BörsenWoche Editorial: So schlugen sich unsere Depots 2022
Bulle und Bär an einem Arbeitsplatz an der Börse in Frankfurt am Main
Foto: APWas für ein Jahr liegt hinter uns! Die Notenbanken haben die Zinswende vollzogen, Elon Musk Twitter gekauft und eine große Kryptobörse ist in sich zusammengefallen. Über allem aber stand sicher der schreckliche Krieg in der Ukraine, der leider noch immer andauert. Es ist also, während in Europa weiter Krieg herrscht, ein großes Glück, dass ich mir hier weiterhin Gedanken über Geldanlagethemen machen darf – auch das kann man sich zum Jahresende durchaus einmal vor Augen führen.
Heute will ich zurückschauen auf das, was 2022 in den BörsenWoche-Depots gut lief und natürlich auch, wie es bei uns gute Tradition ist, darauf, wo es klemmte. Schaut man sich die Wertentwicklung der beiden Depots an, liegen beide Portfolios mit minus 7,4 (konservatives Depot) beziehungsweise 8,9 Prozent (spekulatives Depot) dicht beieinander.
Ein Minus also in beiden Depots, das ist natürlich nie schön. Aber es relativiert sich durch das Börsenjahr, in dem viele Anlageklassen an Wert verloren und selbst ein guter Mischfonds wie der Flossbach von Storch Multiple Opportunities gut neun Prozent einbüßte.
Im konservativen Depot haben vor allem drei Dinge positiv zur Wertentwicklung beigetragen. Zum einen bewies die Goldposition, die wir bereits seit Start der Portfolios im April 2015 als Krisenversicherung und Inflationsschutz halten, dass sie diese Funktionen gut ausfüllen kann. Zum anderen machte sich bezahlt, dass wir bei der Aufnahme neuer Aktien auf internationale Qualitätstitel wie Nintendo, Nasdaq oder Ferrari gesetzt haben, mit profitablem Geschäft und guter Bilanz. Die schlugen sich im schwierigen Börsenumfeld 2022 sehr wacker.
Gleichzeitig sorgte die Trennung von kleineren Spezialtiteln wie Stinag (− 15 Prozent seit Verkauf), Lechwerke (− 24) und vor allem Varta (− 68) dafür, dass uns dort Verluste erspart blieben. Im spekulativen Depot gingen zudem die Wetten auf die Zinswende (Deutsche Bank), Energiewende (7C Solarparken) und Kurswende (Biontech) auf.
Hier wie dort ein Renditekiller war dagegen unsere Idee, sich ab August mit Puts gegen fallende Kurse abzusichern, weil wir die Positionen nicht rechtzeitig aufgelöst und erst diese Woche mit Verlust verkauft haben. Eine Lehre daraus wird sein, solche Spekulationen dosierter einzusetzen – und enger abzusichern. Auch waren wir bei den Turnaround-Wetten Teamviewer, Tilray und Manz zu früh (TeamViewer) beziehungsweise zu optimistisch (Tilray, Manz).
Im konservativen Depot bekamen wir beim Anleiheanteil zudem die Zinswende zu spüren, die die Kurse drückte – die Rendite bis Endfälligkeit aber nicht beeinträchtigt. Dass der Rückgang das Anlageergebnis eines einzelnen Jahres beeinträchtigt hat, bereitet uns insofern kein Kopfzerbrechen.
Das Ziel ist schließlich, langfristig erfolgreich zu sein und Kapital zu erhalten (konservativ) beziehungsweise zu mehren (spekulativ). Dass das in einzelnen, schwierigen Börsenjahren auch mal misslingen kann, gehört zum Auf und Ab der Märkte dazu. In diesem Sinne: Ich hoffe, Sie bleiben uns auch im kommenden Jahr gewogen und ich wünsche Ihnen schöne Weihnachtstage. Die erste BörsenWoche im neuen Jahr erscheint am Montag, 9. Januar.
Ihr
Georg Buschmann
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