Schlechte Ernte: Wieso der Kaffeepreis steigt
Kaffeeproduzent mit Saatgut in Kolumbien
Foto: imago imagesBeim Kaffeepreis stehen die Zeichen auf Wachstum, daran ändert auch der jüngste Preisrutsch nichts. Seit Jahresbeginn ist der wichtigste Future für Arabica-Bohnen um satte 55 Prozent gestiegen. Auf dem Zwischenhoch Ende November waren es sogar über 70 Prozent. Gut für Produzenten und Händler, schlecht für die Konsumenten, könnte man meinen. Doch so einfach ist es nicht.
Die jüngste Rally an den Rohstoffmärkten hat handfeste Ursachen. Beobachter verweisen auf Dürren, hohe Temperaturen und daraus resultierende mögliche Ernteausfälle. Vor allem Brasilien, das für ein Drittel der Weltproduktion steht, ist dabei im Fokus. Eine drohende Angebotsverknappung heizt also die Nachfrage an und treibt die Preise in die Höhe.
Den Bauern hilft das zunächst nicht, schließlich haben sie ihre Ernte bereits in der Vergangenheit per Future verkauft und profitieren nicht von steigenden Preisen. Stattdessen müssen sie befürchten, die versprochenen Mengen nicht oder nur in minderer Qualität liefern zu können. Und auch bei den Händlern mehren sich die Sorgenfalten, denn sie müssen ihre Geschäfte durch Absicherungsgeschäfte, sogenanntes Hedging, am Markt gegen Verluste wappnen. Je höher der Preis, desto mehr Liquidität wird dafür benötigt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg sind deshalb bereits einige große brasilianische Kaffeehändler in Schwierigkeiten geraten.
Solche Preisschocks dürften im Zuge des Klimawandels häufiger werden. Ein Blick auf andere Agrarrohstoffe wie Kakao zeigt zudem, dass Kaffee nicht das einzige Beispiel ist. Die International Coffee Organisation (ICO) sieht allerdings nicht nur das Klima als Grund für die Volatilität.
Nach einer Analyse des Branchenverbandes hat der Einfluss der Finanzmärkte auf die Rohstoffmärkte insgesamt in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark zugenommen. „Die an den Terminmärkten gehandelten Volumina stiegen schneller als die weltweite Produktion der meisten Rohstoffe“, heißt es. Das gilt auch für Kaffee. Zwischen 1994 und 2018 stieg die weltweite Produktion von Arabica-Bohnen um 64 Prozent auf 101 Millionen Säcke à 60 Kilogramm, während sich das Handelsvolumen an den Terminmärkten verdreifachte.
Das ICO macht dafür vor allem Spekulanten verantwortlich, also Terminhändler, die kein Interesse daran haben, den Rohstoff tatsächlich zu kaufen. Die wichtige Frage ist, ob diese Spekulanten auch Ursache des Preisanstiegs sind. Die Analyse zeigt, dass dies vom Betrachtungszeitraum abhängt. Während Spekulation nicht für den langfristigen Trend verantwortlich gemacht werden kann, hat sie laut Marktdaten sehr wohl Einfluss auf kurzfristige Preissprünge.
Mit Blick auf die Entwicklung der Arabica-Futures in diesem Jahr kann daher davon ausgegangen werden, dass der generelle Trend eher durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage getrieben wird, der Preissprung im November aber durchaus auch durch Marktteilnehmer ausgelöst oder zumindest zusätzlich getrieben wurde.
Während kurzfristige Preissprünge vor allem innerhalb der Lieferkette für Druck sorgen, kommt der langfristige Preisanstieg bereits beim Verbraucher an. Im November kündigte der Lebensmittelgigant Nestlé an, die Preise für Kaffee zu erhöhen und die Packungsgrößen zu verkleinern. Als Grund wurden explizit die Bohnenpreise und die Auswirkungen auf die Gewinne genannt.
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