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Leben mit AktienWas Anleger bei vorbörslichen Investments beachten müssen

Vorbörsliche Beteiligungen klingen auf den ersten Blick verlockend. Doch die Risiken sind groß. Das sollten Sie über diese Investments wissen.Julia Leonhardt 30.11.2025 - 10:18 Uhr
Foto: imago images

Exklusivität ist für viele erstrebenswert – im Alltag wie am Finanzmarkt. Kein Wunder also, dass vorbörsliche Investments auf den ersten Blick attraktiv erscheinen. Besonders Pre-IPO-Beteiligungen stehen dabei im Fokus.

Die Idee dahinter ist simpel: Beteiligungsgesellschaften halten Anteile an Unternehmen, die einen Börsengang planen. So ermöglichen sie Anlegern den Einstieg, bevor die Aktie offiziell gehandelt wird. Wer früh dabei ist, hofft auf spätere Gewinne wie die großen Venture-Capital-Investoren. Doch oft klingen solche Versprechen besser, als sie es tatsächlich sind.

Ein Beispiel ist die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft Flat Capital. Sie hält Mini-Anteile an bekannten Tech-Unternehmen wie OpenAI, SpaceX, Perplexity, ElevenLabs oder Discord und wird deshalb oft als Möglichkeit dargestellt, „wie die Großen“ bei künftigen Mega-IPOs dabei zu sein. Privatpersonen können in Flat Capital investieren, indem sie die öffentlich gehandelte Aktie der Investmentgesellschaft kaufen.

„Das klingt zwar spannend, hat aber einen gravierenden Haken“, warnt Christian W. Röhl, Chefökonom des Neobrokers Scalable Capital, im Podcast „Leben mit Aktien“.

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Der Grund: Hinter Flat Capital steht Klarna-Gründer Sebastian Siemiatkowski. Der Zahlungsdienstleister gehört daher wenig überraschend auch zum Portfolio der Beteiligungsgesellschaft. Zum letzten Bilanzstichtag hielt Flat Capital lediglich 87.240 Klarna-Aktien im Wert von 2,5 Millionen Dollar. Eine außerordentliche Hauptversammlung im Oktober ebnete jedoch den Weg für die Übernahme von Double Sunday, einer privaten Holding von Siemiatkowski mit rund 24,5 Millionen Klarna-Aktien.

Damit besteht der Nettovermögenswert (NAV) von Flat Capital zu mehr als 95 Prozent aus Klarna, während alle anderen Beteiligungen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dies ähnelt bekannten Holdingstrukturen wie der Porsche SE, deren Kurs praktisch ausschließlich vom Wert der VW- und Porsche-Anteile abhängt.

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Für Anleger bedeutet das: Solche Schachtelgesellschaften werden normalerweise unter ihrem tatsächlichen Wert gehandelt. Bei Flat Capital ist das anders: Der Pro-Forma-NAV lag zum 30. September 2025 bei 17,85 schwedischen Kronen. Da der wichtigste Vermögenswert, die Klarna-Aktie, seitdem rund 30 Prozent verloren hat, dürfte der aktuelle NAV eher bei 12 bis 13 Kronen liegen. Die Flat-Capital-Aktie selbst fiel zwar ähnlich stark wie Klarna, notiert aber weiterhin bei 15,50 Kronen und damit über dem geschätzten NAV. Es wird also sogar ein Aufgeld bezahlt, das jedoch durch die Mikro-Anteile an den anderen Start-ups kaum zu rechtfertigen ist.

Für Privatanleger ist es also nur selten realistisch, mit den großen VC-Investoren vorbörslich mitzuspielen. Wenn Angebote zu gut klingen, um wahr zu sein, dann sind sie es oft auch. Hinzu kommt, dass manche vorbörsliche Beteiligungen erhebliche Risiken mit sich bringen können. Sie sind oft illiquide und schwer zu verkaufen, sodass Anleger ihr Kapital über einen langen Zeitraum binden.

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Die Bewertungen der Unternehmen basieren häufig auf optimistischen Annahmen und lassen sich kaum überprüfen. Außerdem sind solche Investments oft intransparent. Das bedeutet, dass Investoren nur eingeschränkten Einblick in Kennzahlen, Cashflows oder die Unternehmensführung erhalten. Oft sind zudem hohe Mindestinvestments und versteckte Kosten, wie Performance Fees, zu beachten, die den potenziellen Gewinn zusätzlich schmälern.

Die BaFin hat in der Vergangenheit bereits eindringlich vor angeblichen vorbörslichen Investments gewarnt. Denn während es riskante, aber dennoch halbwegs seriöse Angebote wie das von Flat Capital gibt, versuchen Betrüger immer wieder, aus der Popularität bevorstehender Börsengänge Kapital zu schlagen.

So wie bei dem Unternehmen, über das die WirtschaftsWoche zuvor berichtete. Dort wurden Privatanlegern Co-Investments in Pre-IPO-Aktien des US-Fintechs Stripe angeboten. Stripe selbst hat jedoch klargestellt, dass keine Aktien über Drittanbieter verkauft werden und Privatanleger nicht direkt investieren können.

Hinzu kam, dass das Angebot über ein sogenanntes Special-Purpose-Vehicle (SPV) lief. Solche Konstruktionen sind intransparent, illiquide und hochriskant. Wer investiert, weiß nur wenig über die Konditionen des Deals. Ein Verkauf der Aktien vor dem Börsengang ist kaum möglich. Im schlimmsten Fall droht ein Totalverlust. Von einem solchen Pre-IPO-Investment profitieren oft eher die Vermittler als die Anleger.

Für Privatanleger gilt daher: Wer den schnellen Einstieg in Pre-IPO-Beteiligungen sucht, sollte äußerst vorsichtig sein. Hinter den glänzenden Geschichten von Mega-IPOs und „exklusiven“ Investments verbergen sich oft hohe Risiken, Intransparenz und Illiquidität. Erfolgreiches Vorbörslich-Investieren bleibt meist den Profis vorbehalten.

Mehr über vorbörsliche Investments und die aktuellen Chancen von Rohstoffaktien sowie Vor-Ort-Eindrücke des WirtschaftsWoche-Chefredakteurs Horst von Buttlar vom G20-Gipfel, hören Sie in der aktuellen Folge „Leben mit Aktien“.

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