WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Elsässers Auslese

So wählt der kluge Aktionär Familienunternehmen aus

Seite 2/3

Zwei Generationen von Familien-AGs

Ich unterscheide grundsätzlich zwischen zwei Familien-AG-Konstellationen:

1.  Die ideale Ausgangsbasis: Der Gründer und Pionier ist noch an Bord und hält die Zügel in der Hand. Da gibt es einige Super-Erfolgsbeispiele. Bei der Optikerkette Fielmann ist Günther Fielmann die herausragende Figur. Ein Branchenpionier. Schauen Sie sich einmal die Kursentwicklung der vergangenen zehn Jahre an und Sie werden staunen. Gleiches gilt für die Dividendenentwicklung. Hier profitiert der freie Aktionär eins zu eins vom Lebenswerk des Großaktionärs.

Gleiches gilt für den weltmarktführenden Konkurrenten Luxottica. Eine der besten Aktien an der Mailänder Börse. Auch hier geht alles auf den überragenden Unternehmer Leonardo Del Vecchio zurück. Die prägende Figur, auf die sich die Aktionäre seit Jahren verlassen können.

Diese Ausschüttungen dürfen Dax-Aktionäre erwarten

Doch aufgepasst: Das ist nicht bei allen Pionierunternehmern an der Börse so. Es kommt ganz auf die charakterliche Haltung an. Arbeitet der Großaktionär gerne für seine Aktionäre? Oder empfindet er sie als lästige „Trittbrettfahrer“?

Im letzteren Fall muss sich der Aktionär auf eine Schlittenfahrt gefasst machen. Kurse werden in einer Börsenkrise erst recht fallen gelassen und am Kurstief kommt dann ein Abfindungsangebot mit magerem Aufschlag. Der Großaktionär nutzt die Baisse in der Kursnotiz, um endlich seine Aktionäre loszuwerden. Er kann den Gedanken der „Mitesser“ nicht ertragen.

Eine Abfindung im Börsentief ist eine ganz unangenehme Sache, da der Kursverlust dauerhaft einzementiert wird. Die Gelegenheit die Kursverluste wieder aufzuholen, ist einem dann bei dieser Aktie dem Anleger für immer aus der Hand genommen. Genauso ist es vielen Aktionären vor über zehn Jahren bei der Bohrerfirma Hilti an der Züricher Börse ergangen. Das war ein echter Jammer.

