1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. IT
  4. Meta KI-Brille: Mark Zuckerberg präsentiert sein „Eye Phone“

Meta KI-BrilleMark Zuckerberg präsentiert sein „Eye Phone“

Begleitet von kleinen Pannen hat Meta-Gründer Mark Zuckerberg die „erste KI-Brille mit hochauflösendem Display“ vorgestellt. Die Entwicklung ist eine Wette auf die Zukunft.Matthias Hohensee 19.09.2025 - 13:20 Uhr
Meta-CEO Mark Zuckerberg bei der Präsentation der neuen Produkte. Foto: AP

Zwei Dinge gehören inzwischen zu jeder großen Silicon-Valley-Keynote: das Preisen von Künstlicher Intelligenz und von Live-Übersetzungen. So war es auch am frühen Mittwochabend kalifornischer Zeit, als Meta-Chef Mark Zuckerberg seine Entwicklerkonferenz Connect im Hauptsitz seines Konzerns eröffnete. Gleichzeitig lässt sich jetzt schon voraussagen, was künftig wohl nicht mehr dazugehören wird: Live-Präsentationen. Denn statt dem Vorbild von Apple zu folgen, das mittlerweile alle Präsentationen vorab aufzeichnet und dann dem Publikum vorspielt, entschied sich Zuckerberg dafür, seine wichtigsten Produkte live auf der Bühne zu demonstrieren.

Und das ging gründlich schief. Erst versagte eine KI-Assistentin, die beim Anrühren einer Soße helfen sollte, ihren Dienst und wiederholte stur unlogische Anweisungen. Dann scheiterte auch noch ein WhatsApp-Videoanruf über Zuckerbergs neuestes Vorzeigeprodukt kläglich, was den Meta-Chef für einen Moment aus dem Konzept brachte. „Es liegt wohl am Wi-Fi“, stöhnte er.

Trotz dieser Pannen sollte man den Konzern nicht unterschätzen. Denn die von Meta in Zusammenarbeit mit dem italienischen Brillenkonzern EssilorLuxottica entwickelte erste KI-Brille mit hochauflösendem Display, die Zuckerberg am Mittwoch vorstellte, markiert einen Wendepunkt.

iPhone Air

Und dieses Telefon soll Kunden den Atem rauben?

Als „atemberaubend“ hatte Apple-Chef Tim Cook die Präsentation des neuen iPhone 17 angekündigt. Was genau er meint, bleibt sein Geheimnis. Mit einer Ausnahme.

von Matthias Hohensee

Im Gegensatz zu den vor vier Jahren erstmals vorgestellten Ray-Ban Meta Glasses, die bereits Audio und Video aufzeichnen, Musik abspielen und in einer späteren Version Gespräche live übersetzen und per KI-Assistent Informationen ins Ohr flüstern konnten, geht die neue Generation deutlich weiter: Sie kann Kurznachrichten, Fotos oder Navigationshinweise über ein hochauflösendes Display direkt ins Sichtfeld einblenden. Damit wird sie zu einem echten Hybrid aus Brille und Smartphone.

Ein Armband als Steuerzentrale

Zentraler Bestandteil ist das Meta Neural Band, ein Armband, das kleinste Muskelbewegungen am Handgelenk erkennt und in Befehle übersetzt. Ein Fingerzucken genügt, um Nachrichten zu schreiben, Musik zu steuern oder Anrufe anzunehmen. Zuckerberg selbst behauptet stolz, damit bereits „30 Wörter pro Minute“ tippen zu können.

Das Display wiederum ist so hell, dass es auch in der prallen Sonne lesbar bleibt. Und weil es leicht seitlich versetzt ist, verschwindet es nach wenigen Sekunden automatisch, damit es die Nutzer nicht dauerhaft ablenkt.

Für Zuckerberg ist die Brille weit mehr als ein neues Gadget: Sie ist ein Schritt hin zur „Personal Superintelligence“ – einem digitalen Begleiter, der permanent verfügbar ist, der den Alltag erleichtert, übersetzt, erinnert und Informationen direkt dort liefert, wo sie gebraucht werden.

Strategische Unabhängigkeit von Apple und Google

Die wirtschaftliche Dimension macht die Brille zu mehr als einem modischen Accessoire. Seit der Umbenennung von Facebook in Meta im Jahr 2021 hat der Konzern fast 70 Milliarden Dollar in seine Hardwaresparte Reality Labs investiert – und bislang nur wenige Erfolge vorzuweisen.

Allein im zweiten Quartal dieses Jahres summierten sich die Verluste dort auf 4,5 Milliarden Dollar. An der Wall Street wächst die Skepsis. „Investoren wollen Fortschritte sehen, die zumindest das Potenzial für künftige Renditen erkennen lassen“, sagt Justin Post, Analyst bei der Bank of America.

Brillen seien dabei realistischer als VR-Headsets, die technologisch zwar faszinieren, aber nach wie vor ein Nischenprodukt sind. Smart Glasses könnten schneller in den Alltag vordringen – zumal die Verkäufe der bisherigen Ray-Ban Meta Glasses im vergangenen Jahr deutlich angezogen haben. Am Mittwoch stellte Zuckerberg deren neueste Version vor – mit doppelter Laufzeit und besserer Videoqualität. EssilorLuxottica hofft, im nächsten Jahr davon zehn Millionen Stück weltweit absetzen zu können.

