Stilkunde Die richtigen Socken für den Manager

Eigentlich sollten man möglichst nichts von ihnen mitbekommen. Mit ihren Socken haben sich immer wieder Politiker und Manager blamiert. Worauf man bei der Wahl des Fußkleides achten sollte.

Solche Socken sollten Sportfreunde wirklich nur beim Sport verwenden. Quelle: dpa

Als der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy noch Amtsanwärter war, während des Wahlkampfes 2007, erlaubte er sich einen Style-Faux-Pass erster Güte. Im Sitzen kamen hinter seiner hochgerutschten Hose die durchlöcherten Socken an den Fußfersen zum Vorschein. Ein Boulevardblatt druckte die Bilder – zur Freude der politischen Gegner. Auch der Chef der Weltbank und ehemaliger Politiker Paul Wolfowitz blamierte sich vor der Weltöffentlichkeit, als er eine Moschee in der Türkei besuchte - und im Gotteshaus die zwei Löcher an seinen beiden Zehen zur Schau stellte.

Die Socken des Weltbank-Präsidenten Paul Wolfowitz. Quelle: AP

Der Hugo-Chef Claus-Dietrich Lahrs hat jüngst in einem Interview gesagt, dass Manager nicht nur auf ihre Schuhe, Hemden und Gürtel achten sollten, sondern auch auf ihre Strümpfe. Bei Lahrs' Rat mag das Eigeninteresse eines Herrenschneiders eine Rolle spielen. Aber grundsätzlich hat er wahrscheinlich recht. Die Menschen achten auf Äußerlichkeiten mehr als je zuvor.

Was Farben bei der Kleidung signalisieren
RotRot ist die Farbe der mittelalterlichen Könige. Wer was zu melden hat, trägt auch heute noch diese Farbe. In ihrer starken Ausprägung suggeriert sie Seriosität, Macht, Präsenz - ein hartes Rot ist einfach nicht zu übersehen. Quelle: dapd
Merkel trifft den US-Präsidenten Barack Obama auf dem G-20-Treffen in Südkorea, November 2011. Quelle: dpa
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner nimmt an der Fronleichnamsprozession teil, Juni 2012. Quelle: dpa
Die richtige Farbkombination Quelle: dpa
Blau Quelle: dpa

Wer auf sein Bild als perfekt gekleideter Gentleman wert legt, sollte also auch bei den Socken keine Kompromisse machen. „Manager sollten stets darauf achten, dass die Socken möglichst bis zur Wade reichen“, sagt Imageberaterin Petra Waldminghaus, „wenn auf einer Podiumsdiskussion ihre haarigen Beine zum Vorschein kommen, ist das nur unvorteilhaft für sie“. Zuschauer werden in diesem Fall automatisch den Blick auf die Haut des Managers richten „Das hinterlässt einen nachlässigen Eindruck“, so Waldminghaus.

Wie Brillen das Image verändern
Kleider machen Leute, sagt der Volksmund. Wenn das stimmt, dann sind Brillen das i-Tüpfelchen des modebewussten Menschen. Natürlich liegt diesem vermeintlichen Stylevorsprung einer Schwäche zugrunde: Ohne Brille können immer mehr Menschen in unserer heutigen Zeit nicht mehr richtig sehen. Doch diese Schwäche gilt es zu kaschieren und die Fassung dient dabei als mögliches Mode-Accessoire, dessen Potenzial es völlig auszuschöpfen gilt. Politiker, Künstler und Firmenchefs machen vor wie. Quelle: AP
Außenminister Guido Westerwelle hat bei seinem Brillenkauf alles richtig gemacht. „Die schmale Fassung ist modern, neu, elegant und sachlich. Sie passt zum Typ und sicher gewollten Image”, sagt Kerstin Kruschinski vom Kuratorium Gutes Sehen. Quelle: AP
"Brillen dienen bei Personen des öffentlichen Lebens dazu, einen optischen Wiedererkennungswert zu schaffen", so Petra Waldminghaus, Geschäftsführerin der Imageberatung Corporate Color. "Ohne Gläser könnten sich Fans und Medien nicht so einfach an die Personen wieder erinnern". Sicherlich ein Beispiel für eine Marke, die ohne Brille nicht so gut funktionieren würde: Der Musiker Udo Lindenberg. Quelle: dapd
Gregor Gysi zeigt sich gegenüber Trends resistent und trägt schon seit Jahrzehnten Brillen mit runden Gläsern. Quelle: dpa
„Die runden Gläser passen gut zu seiner extravaganten Erscheinung und der intellektuelle Touch des Modells betont seine pfiffige Art zusätzlich”, urteilt Kruschinksi dagegen über die Brille von Horst Lichter. Quelle: dpa
Auch Politikern ist ihre Außenwirkung besonders wichtig. Die Ausprägung dieser Eitelkeit variiert natürlich, einigen reicht es schon, wenn sie als Politiker und mögliche Staatsmänner überhaupt wahr genommen werden. "Eine schwarze Fassung mit breiten und dicken Brillenrändern hilft einer Person bei ihrer äußeren Wahrnehmung in einem Raum", so die Imageberaterin Petra Waldminghaus. "Einige Politiker oder Unternehmenschefs brauchen daher diese trendigen und nerdigen Brillen, um sich eine stärkere Präsenz zu verschaffen". Vor diesem Hintergrund lässt sich der Brillenwechsel des SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier vielleicht besser erklären. Links: die alte Fassung der Steinmeiergläser; rechts: der neue Steinmeier im Bundestag. Quelle: dapd
Kein anderer deutscher Politiker hat in der Vergangenheit so viele verschiedene Brillenmodelle ausprobiert wie Ronald Pofalla. Nach markanten ovalen und eckigen Modellen trägt er aktuell ein rahmenloses Gestell. Quelle: AP/dapd

Großer Fehler: Businessdress und Tennissocken

Allerdings ist es mit langen Socken nicht getan. Auch die Farbe sollte stimmen. Heißt: Kontraste vermeiden, keine auffälligen Muster verwenden und die Strümpfe sollten zu den Hosen oder zum Schuh passen. „In der deutschen Geschäftswelt gilt: Von oben nach unten sollte es dunkler werden. Das wirkt kompetenter und seriöser. In schwarze Schuhe gehören auch möglichste schwarze Socken“, sagt Waldminghaus. Was man auf jeden Fall nicht machen darf: Weiße Tennissocken mit blauen Mustern in schwarzen Schuhen und schwarzen Anzug. „Kommt immer wieder vor“, sagt Imageberaterin Waldminghaus.

Und: Je hochwertiger der Anzug, desto hochwertiger auch die Socken. Fein gestrickte Strümpfe passen zu einem Businessanzug eher als zu einer Jeans. Wie alt die Socken sind, sollte ein Manager auch im Blick behalten. Es bilden sich gerade bei viel verwendeten Paaren kleine Kügelchen am Textilstoff. „Sieht unachtsam aus, wenn ein Firmenchef diese zeigt“, sagt Waldminghaus.

Am besten besorgt er sich regelmäßig von der gleichen Farbe und Marke mehrere Paare. „Dann braucht er bei einem kaputten Paar nur eine Socke wechseln“, sagt Waldminghaus, „wichtig ist allerdings auch: regelmäßig zu checken, ob der Stoff nicht beschädigt ist“.

Rajoy und Wolfowitz haben das ganz offensichtlich nicht beachtet. Mag aber auch sein, dass ihre Löchersocken kalkuliert waren: Seht her, wie sparsam wir sind, wir haben vor lauter Arbeit für euer Wohl keine Zeit zum Shoppen.

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