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Warnsignale, auf die man als Anleger achten sollte 20 Punkte, die Anlegern helfen, die nächste Wirecard zu erkennen

Zutritt-verboten-Piktogramm Quelle: imago images

Anleger haben mit Aktien des mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleisters teils hohe Verluste eingefahren – eine „nächste Wirecard“ braucht in seinem Portfolio also wirklich niemand. Auf welche Warnsignale Sie deshalb achten sollten, um rechtzeitig auszusteigen.

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Neil Campling und Toby Clothier vom Broker Mirabaud Securities in London haben als erste und einzige Analysten schon vor mehr als einem Jahr den Untergang von Wirecard vorhergesagt. (Das ganze Interview lesen Sie hier.) Jetzt haben sie eine Liste von Punkten definiert, die bei Anlegern die roten Lampen aufleuchten lassen sollten:

1. Ein massiv an Promotion interessierter CEO, der aktiv nach Publicity sucht und viel Zeit damit verbringt, die Investoren zu umwerben – und der sehr medienaffin ist.

2. Gigantische Vergütungspakete für den CEO und das Senior Management, die NICHT an den Cashflow oder das Ergebnis gebunden sind, sondern nur an den Umsatz und/oder den Aktienkurs. Das Management kann dann enorm profitieren, wenn die Aktie stark steigt. Alarmierend auch: Verpfändung von Aktien durch den CEO als Gegenleistung für Kredite – zur Finanzierung eines Milliardärslebensstils.

3. Die Vergütung des Managements liegt, trotz deutlich geringerer Rentabilität, weit oberhalb der von Konkurrenten.

4. Glänzende Zukunftsprognosen, die sich über einen langen Zeitraum als zu optimistisch erwiesen haben.

5. Fragwürdige Produktqualität, umstrittene technologische Vorteile gegenüber ähnlichen Produkten von Wettbewerbern.

6. Hinweise darauf, dass man seine Zahlen selbst fabriziert hat, etwa durch exotische internationale Tochtergesellschaften, und diese ohne einen Wirtschaftsprüfer zertifiziert hat. Verdächtig sind plötzliche Umsatzsteigerungen ausgerechnet zum Quartalsende bis einschließlich zum letzten Tag.

7. Ungewöhnliche oder nicht überprüfte große Forderungen aus Geschäften, in denen Produkte im Voraus gegen Geld getauscht werden.

8. Der Nachweis, dass das Unternehmen auf kleinstem Raum existiert und Lieferanten, Mitarbeiter, Vermieter usw. nicht bezahlt hat.

9. Ungewöhnliche Margenentwicklung, wobei Vertriebsgemeinkosten trotz eines zunehmenden globalen Fußabdrucks im Lauf der Zeit sinken. Oder die Bruttomarge bleibt trotz zunehmend niedrigerer durchschnittlicher Verkaufspreise unverändert.

10. Hohe Verschuldung. Wenn Barguthaben keine nennenswerten Erträge bringen, deutet dies darauf hin, dass sie betrügerisch sind.

11. Hohe Mitarbeiterfluktuation, insbesondere in den Bereichen Recht und Finanzen. Mitbegründer oder Mitglieder des Boards verlassen die Firma.

12. Aggressive Verfolgung von Kritikern durch bezahlte Dritte und/oder Herabsetzen von Personen, die zu viele Fragen haben. Deren Fragen werden dann als „langweilig“ klassifiziert.

13. Abneigung gegen Hedgefonds.

14. Mögliche narzisstische Persönlichkeitsstörung des CEO. Zusätzliche Punkte, wenn er/sie häufig Twitter nutzt.

15. Viele Ausgestoßene/Verrückte/Blogger, die seit Jahren sagen, dass alles nicht stimmt, aber nur viel Kritik einstecken, weil die Aktie weiter steigt – ergo müssen sie Idioten sein.

16. Verlangsamung des Umsatzwachstums, trotz des angeblichen Status „Wachstumsaktie“. Anzeichen dafür, dass Wettbewerber Marktanteile gewinnen.

17. Verluste. Im Idealfall nie einen Gewinn erzielen, sondern gerne so tun, als ob dies der Fall wäre. Dann versichern, dass mit neuen Produkten mit Sicherheit in zwei bis drei Jahren Gewinn gemacht wird. Aber die zwei bis drei Jahre werden ständig rausgeschoben.

18. Umfangreiche/ausschließliche Nutzung der NON-GAAP-Rechnungslegung, also keine Bilanzierung nach den strengen US-Vorschriften. Gelegentliche Versuche, von einem Nettoverlust zu einem (kleinen) Nettogewinn über schlecht erklärte Einmaleffekte/andere Posten/ungewöhnlich große Kredite zu gelangen.

19. Schwaches Board, vorzugsweise klein und idealerweise in irgendeiner Weise an den CEO gebunden, der daher seine Weisungen erteilen kann. Es hilft, wenn einige Board-Mitglieder mit dem CEO verwandt sind.

20. Leichtgläubige Medien, leichtgläubige Analysten und Dutzende bezahlter Blogger, die aus dem Nichts Preisziele auf der Grundlage des „Optionswerts“ erstellen oder Produkte auf andere Weise einsetzen, die mindestens fünf Jahre von der Marktreife entfernt sind.

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25 Analysten sahen die Wirecard-Aktie bei 100 bis 265 Euro. Neil Campling und Toby Clothier aber sagten: „Kursziel null“ – mehr als ein Jahr vor dem Crash. Was wussten sie? Das ganze Interview lesen Sie hier.

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