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Afrikanische Goldminen Gold-Investments in Mali als Wette auf die Zukunft

Der Frankfurter Investor Lutz Hartmann ist in Mali an einer Goldmine beteiligt. Während er in Afrika kaum etwas vom Krieg mitbekommt, muss er zu Hause die Ängste seiner Aktionäre zerstreuen.

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Hier gräbt Investor Hartmann mit Partnern in Mali nach Gold.

Schon seit zwei Stunden jagt der wortkarge Fahrer den weißen Geländewagen über die schnurgerade Straße, doch vom Krieg in Mali ist nichts zu sehen. Auf dem Weg von der Hauptstadt Bamako nach Südosten fliegen unverputzte Steinbaracken am Fenster vorbei, ab und an auch eine Mini-Moschee. Händler hocken am bordsteinlosen Straßenrand im Dreck, verkaufen Früchte, Bretter und Autoteile. Die Sonne brennt, rötlicher Lateritboden erstreckt sich bis an den Horizont – Afrika eben. Aber wo ist der Krieg?

Plötzlich versperren zwei rostige Gettotonnen den Weg – ein Kontrollposten! Oder gar ein Überfall? Ausländer riskieren bei Überlandfahrten, gekidnappt zu werden, warnt die deutsche Botschaft, die von Reisen nach Mali dringend abrät.

Links und rechts der Straßensperre spielen Kinder; ein betagter Motorradpolizist döst an einem Mangobaum, dessen dichte Krone reichlich Schatten spendet. Der Schutzmann macht keine Anstalten aufzustehen, also gibt der Schweigsame Gas, umkurvt die Tonnen, und Lutz Hartmann plumpst zufrieden zurück ins Leder.

Wenn die Investoren wüssten, wie fern der Süden Malis vom Krieg entfernt ist! Hartmann ist Vorstandschef der Frankfurter Investmentgesellschaft Pearl Gold, die im geregelten Markt der Frankfurter Börse notiert und mit 25 Prozent am malischen Unternehmen Wassoul’Or beteiligt ist. Wassoul’Or baut im Dorf Kodieran 300 Kilometer südöstlich von Bamako Gold ab; eine zweite Mine untersuchen Geologen.

Goldförderung in Mali ist lukrativ, könnte man glauben: Im 14. Jahrhundert galt der König von Mali als der reichste Mann der Welt, sein Land war der weltgrößte Goldlieferant – bis der Herrscher so viel davon auf den Markt warf, dass er die Preise verdarb. Heute besitzt Mali die nach Südafrika und Ghana drittgrößten Vorkommen Afrikas – und die Förderung ist günstiger als anderswo, da das Gold weniger tief unter dem Erdboden und teilweise sogar darüber liegt.

Aber in Mali ist Krieg, jedenfalls im Norden. Und Goldinvestor Hartmann kämpft an zwei Fronten. In Mali stellt er sich den in Afrika alltäglichen Problemen: Spritmangel, niedrige Produktivität, technische Ausfälle. In Europa muss Hartmann die Gemüter der Aktionäre beruhigen, die wegen des Kriegs um ihre Vermögen fürchten. Letzteres hat bisher nur mäßig funktioniert: Als im März 2012 das Militär in Mali putschte, brach der Kurs von Pearl Gold um 25 Prozent ein, heute notiert die Aktie zwei Drittel unter dem Stand vom Februar 2012. Wie bleibt man da cool, Herr Hartmann?

Halbe Millionen mit einer Hand

Jurist Lutz Hartmann spart sich die Antwort für später auf. Die Kontrollen in der Goldmine in Kodieran fressen mehr Zeit als die am Flughafen von Bamako: Zwei Unterschriften muss er leisten, dann knöpfen sich Bewaffnete mit Metalldetektoren ihren Chef vor. Schließlich tritt er in eine Wellblechhalle, in der drei Mitarbeiter mit drei Schlüsseln den Tresor aufschließen.

