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Börse Deutsche Börse will mit Gebührenrabatt vor Brexit punkten

Wegen des Brexits kommt Eurex Clearing bis Ende des Jahres Marktteilnehmern entgegen. Dafür müssen sie aber Zinsderivate-Depot nach Frankfurt verlagern.

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Durch den Brexit sieht die Deutsche Börse die Chance gekommen, der Konkurrenz das Wasser abzugraben. Quelle: dpa

Die Deutsche Börse will mit einem Rabattprogramm weiteres Derivate-Geschäft von London nach Frankfurt locken. Angesichts des bevorstehenden Brexit erlasse die Deutsche-Börse-Tochter Eurex Clearing bis Ende des Jahres Marktteilnehmern die Buchungsgebühren vollständig, wenn sie ihr Zinsderivate-Depot an den Main verlagerten, teilte das Unternehmen am Montag mit.

Bisher dominiert LCH Clearnet, eine Tochtergesellschaft der Londoner Börse LSE, das Geschäft mit der Abwicklung (Clearing) von Euro-Derivaten. Durch den Brexit sieht die Deutsche Börse die Chance gekommen, dem Konkurrenten das Wasser abzugraben.

Bereits im vergangenen Jahr führte sie ein Partnerschaftsprogramm ein, bei dem sich die Eurex den Gewinn mit den aktivsten Geldhäusern teilt. Bis Ende des Jahres will die Eurex beim Euro-Clearing auf einen Marktanteil von 25 Prozent kommen. Aktuell liegt er nach Unternehmensangaben bei 13 Prozent.

Unter Clearing versteht man die Abrechnung und Abwicklung von Wertpapiergeschäften. Es steht damit zwischen dem Handel und der sogenannten Verwahrung (Custody). Clearinghäuser treten dabei zwischen Käufer und Verkäufer und sind damit einem hohen Risiko ausgesetzt, falls eine Partei ausfällt. Sie gelten deshalb als riskant für das Finanzsystem und werden seit der Finanzkrise genau überwacht. Im schlimmsten Fall müssten sie nämlich durch Steuergeld gestützt werden.

Die Frage des Clearings von auf Euro lautenden Derivaten – Futures, Optionen oder Swaps – ist daher keineswegs nur von wirtschaftlichem Interesse für die Eurex, sondern hat wegen des geplanten Ausstiegs der Briten aus der Europäischen Union auch politische Bedeutung. Bislang wird nämlich ein Großteil der milliardenschweren Euro-Derivate-Geschäfte in London abgewickelt. Würde nach dem Brexit etwas schiefgehen, wären die Behörden in der EU möglicherweise außen vor.

Um Marktverwerfungen zu vermeiden, darf die LCH Clearnet selbst bei einem EU-Austritt Großbritanniens ohne Vertrag für eine Übergangszeit weitere Euro-Derivate abwickeln. Doch diese Regelung läuft Ende März 2020 aus. Ohne eine Verlängerung könnte die LCH Ende 2019 ihren Kunden raten, ihre Depots zu verlagern.

Mehr: Viele Großbanken sind lange davon ausgegangen, dass ein wilder Brexit vermieden wird. Mit der Wahl von Boris Johnson hat sich das geändert. Sie planen für den schlimmsten Fall.

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