiv daran mitzuwirken, das alte Jahr ins gedankliche Archiv zu verfrachten: „Das war´s mit dir, 2021.“

    Was wir also brauchen, sind neue Symbole, die uns helfen, mit der Vergangenheit abzuschließen, um uns auf Neues freuen zu können. Hier eine Sammlung kleiner Ideen, von denen Sie ja vielleicht die eine oder andere dazu inspiriert, zum Jahreswechsel auf andere Art bewusst den Zähler auf null zu stellen:

    1. Schreiben Sie auf, was Sie 2021 bedrückt hat, und verbrennen Sie den Zettel!

    Dieses Ritual ist mein neuer Favorit. Ein Freund, der letztes Jahr seinen Job verloren und lange einen neuen gesucht hatte, wollte sich sein persönliches Mistjahr einfach nur aus dem Kopf schlagen. Wir haben dann gemeinsam unsere geheimen Notizzettel vernichtet. Das war kurz hell und heiß. Und danach war die Liste weg. Befreiend.

    2. Vertrauen Sie den anderen an, was Sie hinter sich lassen wollen.

    Das soll kein Aufruf zum Nachtreten sein. Sondern eine Variante zur Zettelvernichtung. Statt einer geheimen Liste können Sie anderen beim Fondue erzählen, was Sie so 2022 nicht mehr erleben wollen. Alle machen eine Top 3. Und danach wird das Ganze mit einem guten Schluck symbolisch weggespült.

    3. Misten Sie den Kleiderschrank aus.

    Es geht um das Symbol, Dinge hinter sich zu lassen. Mit einem aufgeräumten Kleiderschrank ins neue Jahr zu starten, ist deshalb ein grandioser Akt.



    4. Rufen Sie drei Leute an.

    Welche Freundschaften sind 2021 einfach zu kurz gekommen? Welcher Tante wollten Sie endlich mal wieder ein Lebenszeichen senden? Schnappen Sie sich das Handy und melden Sie sich zum Jahreswechsel einfach ohne Umschweife.

    5. Wühlen Sie den Kühlschrank durch.

    Lebensmittel wegzuschmeißen, ist immer traurig. Was könnten Sie mal wieder mit Dattelcreme, eingekochtem Rhababer, einem Rest Butterschmalz und den ganzen angebrochenen Grillsoßen aus dem Sommer kredenzen? Keine Ahnung. Aber machen Sie sich einen Spaß draus, darüber nachzudenken, warum Sie vor einigen Monaten die leckeren Sachen gekauft haben, und verbrauchen Sie die Reste im vergnügten Erinnerungstaumel bei einem Koch-Impro-Abend.

    6. Überschreiten Sie eine rote Linie.

    Statt ohrenbetäubenden Lärms beim Böllern: Wie wäre es mit einer bewussten Mutprobe, die Ihnen in den Ohren klingelt? Tanzen Sie auf sozialverträgliche Art und Weise zu Beginn des Jahres aus der Reihe, um sich selber zu zeigen: Rote Linien sind dafür da, überschritten zu werden. Machen Sie einfach mal einen Tag lang wildfremden Passanten Komplimente: „Hübsche Schuhe, nettes Lächeln.“ Viele werden stutzen. Na und? Das Na-und-Gefühl wird Sie beflügeln.

    7. Stellen Sie auf motivierende Passwörter um.

    Es soll Leute geben, die Ihren Bürocomputer entsperren, in dem sie frustrierende Kraftausdrücke eintippen. Unterschätzen Sie nicht die Kraft der positiven Wörter. Wie wäre es statt mit „Drecksladen123“ im kommenden Jahr mit „Ja-ich-kann-das“ (und damit auch die Datenschützer den Daumen recken: Ergänzen Sie 3w4895§()=%6 oder so, da bin ich kein Experte).

    8. Löschen Sie gemütlich Fotos auf dem Handy.

    Fünf Bilder vom Sonnenuntergang. Drei vom Frühstücksbüffet. Acht Gruppenfotos von der Radtour. Welches soll das eine sein, dass für immer in Ihr Archiv wandert? Wenn ich selber zum Jahresende durch meinen Fotoordner gehe, schwelge ich in Erinnerungen und trenne mich von wirklich Tausenden an Schnappschüssen und Screenshots. So wird die Festplattenpflege gleichzeitig zum ganz persönlichen Jahresrückblick.

    9. Entschuldigen Sie sich.

    Wir alle haben uns dieses Jahr etwas geleistet, was uns nachhängt, weil es doof war. Wen haben Sie gekränkt, verprellt, traurig gemacht? Nehmen Sie sich ein Herz und melden Sie sich bei einer Kollegin, einem Freund, einer Verwandten. Und machen Sie noch dieses Jahr reinen Tisch.



    10. Gesunde Ernährung: Formulieren Sie ein realistisches Ziel

    „Ich muss echt bald mal was ändern“ – damit allein kommt keiner weiter. Nehmen Sie sich noch am 31.12. etwas vor, das Sie gerne wirklich ab 01.01. umsetzen können: statt „weniger Schokolade“ besser „keine Schokolade mehr im Büro“ oder „keine Schokolade mehr vorm Fernseher“.

