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Elsässers Auslese Wege aus der Krise im Beruf

Immer mehr Menschen fehlt eine Perspektive im Beruf. Sie stecken in der Sackgasse oder vor dem aus. Bloß nicht aufgeben. Ein Beispiel für Wege aus der Krise.

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So werden Sie am Arbeitsplatz glücklicher
Menschen, die häufig lächeln, haben weniger oft Herzkrankheiten und leben länger, schreibt Ilona Bürgel in ihrem Buch „Die Kunst, die Arbeit zu genießen“. Selbst wenn wir uns zwingen, den Mund zu einem Lächeln zu verziehen, erkennt das Hirn den Unterschied nicht und empfängt die Botschaft, dass wir glücklich sind. Quelle: getty images
Glückliche Menschen verbringen 30 Prozent weniger Zeit vor dem Fernseher und sind lieber mit anderen unterwegs. Kino, Kirche oder Tanzen egal: Das Beisammensein mit anderen Menschen zählt. Quelle: dpa
Ob Fotos, Steine oder eben Hasen - die Erinnerungsstücke an schöne Momente tragen zu späteren Glücksgefühlen bei und sorgen für die Erwartung weiteren Glücks. Quelle: dpa
Bewegung baue das Stresshormon Cortisol ab und vertreibe Depressionen, so die Autorin. Wenige Minuten pro Tag reichen bereits. Noch besser ist die Wirkung im Freien, da dann zusätzlich Vitamin D produziert wird, das gesund und glücklich macht. Quelle: dpa
Bürgel zitiert eine Studie mit 160 Yoga-Lehrern. Diese ergab, dass regelmäßiges Yoga die Glücksblutwerte um 27 Prozent steigert. Quelle: REUTERS
Nicht nur negative Informationen, Gefühle und Haltungen stecken an - Glücklicherweise funktioniert das Prinzip auch umgekehrt. Wer bei der Arbeit positive Gefühle hat, nimmt diese mit nach Hause und überträgt sie so ins Privatleben. Und weiter bewirkt ein glückliches Privatleben auch gute Gefühle im Job - der Kreis schließt sich. Quelle: Handelsblatt Online
Massagen sollen die Abwehrkräfte steigern und Stresshormone im Körper abbauen. Quelle: Handelsblatt Online

Vergangene Woche, am 31. Oktober 2016, habe ich mich in meiner Kolumne „Elsässers Auslese“ mit den Irrwegen bei der Berufswahl junger Menschen beschäftigt. Der Beitrag fand einen - für mich - überraschend starken Anklang bei den Lesern der Wirtschaftswoche.

Heute möchte ich auf die Situation vieler Menschen eingehen, denen eine aussichtsreiche Perspektive im Beruf verloren gegangen ist. Dies ist ein um so wichtigeres Thema geworden, da immer mehr Berufstätige im Alter extrem fit sind. Gleichzeitig findet diese Tatsache in ihrem beruflichen Umfeld keine Würdigung. Wie oft habe ich es während der vergangenen Jahre erlebt, mit dem stets gleichen Resultat: Plötzlich stehen gute Leute, Angestellte wie Selbständige, selbst verschuldet oder auch nicht, vor dem aus. Und wie ist in der Regel die Reaktion? Sie verkriechen sich voller Scham. Ihr Selbstbewusstsein ist angekratzt. Sie lassen sich aus der Bahn werfen.

Dazu nur mal zwei Beispiele aus meinem privaten Umfeld: Als ich vor zwanzig Jahren noch in Singapur gearbeitet habe, wurde einem Schweizer Investmentbanker der Entsendungsvertrag aus heiterem Himmel gekündigt. Seine Frau und er wagten sich für vier Wochen nicht mehr an den gemeinsamen Swimming Pool unserer Wohnanlage. Stattdessen saßen sie hinter zugezogenen Vorhängen in ihrer Wohnung.

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Vor vier Jahren entließ die Deutsche Telekom in einer ihrer Enkelgesellschaften den Vertriebsgeschäftsführer. Das kam nicht überraschend. Über Jahre wurde er systematisch „gepiesackt“, in seinen Kompetenzen beschnitten und menschenunwürdig im Konzern behandelt. Geduldig ertrug er die Erniedrigung, stets in der stillen Hoffnung, dass sich alles noch bessern würde – eines Tages.

Tatsächlich saß er wie ein Kaninchen vor der Schlange und erwartete den Genickschuss. Als es soweit war, zog er sich als geknickter Hausmann ins Privatleben zurück und verlässt seitdem kaum noch das Haus. Er schämt sich, das Ganze ist ihm peinlich. Beruflich hat er aufgegeben. Und das bei aktuellem Fachwissen, einer Menge wertvoller Erfahrung und guter Gesundheit. De facto ist der Mann auf der Höhe seines Könnens, hat sich aber selbst in einen Orbit der „Opfergesinnung“ katapultiert.

Gegen diese Art von Lähmungsgift, welches unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem nur zu gerne verabreicht, sollte jeder persönlich ankämpfen. Es geht auch anders.

Gerade komme ich aus Nord Finnland zurück. Seit Jahren arbeite ich dort mit einem selbständigen Geologen zusammen. Die letzten vier Jahre waren entsetzlich für die Rohstoffindustrie. Im Januar diesen Jahres sah es für meinen 59-jährigen Freund wirklich schlecht aus. Er hatte kaum noch Aufträge. Er war drauf und dran aufzugeben. Doch dann gab er sich einen Ruck und heute, keine acht Monate später, läuft sein Business so gut wie noch nie.

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Was hatte mein Geologen-Freund unternommen, um wieder nach vorne zu kommen? Welche Wege hatte er eingeschlagen? Im Gespräch empfahl er aus eigener Erfahrung und mit voller Überzeugung drei Maßnahmen:

1. Anstatt sich wie ein angeschossenes Opfer zu fühlen, ist er in die Offensive gegangen und hat sein gesamtes Netzwerk - privat wie beruflich – mobilisiert. Alle Kontakte wurden systematisch angesprochen. Er war sich nicht zu fein, um weitere Empfehlungen und Adressen zu bitten. Er hat unzählige Gespräche geführt und „Querverbindungen“ genutzt. Aufgrund seiner Erfahrung schwört mein Freund auf „Networking“. Wer sich nicht in der Welt zeigt, wird auch nicht gesehen. Wer sein Anliegen nicht klar ausspricht, darf sich nicht wundern, wenn ihn keiner hört und versteht.

2. In der Unternehmer-Vereinigung seines Ortes hat er nach einem Sparringspartner und Mentor gesucht. Denn er spürte mit seinem alten Latein war er am Ende. Sein Mentor wurde witzigerweise ein erfolgreicher Unternehmer, der nicht aus seiner Branche kam und glatte 15 jünger war als mein Freund. Das hat viel gebracht: sich außerhalb seines althergebrachten „Dunstkreises“ mal zu bewegen.

3. Der dritte Punkt, der meinen Freund weitergebracht hat, war sein Business Modell zu überdenken. Jahrelang hatte er eine ganz bestimmte Dienstleistung angeboten. Aber erst mit einer besseren Akzentsetzung, die auf die schlechte Marktsituation abgestimmt war, erhöhten sich seine Chancen. Sein Credo lautet: „Man muss etwas sehr Spezielles anbieten, etwas aus einem anderen Blickwinkel, etwas mit mehr Nutzen.“ Mit dem Verlassen der traditionell eingefahrenen Bahnen, taten sich die neuen Chancen auf.

Mein Fazit: Im Beruf verbringt man mehr Zeit als in der Familie. Sie sind der Kapitän am Steuer ihres Lebensschiffes. Lassen Sie sich nicht den Schneid abkaufen. Nichts ist schlimmer als dauerhaft erfolglos in einem ungeliebten Beruf vor sich hin zu leben. Ganz gleich in welcher Zwickmühle oder in welchem Sumpf Sie gerade stecken: Der Einsatz für die wichtigste Person in Ihrem Leben lohnt sich: Sie selbst.

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