Die Börsenkandidaten für den Herbst
ABN AmroDie Privatisierung der niederländischen Großbank ABN Amro droht zum Verlustgeschäft für die Regierung zu werden. Sie teilte am Dienstag mit, 23 Prozent der Anteile an den Markt bringen zu wollen. Die Aktien würden dabei Investoren für jeweils 16 bis 20 Euro angeboten. Auf Basis dieser Preisspanne hat die Bank einen Wert von 15 bis 18,8 Milliarden Euro. Auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise 2008 wurde ABN Amro allerdings mit Steuergeldern in Höhe von mehr als 22 Milliarden Euro verstaatlicht. Quelle: AP
Match (Tinder / Friendscout24)Die Mutterfirma der Dating-Portale Tinder und OKCupid will bei ihrem anstehenden Börsengang mindestens 400 Millionen Dollar einnehmen. Das Unternehmen Match.com, zu dem auch FriendScout24 in Deutschland gehört, setzte die Spanne für den Aktienpreis auf 12 bis 14 Dollar fest, wie aus dem aktualisierten Börsenprospekt hervorgeht. Zusammen mit einer sogenannten Mehrzuteilungsoption für die betreuenden Banken könnte der Börsengang insgesamt knapp 537 Millionen Dollar schwer werden. Match.com kam zuletzt auf 59 Millionen aktive Nutzer im Monat, von denen 4,7 Millionen zahlende Kunden sind. Die Firma gehört zum Internet-Konzern IAC, der auch nach dem Börsengang die Kontrolle mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent behalten will. Match.com verdiente in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 85 Millionen Dollar - fast 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Umsatz wuchs binnen eines Jahres um 16 Prozent auf knapp 753 Millionen Dollar. Quelle: dpa
Hapag-LloydDer Schifffahrtskonzern Hapag-Lloyd hat seinen Börsengang mit letzter Kraft geschafft. Die angebotenen Aktien seien für 20 Euro je Stück verkauft worden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend (3.11.) mit. Das ist das untere Ende der bereits gesenkten Preisspanne von 20 bis 22 Euro. Zuvor hatte Hapag noch 23 bis 29 Euro haben wollen. Der angepeilte Bruttoemissionserlös von 300 Millionen US-Dollar wurde wegen der angehobenen Aktienzahl dennoch erreicht. Neben den von ursprünglich 11,5 auf 13,2 Millionen Anteilscheinen erhöhten Zahl an neuen Papieren wurden auch knapp 2 Millionen Aktien aus dem Bestand des Alteigentümers Tui verkauft. Die beiden Kernaktionäre Kühne und CSAV beteiligten sich mit je 30 Millionen Dollar an der Kapitalerhöhung. Der erste Handelstag für die Aktien im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Börse ist für Freitag (6.11.) vorgesehen. Quelle: dpa
ABN AmroDie niederländische Großbank hat offenbar alle Genehmigungen für einen Börsengang beisammen - und könnte noch im vierten Quartal 2015 den Sprung aufs Parkett schaffen. ABN Amro zählt zu den drei größten Banken der Niederlande und musste im Zuge der Finanzkrise 2008 verstaatlicht werden. Die niederländische Regierung will nun 15 bis 25 Prozent der Bank über die Börse verkaufen. Damit steht ein weiterer Milliarden schwerer Börsengang an: Der Buchwert der ABN Amro soll bei 15,6 Milliarden Euro liegen. Quelle: REUTERS
Börsengang von Ferrari an der New Yorker Wall Street Quelle: AP
SteilmannDer Modehersteller und -händler Steilmann backt bei seinem Börsengang mangels Nachfrage kleinere Brötchen. Statt bis zu 98 Millionen Euro begnügt sich das Unternehmen aus Bergkamen nun mit einem Erlös von 50,3 Millionen Euro, wie Steilmann am 22. Oktober 2015 mitteilte. Das Aktienangebot wird auf 14,4 Millionen von bis zu 19,55 Millionen Papiere verkleinert, der Preis dafür auf 3,50 Euro festgesetzt. Das liegt am unteren Ende der bis zu 5,00 Euro reichenden Spanne. Die Steilmann-Papiere können noch bis zum 29. Oktober. Am 3. November sollen sie erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Steilmann will mit dem Erlös vor allem den italienischen Finanzinvestor Equinox bei der Billigmodekette Adler herauskaufen und dort allein die Mehrheit übernehmen. Quelle: dpa/dpaweb
Poste ItalianeItaliens Regierung will die staatliche Post an die Börse bringen und damit eine Milliardensumme einnehmen. Die Aktien sollen nach Aussage von Geschäftsführer Francesco Caio am 26. oder 27. Oktober erstmals an der Börse gehandelt werden.  Der Börsengang der Poste Italiane soll dem Staat bis zu 3,7 Milliarden Euro einbringen, wie das Finanzministerium in Rom mitteilte. Der Staat will so etwas weniger als 40 Prozent der Post privatisieren. Es wäre der größte Börsengang in Italien seit 1999. Quelle: PR

2.  Die zweite Generation oder nachfolgende Generationen sind am Drücker: Aus meiner langjährigen Erfahrung ist mir hier ein ganzer Katalog von Punkten wichtig:

a) die Vertreter der Nachfolge-Gründergeneration sollten sich öffentlich zu ihrem Unternehmen bekennen,

b) sie treten auch in Erscheinung,

c) sie leben privat vor Ort (und sind nicht in die Karibik oder nach Florida ausgewandert), der sogenannte „Kirchturmeffekt“,

d) sie entsenden ein Familienmitglied als aktiv und dauerhaft engagierten Aufpasser in das Unternehmen.