Hartmann strahlt, als er zwei Goldbarren in die Hand nimmt. „Die wiegen zusammen 13 Kilo und haben einen Marktwert von einer halben Million Euro“, erzählt der Deutsche: Seht her, meine Mine fördert Gold. Zufrieden ist Hartmann allerdings nicht. Pearl Gold hat im Dezember als erste Lieferung 1800 Unzen im Wert von drei Millionen Euro erhalten – erst ein Bruchteil jener 48 000 Unzen, die Wassoul’Or bis Ende dieses Jahres liefern soll. „Wir haben unser Produktionsziel bislang nicht erreicht“, gibt Hartmann zu, rund 30 Prozent liege Pearl Gold unter Plan. Nach dem Militärputsch seien Monteure ausländischer Zuliefererfirmen nicht nach Mali geflogen, um Anlagen aufzubauen. Auch Benzin sei knapp gewesen, weshalb Wassoul’Or Sprit jetzt aus dem Senegal importiere. Es gebe aber keine Probleme, sagt Hartmann, die das Förderprojekt gefährden könnten.

Hohe Ausbeute und niedrige Produktionskosten

Warum Investoren wieder auf Gold setzen
Muster-Banknoten und Goldbarren Quelle: dpa
Goldbarren liegen in der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa/dpaweb
Die Rückseite einer Krügerrand-Goldmünze vor Goldbarren Quelle: dpa
American investor Jim Rogers, chairman of Rogers Holdings Quelle: AP
President and Portfolio Manager of Paulson & Co. John Paulson Quelle: REUTERS
An Indonesian customer holds a 10 grams fine gold Quelle: dpa
Der US-Milliardär und Investor George Soros Quelle: dpa

Vor drei Jahren war Hartmann skeptischer. Da spazierte Aliou Diallo in Frankfurt in sein Büro. Der Geschäftsmann aus Bamako hatte gehört, dass Hartmann französisch spricht und als Wirtschaftsjurist einen Börsengang begleiten könne. Der Afrikaner war auf der Suche nach einem Minderheitsaktionär, der in Europa Kapital auftreiben könnte. Hartmann flog nach Mali.

Vermutlich stand Hartmann damals so da wie heute: Mit festen Schuhen tritt er gegen das rote Gestein, in dem sich neben Eisen, Quarz, Aluminium und anderen Metallen auch Gold versteckt. Er zerkrümelt einen Brocken, in der Hoffnung, ein Goldpellet zu finden, aber das ist selten: „Wir können das Gold mit bloßem Augen nicht erkennen, sondern müssen das Gestein zerbröseln und chemisch binden.“

Grafik Kursverlauf von Pearl Gold

Das geschieht in einem Wirrwarr aus Förderbändern, Zentrifugen und Rohren, das sich hinter dem Investor aus dem Staub erhebt: Eine über 60 Millionen Euro teure Goldwaschanlage, in der Gestein zerkleinert und gewaschen wird, ehe die schwereren Goldpartikel auf Rüttelplatten und in Zentrifugen vom leichteren Gestein getrennt werden. 160 Millionen Euro hat Wassoul’Or insgesamt in die Mine investiert – seit einem Jahr läuft die Produktion.

Der Laie wird lachen: 1,78 Gramm Gold findet Wassoul’Or in einer Tonne Gestein. Doch so schlecht ist die Ausbeute nicht – bei vielen anderen Förderprojekten liegt die Ausbeute unter einem Gramm pro Tonne, sagt Matthias Wichmann von der VCH Vermögensverwaltung.

Positiv rechnen

Überrascht haben den Rohstoffanalysten die Produktionskosten. Laut Wertpapierprospekt liegen diese unter 300 US-Dollar pro Unze Gold. „Das ist sowohl in Mali als auch im internationalen Vergleich als sehr niedrig einzuschätzen.“ Andere Hersteller wie Randgold Resources oder Iamgold aus Kanada würden bei ähnlichen Minen in Mali von Kosten von bis zu 1000 Dollar pro Unze berichten. „Im Goldgeschäft wird gern positiv gerechnet, bis schließlich steigende Kosten die Investoren verärgern“, warnt Wichmann. Insofern sei er gespannt, wie die monatlichen Produktionszahlen ausschauen werden.

