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Manipulierte Aktienkurse Börsenskandal: Spekulant gesteht Manipulation

Vor dem Münchner Landgericht hat ein Angeklagter ein umfassendes Geständnis abgelegt. Es geht um einen Börsenskandal um manipulierte Aktienkurse.

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Der Prozess gegen den Deutsch-Briten findet mit Verspätung statt, weil der Angeklagte für die Justiz jahrelang nicht greifbar war. Quelle: dpa

Über zehn Jahre nach einem großen Börsenskandal um manipulierte Aktienkurse hat ein Spekulant vor dem Münchner Landgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. „Ich sehne den Tag herbei, an dem ich die Vergangenheit endlich hinter mir lassen kann“, sagte der angeklagte Deutsch-Brite am Dienstag zum Prozessauftakt.

Verhandelt wird nur einer von mehreren Fällen, die die Staatsanwaltschaft dem ehemaligen Analysten und Buchautor ursprünglich vorwarf: Der heute 42 Jahre alte Mann gründete 2008 eine Aktiengesellschaft mit Sitz in den Niederlanden. Anschließend beauftragte und bezahlte er Komplizen für positive Empfehlungen in deren Börsenbriefen. Nachdem die Aktie wie gewünscht in die Höhe schoss, stieg der Angeklagte mit sechsstelligem Gewinn wieder aus.

Der Fall spielte sich im Dunstkreis eines Netzwerks von Spekulanten ab, die mit Kursmanipulationen Millionen scheffelten. Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte vor einem Jahrzehnt zeitweilig gegen gut 30 Beschuldigte ermittelt. Mehrere andere Beteiligte wurden schon vor Jahren verurteilt, darunter ein ehemals prominenter Fernsehexperte.

Der Prozess gegen den Deutsch-Briten findet mit Verspätung statt, weil der Angeklagte für die Justiz jahrelang nicht greifbar war: Er lebte in Singapur und wurde erst 2016 auf Bali gefasst. Ausgezahlt haben sich die kriminellen Aktivitäten wohl nicht: Der Mann hat Schulden in Millionenhöhe, wie er auf Fragen des Gerichts einräumte.

Gestraft wurde er schon vor Beginn des Prozesses: Nach seiner Festnahme verbrachte er auf der indonesischen Ferieninsel 15 Monate in Untersuchungshaft, davon ein Jahr im berüchtigten Gefängnis Kerobokan. Dort lebte er mit acht anderen Häftlingen in einer etwa sechs bis sieben Quadratmeter großen Zelle.

Die Gefangenen waren nach seiner Schilderung weitgehend sich selbst überlassen. „Drogen und Waffen kamen rein“, sagte der Angeklagte. „Es sind ab und zu welche verstorben, die wurden morgens rausgetragen.“

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