Meta-CEO Mark Zuckerberg präsentiert die neuen KI-Brillenmodelle. Foto: AP

Die KI-Brille hat eine zentrale strategische Funktion: Meta will sich aus der Abhängigkeit von Apple und Google befreien. Bislang hängen Facebook, Instagram und WhatsApp vollständig von iOS und Android ab. Jede Änderung der Regeln in den AppStores von Apple und Google – etwa Apples Einschränkungen beim Tracking – trifft Metas Geschäftsmodell unmittelbar. Mit einer eigenen Hardware-Plattform, so Zuckerbergs Traum, könnte Meta selbst zum Gatekeeper werden und den direkten Zugang zu den Nutzern kontrollieren.

Doch der Weg ist steinig und teuer. Anders als Apple verfügt Meta kaum über Erfahrung mit Hardwareproduktion in großem Stil. Die Kooperation mit EssilorLuxottica bringt zwar Designkompetenz und Markenstärke – Ray-Ban und Oakley gelten als modische Ikonen –, doch die Integration von Displays, Sensoren und KI in ein alltagstaugliches Produkt ist technologisch hochkomplex.

Stolzer Preis, vorsichtige Einführung

Das Paket aus Brille und Armband soll ab Ende September für 799 Dollar in den USA erhältlich sein. Damit ist es genauso teuer wie die Standardversion des iPhone 17. Zunächst beschränkt Meta die Einführung auf ausgewählte Händler und Regionen; eine Expansion nach Europa ist erst für 2026 vorgesehen.

Zuckerberg weiß, dass die Zeit drängt. Apple hat mit der Vision Pro einen High-End-Mixed-Reality-Computer vorgestellt und arbeitet an eigenen Brillenprojekten. Google hat sich mit dem Brillenhersteller Warby Parker zusammengetan, um ein eigenes Modell zu entwickeln, Samsung und Amazon forschen ebenfalls. „Wer als Erster eine alltagstaugliche Brille etabliert, wird die nächste Computer-Generation dominieren“, meint Analyst Thomas Husson von Forrester Research.

799 Dollar werden fällig für ein Paket aus dem Meta Neutral Armband und der KI-Brille. Foto: Nic Coury/AP/dpa

Der Vorsprung von Meta liegt darin, dass das Unternehmen bereits seit über zehn Jahren in das Thema investiert und mit Ray-Ban einen Partner hat, dessen Modelle gesellschaftlich akzeptiert sind. Im Gegensatz zu den im Sommer 2012 vorgestellten Google Glasses, die förmlich ins Auge sprangen.

Eye Phone statt iPhone

„Wenn man es so will, bringt Meta nun ein ‚Eye Phone‘ auf den Markt“, scherzt Philipp Rauschnabel, Professor für Digital Marketing & Media Innovation an der Universität der Bundeswehr in München. „Damit tritt Meta in den Smartphone-Markt ein: Was wir heute am Handy erledigen, rutscht in ein transparentes Display vor die Augen“, sagt der Experte für Virtual und Augmented Reality.

Der Nachteil: Die Skepsis gegenüber Zuckerberg ist hoch – nicht nur wegen der Milliardenverluste, sondern auch wegen der anhaltenden Datenschutzbedenken. „Anders als klassische Kameras verarbeitet Live AI-Informationen in Echtzeit, einschließlich personenbezogener Daten Unbeteiligter“, warnt Rauschnabel.

Google war mit seinen Google Glasses, die lediglich Fotos oder Videos aufnehmen, gründlich auf die Nase gefallen. Andererseits hat es bislang keinen großen Aufruhr wegen der bisherigen Meta Glasses gegeben. Wahrscheinlich auch, weil sie von normalen Ray-Ban-Sonnenbrillen nur schwer zu unterscheiden sind.

Noch bleibt unklar, wie groß der Markt tatsächlich ist. Frühere Versuche von Google oder Snap scheiterten auch an klobigem Design, schwacher Akkulaufzeit und fehlender Akzeptanz. Zwar haben sich die bisherigen Meta-Modelle überraschend stabil verkauft, doch mit einem Display im Sichtfeld und permanenter Kamera werden die Bedenken eher wachsen.

Mark Zuckerberg trägt die KI-Brille in Oakley Design. Foto: AP

Zuckerberg zeigt sich unbeirrt. „Dies ist das nächste Kapitel in der Geschichte des Computings“, erklärte er auf der Bühne. Und er arbeitet weiter an seinem Orion-Prototyp, einer Brille mit holografischen Display, die erweiterte Realität viel natürlicher erscheinen lassen soll.

Für Zuckerberg ist die Brille ein Symbol dafür, dass Meta nicht länger nur auf fremden Plattformen operieren muss, sondern selbst die Regeln der nächsten Internet-Generation setzen kann.

Eine riskante Wette auf die Zukunft

Ob die Meta-Ray-Ban-Display zum erhofften Befreiungsschlag wird, bleibt abzuwarten. Technologisch ist sie reif genug, um frühe Nutzer zu faszinieren, wirtschaftlich ist sie vor allem eine Wette auf Zeit. Die Verluste von Reality Labs summieren sich weiter, der Druck von Apple, Google und anderen wächst. Gelingt Meta der Durchbruch, könnte das Unternehmen die Kontrolle über die nächste Plattform-Generation gewinnen – und sich dauerhaft von der Abhängigkeit von iOS und Android lösen. Misslingt das Experiment, droht Reality Labs endgültig zum Milliardengrab zu werden.

Für Anleger ist die Botschaft klar: Die Brille ist nicht nur ein neues Produkt, sondern ein Test für Zuckerbergs Zukunftsstrategie – und vielleicht die letzte Chance, Metas gigantische Investitionen in Hardware zu rechtfertigen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick