Brainlab-Börsengang: Münchner Softwarespezialist Brainlab will an die Börse
Das Münchner Medizintechnikunternehmen Brainlab will noch im Sommer an die Börse in Frankfurt gehen. Geplant sei eine Notiz am regulierten Markt (Prime Standard) in den kommenden Wochen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Mit der Ausgabe neuer Aktien wolle Brainlab bis zu 200 Millionen Euro einnehmen, die für den Ausbau der Geschäfte verwendet werden sollen.
Mit dem Börsengang soll insbesondere eine Ausweitung der Geschäfte auf weitere klinische Anwendungen und angrenzende Marktsegmente vorangetrieben und die Bilanz gestärkt werden. Hierzu gehören unter anderem Orthopädie, Sportmedizin, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) und kardiovaskuläre Eingriffe.
Brainlab-Gründer Stefan Vilsmeier sieht den Zeitpunkt für einen Börsengang günstig. „Technologien wie künstliche Intelligenz, Augmented Reality oder Cloud ergeben Möglichkeiten, die es vorher noch nie so gegeben hat.“ Hinzu komme der Generationenwechsel in der Arbeitswelt. In den kommenden zehn Jahren gehen demnach etwa 30 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen in Rente. Daraus ergebe sich ein sehr hohes Potenzial.
Bereits im Jahr 2001 hatte Brainlab erstmals mit einem Gang aufs Parkett geliebäugelt, den Börsengang aber wegen der Turbulenzen am Neuen Markt kurzfristig abgeblasen.
Vilsmeier hält derzeit die Mehrheit an Brainlab. Zu den externen Investoren gehört der Münchner Finanzinvestor EMH Partners. Um für genügend Streubesitz zu sorgen, wollten sich auch die derzeitigen Eigentümer von Aktien trennen. Allerdings betonte Vilsmeier, bei seinem Aktienpaket gehe es dabei nur um einen sehr kleinen Anteil. Er werde das Unternehmen als langfristiger Investor weiter unterstützen. Vor gut einem halben Jahr hatte er zudem seinen Rückzug aus dem operativen Geschäft angekündigt.
Organisiert wird der Börsengang von Berenberg, der Deutschen Bank, der Commerzbank, Jefferies und Unicredit. Zudem berät Evercore das Unternehmen. Laut einem Bericht der „Börsen-Zeitung“ wird eine Bewertung von zwei bis drei Milliarden Euro angepeilt.
Das Geld aus dem Börsengang soll vor allem für Investitionen genutzt werden. Brainlab-Vorstandschef Rainer Birkenbach sagte, geplant sei vor allem organisches Wachstum. In der Vergangenheit habe Brainlab viel in Technologien investiert. „Wir gehen mit offenen Augen durch die Welt und schließen nichts aus, aber der Fokus liegt auf dem organischen Wachstum.“
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Brainlab bietet mit rund 2000 Mitarbeitern Medizintechnik-Software und die zugehörige Hardware, etwa für Operationen und Tumor-Strahlentherapien an. Inzwischen nutzen etwa 4000 Kliniken die Produkte des Unternehmens. Gegründet wurde das Unternehmen vor 35 Jahren.
Im ersten Halbjahr erwirtschaftete Brainlab einen Umsatz von 239 Millionen Euro und erzielte eine operative Gewinnmarge von 22,4 Prozent. Das Hauptgeschäft machen die Münchner mit einem Anteil von 46 Prozent in Europa, dicht gefolgt vom amerikanischen Markt mit 41 Prozent und 13 Prozent in Asien.
Brainlab ist das zweite Unternehmen, das noch vor der Sommerpause an die Frankfurter Börse will. Erst vor wenigen Tagen hatte der Berliner Auto-Ersatzteilhändler Autodoc seinen Börsengang im Prime Standard angekündigt. In diesem Börsensegment gelten strengere Regelungen als im Freiverkehr. Dafür können die dort notierten Unternehmen in einen der Indizes aufgenommen werden, wie dem Kleinwerteindex SDax.
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