Die Börsenschwergewichte in Familienhand
Platz 10: NikeDie Analysten der Schweizer Großbank Credit Suisse haben die Börsenbewertungen von mehr als 900 Familienunternehmen unter die Lupe genommen, bei denen mindestens 20 Prozent der Aktie in Familienbesitz sind und die an der Börse mit mehr als einer Milliarde Doller bewertet werden. Mit einem Börsenwert von 87 Milliarden Dollar schafft es Nike unter die Top Ten der Familienaktien. Die Gründung des weltweit führenden Sportartikelherstellers geht auf das Jahr 1964 zurück, seit 1971 firmiert das Unternehmen unter "Nike" in Anlehnung an die griechische Siegesgöttin. Gegründet hat das Unternehmen in Oregon von Bill Bowermann und Phil Knight. Letzterer hat erst im Juli 2015 seinen Rückzug vom Vorsitz des Verwaltungsrates angekündigt. Kommendes Jahr - mit dann 77 Jahren - gibt der Firmengründer das Zepter ab, will aber weiter eine aktive Rolle im Konzern spielen. Die Aktie stieg seit 2009 von 20 auf mittlerweile mehr als 110 Dollar. Quelle: Credit Suisse; Stand: Juli 2015 Quelle: REUTERS
Platz 9: Kinder MorganHierzulande weniger bekannt ist der Konzern Kinder Morgan, ein Ausrüster für die Ölförderindustrie. Richard Kinder gründete das Unternehmen 1997 aus dem abgespaltetenen Pipelinegeschäft des Skandalkonzerns Enron. Richard Kinder leitet das Unternehmen noch heute. An der Börse war Kinder Morgan zum Zeitpunkt der Untersuchung mit rund 90 Milliarden Dollar bewertet. Quelle: dpa
Platz 8: VWDer Volkswagenkonzern zählt zu den drei größten Automobilherstellern der Welt - und drängt weiter an die Spitze. Die Nachfahren von Ferdinand Porsche, der den ersten Volkswagen 1937 entwickelte, sind heute neben dem Bundesland Niedersachsen die größten Aktionäre der Volkswagen AG. Die Familien Porsche und Piëch beherrschen die Porsche SE, die ihrerseits mehr als die Hälfte der VW-Aktien besitzt. Ferdinand Piëch - Enkel von Ferdinand Porsche - war von 1993 bis 2002 Vorstandschef und anschließend bis 2015 Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG. An der Börse wird der Autobauer mit knapp 120 Milliarden Dollar bewertet Quelle: dpa
Platz 7: SamsungDer südkoreanische Mischkonzern steht weit mehr als nur Mobiltelefone und Fernseher her, sondern ist auch in den Branchen Bau, Handel, Chemie, Versicherungen und vielem mehr aktiv. 1938 gründete Lee Byung-Chull das heute größte Unternehmen Südkoreas, beginnend mit einem Lebensmittelladen. Die Familie Lee ist noch heute Großaktionär des Konzerns, der an der Börse mit insgesamt 174 Milliarden Dollar bewertet wird. Quelle: dpa
Platz 6: OracleGründer des US-Soft- und Hardwareanbieters Oracle waren Lawrence J. (Larry) Ellison, Bod Miner und Ed Oates. Das Unternehmen wurde zunächst mit eigenen Datenbanklösungen, später vor allem durch spektakuläre Übernahmen groß und gilt heute als einer der größten IT-Konzerne weltweit. Larry Ellison ist nicht nur Großaktionär, sondern war auch noch bis 2014 Vorstandschef. Heute sitzt er im Verwaltungsrat des Unternehmens. Oracle war zum Zeitpunkt der Untersuchung an der Börse 191 Milliarden Dollar wert. Quelle: REUTERS
Anheuser-Busch InBev Quelle: Presse
Platz 4: FacebookFacebook-Gründer Mark Zuckerberg hält noch knapp ein Drittel der Aktien an dem sozialen Netzwerk mit mehr als 1,4 Milliarden Kunden weltweit. 2003 gegründet startete die Börsennotierung im Mai 2012. Nach deutlichen Kursverlusten im ersten Börsenjahr setzte die Aktie zum Höhenflug an und war Anfang Juli 2015 für eine Börsenbewertung von 225 Milliarden Dollar gut. Quelle: dpa

Als herausragende Beispiele möchte ich zwei Aktiengesellschaften erwähnen. Bei der Düsseldorfer Henkel ist die Familienentsandte Simone Bagel-Trah eine entscheidende Figur bei der Symbiose aus Management und Kapitalinteressen. Die Darmstädter Pharmazie- und Spezialchemiefirma Merck hat mit Frank Stangenberg-Haverkamp einen Familienclan-Vertreter in den Kontrollgremien, der wichtigen Einfluss auf die Entwicklung des Merck Konzerns genommen hat. Ich habe selten einen so hart arbeitenden Aktionärsvertreter erlebt. Unermüdlich ist er im Einsatz, bringt sich voll und ganz ein, reist unerschrocken in die hintersten Winkel der Emerging Markets, um am Puls des Geschehens zu sein. In beiden Fällen sind die Börsenerfolge der beiden Firmen sicher kein Zufall.   

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%