Die Länder mit den größten Goldreserven
Platz 10: Indien Quelle: REUTERS
Platz 9: Die Niederlande Quelle: REUTERS
Platz 8: Japan Quelle: REUTERS
Platz 6: Schweiz Quelle: AP
Platz 7: Russland Quelle: dpa-tmn
Platz 5: China Quelle: dapd
Platz 4: Frankreich Quelle: dapd

Hartmann sagt dazu, Wassoul’Or sei ein kleines Unternehmen und habe geringere Fixkosten als größere Wettbewerber, die auch in anderen Regionen fördern. Vor allem aber finde sich das Gold in Kodieran an der Erdoberfläche – im Westen von Mali, in Ghana und Südafrika graben Wettbewerber teils tausende Meter unter Tage. Zudem sei das Gestein im Süden poröser als im Norden, weshalb Hartmann mit mechanischen Zentrifugen arbeiten kann, statt Gold mit teurer Chemie binden zu müssen.

Es sind kleine Details, an denen auffällt, dass ein Deutscher bei Wassoul’Or investiert ist: Am Eingang der Kantine hängt ein Warnschild mit Fotos von Giftschlangen und Skorpionen – und der Nummer des Arztes für den Notfall. So viel Arbeitsschutz denkt sich ein Afrikaner kaum aus.

Größter Arbeitgeber im Ort

Die bekanntesten Goldmünzen
Beliebte Geldanlage Quelle: fotolia.com
Lunar Serie 1
Lunar Serie 1 - Hund
Lunar Serie 1 - Hahn
Panda Quelle: fotolia.com
Krügerrand
Maple Leaf Quelle: fotolia.com

Entscheidend aber ist, was die Malier selbst vom deutsch-malischen Minenmodell halten. In Kodieran, wo Wassoul’Or nach eigenen Angaben 430 Mitarbeiter für durchschnittlich 400 Dollar beschäftigt, hört man nichts Negatives über den größten Arbeitgeber im Ort. Zurück in der Hauptstadt Bamako äußert sich auch Abdoulaye Niang, ein angesehener Ökonom, der 30 Jahre für die UNO tätig war, lobend über Wassoul’Or, da die Wertschöpfung durch die Mehrheitsbeteiligung eines malischen Unternehmers im Inland bleibe.

So manche Sauerei hat Niang schon gesehen – gerade in Mali. Er zeigt Fotos von korrodierten Rohren, aus denen Chemikalien tröpfeln, die die Flüsse verseuchen, in denen Frauen Kleidung waschen. Er kennt Orte, in denen die Lehmhütten Risse haben wegen der Sprengungen in den Minen. Und er erinnert an die beiden Arbeiter, die von Soldaten bei einem Streik in der Mine erschossen wurden, die das australische Unternehmen Resolute Mining betreibt.

Nein, im Vergleich dazu sei Wassoul’Or ein sauberes Unternehmen, glaubt Niang, aber: „Auch in Kodieran graben Minenbetreiber ein Areal ab, das einmal der Dorfbevölkerung gehört hat.“ Das Unternehmen mag die Lizenz dafür haben, im Dorf wohlgelitten sein, weil es Schulen baut und Jobs schafft: „Aber das unternehmerische Risiko einer Rebellion gegen den Bergbau senken Sie nur auf null, wenn Sie Anwohner und Kommune an der Mine beteiligen.“

Krieg oder Rebellion – für Investor Hartmann sind solche Risiken weit weg. Heute hat er ein ganz anderes Problem, ein typisches Afrika-Problem: Die Waschmaschine bewegt sich nicht, weil einer der vier Generatoren ausgefallen ist. Er braucht Ersatzteile aus Bamako, das dauert vier Stunden. Aber Hartmann winkt ab: „Ausfälle unter 48 Stunden sind für Afrika normal.“

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Nicht normal sind Kriege, die den Investor zu Hause beunruhigen, ihn vom Blick auf die Zahlen abhalten. So lukrativ Goldvorkommen in Mali sein mögen – letztlich ist das Minen-Investment Glaubenssache, eine Wette auf die Zukunft. Wie stabil Mali in Zukunft ist, wer die Schätze kontrollieren wird und was die Afrikaner davon halten, weiß auch Hartmann nicht zu prophezeien. Der robuste Anwalt weiß nur eines: „Europäer sind allgemein zu risikoscheu, um in Afrika erfolgreich sein zu können.“

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