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Leben mit AktienEine Branche, zwei ETFs – zehn Prozentpunkte Unterschied

Mit Indexfonds können Anleger gezielt auf die Halbleiterbranche setzen. Aber Achtung: Die Wertentwicklung einzelner solcher Branchen-ETFs unterscheidet sich enorm – aus einem einfachen Grund.Julia Groth 02.10.2023 - 14:52 Uhr
Foto: imago images

Der Halbeiter-Hype kühlt allmählich etwas ab. Ein Indiz dafür: Der Chipdesigner Arm startete kürzlich fulminant an der Börse – und ließ dann deutlich nach. Der Ausgabepreis lag bei 51 je Aktie. Am ersten Handelstag legte der Kurs um stolze 25 Prozent zu, am zweiten Tag ging es weiter nach oben. Seitdem ist aber die Luft raus. Zwischenzeitlich fiel der Kurs sogar unter den Emissionspreis. Und bei Nvidia ist der rasante Kursanstieg der vergangenen Monate ins Stocken geraten.

Das heißt nicht, dass Halbleiteraktien nicht mehr angesagt wären. Im Gegenteil: Die Aussichten für die Branche bleiben gut, eine Beimischung kann sich lohnen. Wer keine Einzelaktien kaufen will, kann per börsengehandeltem Indexfonds (ETF) investieren. Dabei gilt es allerdings genau hinzuschauen – denn die angebotenen Produkte unterscheiden sich teils deutlich in ihrer Wertentwicklung (die ganze Analyse und weitere Anlagethemen hören Sie in unserem Podcast „Leben mit Aktien“).

Der iShares MSCI Global Semiconductors ETF wurde im Augst 2021 aufgelegt und verwaltet heute rund 452 Millionen Dollar. Seit Jahresbeginn hat er in Euro gerechnet um fast 33 Prozent zugelegt. Anders der Amundi MSCI Semiconductors ESG Filtered ETF, rund 125 Millionen Euro schwer, aufgelegt 2019: Hier stehen seit Jahresbeginn rund 43 Prozent Plus zu Buche. Das sind zehn Prozentpunkte Unterschied zugunsten des plakativ nachhaltig investierenden Amundi-ETF.

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Die Gewichtung macht den Unterschied

Mit Nachhaltigkeitsfaktoren hat der Unterschied indes nichts zu tun. Im Amundi-Fonds sind unter anderem kontroverse Waffen ausgeklammert, Ölsand, Tabak – Geschäftsfelder also, die nicht gerade typisch sind für die Halbleiterindustrie. Unterm Strich enthalten beide ETFs fast dieselben Aktien. Die größten Positionen sind dieselben. Nur: Sie sind unterschiedlich gewichtet.

Der Index, den der Amundi-ETF nachbildet, ist nach Marktkapitalisierung gewichtet. Je höher der Börsenwert eines Unternehmen ist, desto mehr Gewicht bekommt es in dem Börsenbarometer. Und ein Unternehmen hat in den vergangenen Monaten an der Börse alle anderen überflügelt: Nvidia. Mit einer Marktkapitalisierung von mittlerweile mehr als einer Billion Dollar ist der Halbleiterkonzern heute fast dreimal so groß wie die Nummer zwei, Taiwan Semiconductor (TSMC). Die Folge: Im Amundi-ETF hat Nvidia mit 27 Prozent ein fast dreimal so hohes Gewicht wie TSMC mit elf Prozent.

IShares verwendet für seinen ETF ebenfalls einen nach Nachhaltigkeitskriterien zusammengesetzten Index, auch wenn es aus dem Fondsnamen nicht ersichtlich ist: den MSCI ACWI IMI Semiconductors & Semiconductor Equipment ESG Screened Select Capped. Wichtig ist hier das letzte Wort im langen Namen. 

Der Indexanbieter MSCI hat bei diesem Börsenbarometer eine Obergrenze eingezogen, einen Cap. Die fünf größten Werte dürfen nicht mehr als je acht Prozent des Index ausmachen, all anderen Aktien maximal je fünf Prozent. Die Zusammensetzung wird quartalsweise daraufhin überprüft und gegebenenfalls nachjustiert. Die Folge dieses Caps: Nvidia ist im Index aktuell nur mit rund sieben Prozent gewichtet.

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Gewinne laufen lassen – oder Verluste begrenzen?

Auch der Index, der dem Amundi-ETF zugrunde liegt, hat einen Cap – allerdings erst bei 35 Prozent. Nvidia müsste im Vergleich zum Rest des Sektors noch einmal kräftig zulegen, damit diese Obergrenze wirksam würde. Bisher haben Anleger im Amundi-ETF daher voll vom Höhenflug der Nvidia-Aktie profitiert. Der iShares-ETF hingegen hat sich selbst ausgebremst: Dort wurden durch das quartalsweise Rebalancing immer wieder Nvidia-Aktien verkauft, Gewinne mitgenommen – und Performance abgeschnitten.

Sollten Anleger also besser in einen ETF ohne Cap investieren? Nicht unbedingt. Denn es geht schließlich nicht nur aufwärts. Wenn einige wenige Aktien sehr gut laufen, ziehen sie zwar den ganzen ETF mit sich nach oben – stürzen sie ab, ziehen sie ihn aber genauso mit nach unten. Einerseits wird der iShares-ETF so eher dem Grundgedanken hinter Indexfonds gerecht, weil er eine breitere Streuung bietet. Durch Diversifikation sollen Verlustrisiken minimiert werden

Andererseits beschneidet er durch den eng gesetzten Cap von acht Prozent für die fünf Top-Werte seine Performance-Chancen recht stark. Was sollten Anleger also tun? Vor allem: Genau hinschauen, eine informierte Entscheidung treffen – und für gezielte Kurswetten vielleicht doch besser direkt Einzelaktien kaufen.

Mehr zu Halbleiter-ETFs können Sie im Podcast „Leben mit Aktien“ hören. Außerdem sprechen wir über die Folgen der steigenden Zinsen für die Aktienmärkte und über die Aussichten für einen Neuling an der Börse: Schott Pharma.

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