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Leben mit AktienDiese Börsenregel rät Anlegern zur Sommerpause

Eine alte Börsenweisheit besagt, im Mai zu verkaufen und erst im September wieder neu zu kaufen. Sind Anleger damit gut beraten?Gökay Gürsoy 31.05.2025 - 11:18 Uhr
Wer der Börsenregel folgt, vermeidet die statistisch betrachtet zwei schlechtesten Börsenmonate. Foto: imago images, WirtschaftsWoche

An der Börse beginnt am Montag die Zeit des Füßestillhaltens – jedenfalls, solange man sich an eine der wohl bekanntesten Börsenregeln hält. „Sell in May and go away, but remember to come back in September“ lautet die Sentenz. Der Gedanke dahinter: Weil es zwischen Mai und September an den Aktienmärkten vergleichsweise schlecht läuft, sollten Anleger bis Ende Mai Gewinne mitnehmen und dann im September wieder nachlegen, bevor der Markt wieder Fahrt aufnimmt.

Aber ist da wirklich was dran?

Zumindest im Mai dürfte es sich für Anleger gelohnt haben, nicht voreilig verkauft zu haben. So zum Beispiel für alle, die in einen ETF auf den Aktienindex MSCI World investiert sind. Seit Jahresbeginn hat der MSCI World zwar rund fünf Prozent verloren. Doch den stärksten Monat erlebte er im Mai, mit einem Anstieg von fast sechs Prozent. Nur im Januar hatte der Index noch im Plus gelegen und ansonsten auf Monatssicht nur Verluste erlitten. Im März stand sogar ein Minus von mehr als acht Prozent zu Buche.

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Der deutsche Leitindex Dax hat sich insgesamt deutlich positiver entwickelt und nur im März verloren. Wer schon Anfang Mai ausgestiegen ist, hat hier den bislang zweitstärksten Monat des Jahres verpasst: Im Mai stieg der Dax bisher um mehr als sechs Prozent.

Saison-Strategie hat historisch Substanz

Wer der Börsenregel folgt, also spätestens Ende Mai aus- und erst Ende September wieder einsteigt, erspart seinem Depot die zwei statistisch schlechtesten Börsenmonate: Juni und September.

Denn der MSCI World Index etwa hat seit 1970 auf DM/Euro-Basis im Juni durchschnittlich 0,1 Prozent verloren und nur in 28 von 55 Jahren eine positive Performance geschafft. Im September hat er Anlegern sogar in 34 von 55 Jahren Verluste eingebrockt und kam im Schnitt auf ein Minus von mehr als einem Prozent. „Insofern steht die Börsenregel empirisch auf einer wirklich validen Basis“, sagt Christian W. Röhl, Chefökonom von Scalable Capital, in der aktuellen Ausgabe des WirtschaftsWoche-Podcasts „Leben mit Aktien“.

Zwischen 1970 und 2024 hat der beliebte Index eine Vervielfachung um den Faktor 55 erlebt, was einer jährlichen Durchschnittsrendite von 7,5 Prozent entspricht. Die Saison-Strategie mit der viermonatigen Investmentpause hingegen kommt auf eine Vervielfachung um den Faktor 85, also einem jährlichen Plus von durchschnittlich 8,4 Prozent.

Zudem kann das Geld während der Investmentpause als Einlage bei der Bank Zinsen bringen. Vor allem im ersten Teil des Zeitraums, also zwischen 1970 und 2000, habe sich das laut Röhl sehr gelohnt.

Rechnet man diesen Effekt ein, steht für die Saison-Strategie seit 1970 sogar eine Vervielfachung um den Faktor 180 zu Buche, was einer jährlichen Durchschnittsrendite von 9,8 Prozent entspricht.

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„Das ist mit Blick auf die Geschichte auch kein Wunder“, ergänzt WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar. Denn Anhänger der Strategie hätten entspannt an der Seitenlinie gestanden, als Aktien weltweit 1974 (Ölkrise), 1990 (irakischer Überfall auf Kuwait), 2001 (11. September) und 2002 (Rezession) zwischen Anfang Juni und Ende September jeweils um etwa 20 Prozent abgesackt seien.

Anleger verpassten auch Gewinne

Gleichzeitig waren Anleger so nicht dabei, als die Börsen über den Sommer zugelegt haben, was immerhin in 34 von 55 Jahren der Fall war. In der jüngeren Vergangenheit etwa hat sich die „Sell in May“-Strategie mit einem Ausstieg Ende Mai nicht mehr ausgezahlt.

In den letzten 13 Jahren ist die Strategie nur in den Jahren 2015 und 2022 aufgegangen. „In den anderen elf Jahren sind Anlegern durchschnittlich fünf Prozent Gewinn durch die Lappen gegangen“, resümiert von Buttlar. Das führte dazu, dass die Saison-Strategie in dieser Zeit deutlich hinter die Entwicklung des MSCI-World Index zurückgefallen ist.

Auch die steuerlichen Nachteile der Strategie sind nicht zu vernachlässigen. Denn deutsche Anleger zahlen, sofern der Freibetrag bereits ausgeschöpft ist, bei jedem Verkauf Steuern und Abgaben auf ihre Gewinne an den Fiskus.

Da dieses Geld beim Einstieg Ende September nicht mehr zur Verfügung steht, wird der bei langfristigen Investments wichtige Zinseszins-Effekt unterbrochen. Daher formuliert Scalable-Ökonom Röhl die Börsenregel um: „Stay in May, don't go away and remember to be invested from January to December“. Also langfristig investiert bleiben, statt der Saison-Strategie zu folgen.

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