    11. Zünden Sie an Silvester das Komplimentefeuerwerk.

    Wir halten uns für gewöhnlich mit Komplimenten zurück, weil wir befürchten, dass man uns Hintergedanken unterstellt. Erheben Sie Komplimente aber zum Selbstzweck, etwa zum Running Gag am Silvesterabend, dürfen Sie aus vollen Rohren feuern. Das wirkt befreiender als der beste Champagner.

    12. Sortieren Sie die Gewürze.

    Mal ehrlich: Gerade Gewürzregale sind wahre Zeitmaschinen. Ich habe im Haus von einer anonymen Verwandten vor einiger Zeit eine Gewürzmischung gefunden, die war abgelaufen, bevor die Mauer gefallen war. Ein Blick in eine alte Welt. Machen Sie das Regal fit für 2022.

    13. Setzen Sie um Mitternacht ein neues einzigartiges Ritual

    Statt zu böllern – was kann Ihr neues Null-Uhr-Ritual sein? Zettel verbrennen wäre eine Möglichkeit, sich draußen auf der Terrasse mit einer Gießkanne warmen Wassers das alte Jahr vom Leib zu spülen, eine andere. Oder verbeugen Sie sich vor 2022. Irgendetwas, was Sie sonst nie tun würden.

    14. Räumen Sie das Büro auf.

    Da kommen Sie zum ersten Mal 2022 in die Firma und dann steht da noch die Kaffeetasse von Freitag, also aus 2021. Misten Sie die Regale aus, zupfen Sie welke Blätter von der Zimmerpflanze, putzen Sie die Nespressomaschine. Und betreten Sie Ihr kleines Reich im neuen Jahr wie ein frisch gemachtes Hotelzimmer.

    15. Programmieren Sie die Fernbedienung neu.

    Ich selber gucke nur noch in das Programm von rund fünf Fernsehsendern rein. Wie geht es Ihnen? Verabschieden Sie sich von den 150 Sendern, die Sie immer überspringen müssen. Auch den Fernseher kann man ausmisten. Dasselbe gilt für Netflix-Listen. Albern? Nun, es ist eben ein Symbol für reinen Tisch. Und verursacht keinen Feinstaub.

    16. Ziehen Sie die Möbel vor.

    Steve Jobs hat einmal von seinem Vater erzählt, der sinngemäß gesagt haben soll: Eine Kommode muss auch auf ihrer Rückseite hübsch aussehen, auch wenn die an der Wand steht, weil er ja wisse, wie sie von hinten aussieht. Deshalb seien auch Apple-Computer in ihrem Gehäuse so hübsch aufgeräumt. Nach dieser Devise: Ziehen Sie noch 2021 Ihre Möbel vor und befreien Sie sie von Staub und Spinnweben. Damit Sie wissen: 2022 ist alles clean. Auch an unsichtbaren Ecken.

    17. Bestimmen Sie das eine 2022-Detail für Ihr neues Auftreten.

    Wie wir auf andere wirken, können wir beeinflussen, ohne uns eine komplett neue Persönlichkeit aufzupfropfen (was auch gar nicht geht). Wenn Sie anders wirken wollen, starten Sie am 1. Januar um Null Uhr mit einem einzigen Aspekt: zum Beispiel mehr Augenkontakt im Gespräch; erst loben, bevor Sie kritisieren, oder auch mal Kaffeepulver ins Büro mitbringen.

    18. Hängen Sie ein neues Bild auf.

    Ob im Büro oder zuhause – irgendwann werden Sie merken: Da hat sich seit Jahren nichts verändert. Muss ja auch nicht, wenn es Ihnen noch gefällt. Stellen Sie aber Antriebslosigkeit als Grund fest, geben Sie sich einen Ruck.

    19. Verändern Sie ab Mitternacht eine tägliche Routine.

    Die Aufzugfahrt von „EG“ nach „1“, Mittagessen am Homeoffice-Schreibtisch. Gibt es eine Angewohnheit, die Sie selber nervt? Dann benennen Sie sie feierlich beim Raclette. Und ab null Uhr soll es das damit gewesen sein. Glückwunsch!

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    20. Lieben Sie ab sofort das „Mehr“ an einem ausgewählten „Weniger“.

    Wie so vieles ist auch Verzicht eine Sache der inneren Haltung. Erfreuen Sie sich am Vorteil, statt den Nachteil zu bedauern. Alkoholfreies Bier etwa schmeckt vielen weniger gehaltvoll, ja. Aber der Vorteil: Es ist gesünder und macht keinen Schädel.

    21. Hören Sie um 23 Uhr 59 auf zu rauchen.

    Was soll ich mehr dazu sagen? Ach, vielleicht das: Wer seine letzte Kippe um kurz vor Mitternacht ausdrückt, wird ab 2022 körperlich jünger, obwohl die Jahreszahl steigt.

    22. Freuen Sie sich gemeinsam auf 2022!

    Bei allem Corona, Inflation und Klimawandel. Die Zeichen stehen auf Aufbruch. Sagen Sie zu sich und laut zu den anderen: „Ich freue mich auf 2022!“ Gründe genug haben wir ja.

    Kommen Sie gut ins neue Jahr!

    Mehr zum Thema: In seiner Kolumne gibt Marcus Werner Tipps für Ihren Berufsaufstieg. Ob Rhetorik, Präsentationen oder Körperhaltung: wie Sie den Büroalltag überstehen und im Job vorankommen. Hier finden Sie alle Ausgaben im Überblick.

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