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Trade Republic, Scalable Capital, JusttradeDie versteckten Kosten der Neobroker

Neobroker haben zahllose Anleger an die Börse gelockt, weil sie Aktienhandel zu unschlagbar günstigen Preisen bieten. An ein paar Stellen müssen Kunden allerdings mit versteckten Kosten rechnen.Saskia Littmann 23.03.2022 - 11:08 Uhr

Die versteckten Kosten der Neobroker

Foto: imago images

Die Angebote klingen unschlagbar. Statt für Ordergebühren von bis zu zehn Euro und mehr gibt es den Aktienkauf bei Neobrokern wie Scalable Capital oder Trade Republic fast umsonst. Gerade mal rund einen Euro Gebühr verlangen die Smartphonebroker normalerweise pro Transaktion. Im Vergleich: wer beispielsweise bei der Comdirect oder der ING Aktien kauft, zahlt typischerweise knapp fünf Euro pro Order plus 0,25 Prozent vom Kurswert.

Geht es nach den nackten Zahlen, müssten also alle Anleger schleunigst ein Depot beim Smartphonebroker aufmachen. Doch ganz so einfach ist die Rechnung nicht, Kunden dürfen die indirekten Kosten, die der niedrige Preis mit sich bringt, nicht übersehen.

Neobroker verdienen ihr Geld im Wesentlichen mit Provisionen, die sie von den Handelsplätzen bekommen, mit denen sie zusammenarbeiten. Oft werden die Papiere eben nicht über Xetra, dem elektronischen Handelssystem der Deutschen Börse gehandelt, sondern über kleinere Handelsabwickler. So arbeitet Trade Republic etwa mit dem Düsseldorfer Börsenhändler Lang & Schwarz zusammen, Orders werden in der Regel über das Handelssystem LS Exchange ausgeführt. Bei Scalable ist die Handelsplattform gettex von der Börse München der bevorzugte Weg, Justtrade handelt unter anderem über Tradegate.

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Dafür, dass Lang & Schwarz und Co. von den Smartphonebrokern täglich tausende Orders auf ihrer Plattform abwickeln können, zahlen sie an die Broker eine Provision, die sogenannte Rückvergütung. Je nach dem, was gehandelt wird – für komplexe Derivate wird mehr gezahlt als für simple ETF-Sparpläne – können das bis zu 17,60 Euro je Kundenorder sein. So zumindest teilt es Deutschlands größter Neobroker Trade Republic in seinen Geschäftsbedingungen mit. Für die Broker ist dieses sogenannte Payment for Order Flow der wesentliche Teil ihres Geschäftsmodells.

Kann dem Anleger das nicht egal sein? Nicht ganz. Da der Kunde nicht weiß, welche Plattform welche Provisionen zahlt, muss er befürchten, dass seine Order an einem für ihn nicht günstigen Handelsplatz ausgeführt wird. Eben dort, wo der Broker die höchsten Provisionen bekommt. Oft ist es gar so, dass Neobroker ihren Handel nur über einen einzigen Handelsplatz anbieten.

Hören Sie in unserem Podcast „Money Mates“: Wie verdienen Null-Euro-Broker an mir?

Der Nachteil für den Kunden liegt dabei nicht nur im möglicherweise geringeren Angebot. Je nach Handelsplatz fällt die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskursen, der sogenannte Spread, höher oder niedriger aus. Der wiederum ist der Gewinn, den der Handelsplatz mit den Orders der Neobroker erzielt.

Angesichts der hohen Provisionen, die der Neobroker bekommt, hat der jeweilige Handelsplatz also durchaus ein Interesse daran, dass der Spread möglichst hoch ist. Während der regulären Börsenöffnungszeiten orientieren sich die Spreads normalerweise an denen, die Anleger auch bei Xetra zahlen, dem sogenannten Referenzmarkt. Vor oder nach Börsenschluss können die Differenzen auf anderen Handelsplätzen deutlich höher ausfallen.

Neobroker

Angst vor dem Gebührenschock

Zwar sind Broker grundsätzlich dazu verpflichtet, die Aufträge ihrer Kunden zu bestmöglichen Konditionen auszuführen. Allerdings ist für den Kunden eben oft nicht transparent, welches die bestmöglichen Konditionen sind. Verbraucherschützer raten Anlegern deshalb, wenn möglich zu den regulären Börsenöffnungszeiten zu handeln statt spät abends vor dem Fernseher, um höhere Aufschläge zu vermeiden.

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Zusätzlich sollten Anleger auf spezielle Gebühren achten, die anfallen könnten. So verlangen etwa Trade Republic und Scalable Capital (über die Baader Bank) 25 Euro Gebühr für die Anmeldung zu einer Hauptversammlung. Die Teilnahme an Aktionärstreffen ausländischer Unternehmen sind noch teurer. Bei anderen Brokern wie etwa der Consorsbank können Eintrittskarten dagegen kostenlos bestellt werden, bei ausländischen Gesellschaften kostet der Service 24,95 Euro.

Grundsätzlich führt das geringere Angebot der Neobroker und die beschränkte Zahl an Handelsplätzen zwar mal dazu, dass Kunden nicht immer den bestmöglichen Spread bekommen oder weniger Produkte zur Auswahl haben. Für den durchschnittlichen Privatanleger dürften die vergleichsweise niedrigen Ordergebühren das geringe Angebot allerdings mehr als ausgleichen.

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