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Der SPAC-Boom ist vorbei, jetzt sind De-SPACs en vogue.

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BörsenWoche 418: EditorialMarley Spoon: Die durchwachsene Bilanz von SPACs

Der Kochbox-Hersteller Marley Spoon kommt an die Börse – durch die Hintertür. Bei diesen SPAC genannten Deals werden leere Börsenhüllen mit Leben gefüllt. Ihr Erfolg hielt sich in der Vergangenheit jedoch in Grenzen.Jan-Lukas Schmitt 17.07.2023 - 07:00 Uhr

Können Sie gut kochen? Ich bekomme mit Mühe eine Handvoll Gerichte zustande und lebe deshalb vor allem von Tiefkühlgemüsepfannen und den Mittagstischen der umliegenden Restaurants. Ein Ausweg aus der kulinarischen Tristesse wäre womöglich, ein Kochbox-Abo abzuschließen – zum Beispiel bei Marley Spoon.

Die Firma verspricht ausgewogene Mahlzeiten für jeden Geschmack und liefert die Zutaten samt Rezept bis an die Wohnungstür. Mit etwas Glück gäbe es das Abo über Umwege sogar umsonst. Denn Marley Spoon ist seit vergangener Woche börsennotiert. Bei marktüblicher Performance würde ein Investment von 20.000 Euro durch die Kursgewinne die Kosten für den werktäglichen Lunch decken. Die Art des Börsengangs dürfte aber nicht jedermanns Geschmack sein.

Das Unternehmen kam über die Firma 468 SPAC an die Frankfurter Börse. Solche Special Purpose Acquisition Companies (SPACs) sind leere Hüllen ohne operatives Geschäft. Ihre Sponsoren bringen die Mantelfirma an die Börse, um Kapital einzusammeln.

In der zweiten Phase, dem sogenannten De-SPAC, wird dann ein Unternehmen gekauft und gelangt so quasi durch die Hintertür aufs Börsenparkett. Strukturbedingt verwässern dabei die Anteile am Zielunternehmen häufig, weil die Investoren des SPACs Vorzugsrechte zu fixen Preisen haben, die auch unterhalb der Börsenpreise liegen können.

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Die Börsenwoche vom 17.7.2023

Zudem können SPAC-Aktionäre abspringen, wenn ihnen das Übernahmeziel nicht gefällt, sodass der Mantelfirma Mittelabflüsse drohen.

In den vergangenen Jahren gab es kurzzeitig einen regelrechten SPAC-Boom. Der ist vorbei. Dafür sind nun De-SPACS en vogue. Der Grund dafür sind die Übernahmefristen, die SPACS einhalten müssen.

Die Initiatoren haben nicht ewig Zeit, ein Übernahmeziel zu finden. Üblicherweise bleiben ihnen 24 Monate. Ist die Börsenhülle dann noch leer, muss sie aufgelöst werden. Für die SPAC-Manager ist dies das schlechteste Szenario. Sie verdienen meist vor allem über Optionen am SPAC.

Hedgefonds-Legende Bill Ackman etwa löste seinen SPAC vergangenes Jahr auf, weil er kein passendes Übernahmeziel fand – und gab vier Milliarden Dollar zurück. So integer handelt nicht jeder, weshalb notfalls im Zuge von De-SPACs auch Unternehmen den Weg an die Börse finden, die dafür nicht bereit sind.

Ein prominentes Beispiel ist Nikola. Der US-Hersteller von Wasserstoff-Trucks erreichte nach dem IPO Spitzenkurse von 70 Dollar, war trotz fehlender Umsätze zwischenzeitlich mehr wert als Ford.

BörsenWoche-Leser blieben bei der Kursexplosion außen vor – wir hatten in Ausgabe 262 dringend abgeraten. Die Versprechen des damaligen CEO Trevor Milton erschienen uns unrealistisch.

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Tatsächlich war bei einem angeblichen Vorzeige-Truck Betrug im Spiel, Milton wurde der Irreführung schuldiggesprochen. Die Nikola-Aktie dümpelt nun an der Ein-Euro-Marke.

In Deutschland haben SPACs bislang selten mit guter Performance auf sich aufmerksam gemacht. Vorsicht ist daher angebracht.

Ob Marley Spoon die Misere beenden kann? Fraglich. Die vorangegangene Börsengeschichte in Australien war für Anleger jedenfalls unerschwinglich. Ob es nun besser läuft, muss sich zeigen.

Ich wünsche Ihnen eine geschmackvolle Woche.

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Ihr Jan-Lukas Schmitt

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