Aktien, Gold, Cash So wappnen Sie sich für drohende Börsen-Turbulenzen

Aktien, Gold, Cash Quelle: Getty Images

Die nächsten Monate an der Börse könnten unruhig werden. Wir zeigen, mit welchen Strategien Investoren sich absichern – und auch noch Rendite machen.

Handelskonflikte, abflauende Konjunktur, Italien-Krise – den Sommer über könnten die Börsen in unruhiges Fahrwasser geraten. Trotzdem gilt generell weiterhin, dass Investoren auf einen vernünftigen Mix aus Aktien, Anleihen, Gold und Cash setzen sollten. Eine solche Strategie brachte Anlegern in diesem Jahrhundert bisher wenigstens fünf Prozent Rendite pro Jahr. Egal, wann Anleger starteten. Die Strategie ist einfach und nervenschonend: Nur im Crashjahr 2008 gab es mit knapp neun Prozent einen größeren Verlust. Kein Vergleich aber zum Dax, der damals um 40 Prozent einbrach.

Das Patentrezept für den langfristigen Vermögensaufbau ist eine Mischung aus je 30 Prozent Aktien und Anleihen, 25 Prozent Gold und 15 Prozent Tagesgeld. 

Dabei investieren Anleger in Aktien über den Weltindex MSCI World, in einen Korb von Euro-Unternehmensanleihen, in Gold und in die Cash-Komponente Tagesgeld. Innerhalb der Strategie verteilen Anleger ihr Vermögen zu Beginn nach den fixen Quoten auf die Anlageklassen. Jedes Jahr werden die Anteile einmal wieder auf das Ausgangsniveau gebracht. Die jährlichen Anpassungen helfen Anlegern, sich nicht von der aktuellen Stimmung anstecken zu lassen: Droht bei Aktien nach dem diesjährigen Rekordhoch im Dax von über 13.500 Punkten nicht ein Kursrutsch? Brechen die Anleihekurse ein, weil die Zinsen deutlich steigen?

Die Strategie unterstellt, dass niemand kurz- bis mittelfristige Entwicklungen an den Finanzmärkten vorhersagen kann. Das Gute ist: Das muss man auch nicht. Denn ein paar Grundsätze erlauben auch so eine solide und erfolgreiche Vermögensaufteilung. Aktien etwa bieten langfristig eine höhere Rendite als andere Anlagen, weil Investoren mit ihnen am unternehmerischen Erfolg teilhaben. Ein Mix verschiedener Anlageklassen bietet Stabilität, weil sich der Wert von Aktien, Anleihen und Gold meist nicht in die gleiche Richtung entwickelt. Gold sichert Anleger eben gegen Krisen ab und das schon seit Tausenden von Jahren.

Egal ob über fünf, zehn, 20 oder 100 Jahre: Goldbesitzer haben mit dem Edelmetall mehr als die Kaufkraft erhalten. Während ein Dollar von 1920 in Wahrheit nur noch 5 Cent wert ist, glänzt die Feinunze. Von den aktuellen geopolitischen Turbulenzen profitierte Gold jedoch nicht, weil das Angebot zuletzt die Nachfrage überstieg. 973,5 Tonnen verkaufte die Minen an Anleger, Goldschmieden und die Industrie im ersten Quartal, bei einem Angebot von 1063,5 Tonnen. Das sind Quartalstendenzen.

Im April schon drehte zumindest die Investorennachfrage: Globale Gold-gedeckte ETF-Bestände erhöhten sich da um 72,2 Tonnen. Dies war der stärkste Monat der Nettozuflüsse in mehr als einem Jahr. „Das gelbe Metall kann nicht – anders als das Fiat-Geld – durch die Geldpolitik der Zentralbanken entwertet werden; ihm kann die Geldmengenvermehrung nichts anhaben“, sagt Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa. Gerade in einer Welt voller Schulden sollte das Edelmetall als Versicherungsschutz nicht fehlen. „Gold trägt kein Zahlungsausfallrisiko: Bankeinlagen und auch kurzlaufende Schuldpapiere können durch Pleiten oder Schuldenschnitte entwertet werden. Gold nicht“, so Polleit.

Wasserdichter machen können Anleger ihr Depot aber auch, indem sie einen Teil der Barquote in Produkte investieren, die bei fallenden Kursen gewinnen. Besonders einfach gelingt eine Absicherung mit einem Short-ETF auf den Dax (ISIN LU0292106241), dessen Wert sich umgekehrt proportional zur Entwicklung des Dax verhält. Verliert der Index zum Beispiel an einem Tag drei Prozent, gewinnt der ETF drei Prozent hinzu.

Ein Vorteil für Anleger ist die aktuelle Sorglosigkeit an den Märkten, die spekulativere Absicherungen derzeit sehr günstig machen. Je höher dagegen die Marktschwankungen, desto teurer lassen sich Anbieter Absicherungsinstrumente bezahlen. Wer etwa derzeit etwa Aktien im Gegenwert über 50.000 Euro hält, der kann dieses Depot vollständig mit einem Einsatz von 3000 Euro absichern.

Der Dax notiert derzeit bei rund 13.000 Punkten. Eine Verkaufsoption (Put) mit Basis 12.500 Zähler kosten derzeit 4,40 Euro (DE000DGK8CL1, Anbieter DZ Bank). Die effektive Hebelwirkung liegt bei einem Faktor von genau 10,7. Fällt der Dax um rund 15 Prozent auf 11.000 Punkte etwa den Sommer über bis September, dann steigt die Verkaufsoption im Wert auf wenigstens 15 Euro.

Bei höherer Schwankung an den Märkten ist auch mehr drin. Wer jetzt für 700 Puts 3080 Euro investiert, der würde im Spätsommer dann wenigstens 10.500 Euro kassieren, ein Plus von gut 7400 Euro. Damit hätte er den Verlust bei Aktien (7500 Euro) nahezu komplett aufgefangen. Allerdings endet die Absicherung am bis 19. Dezember. Fällt der Dax nicht, sind die Kosten für das Sicherheitsnetz perdu, fällt er stärker, dann erhöht sich der Gewinn aus der Absicherung.

Tipp: Ein Depot nicht komplett, sondern nur zur Hälfte absichern. Damit puffern Anleger Kursverluste so gut ab, dass sie viel weniger wehtun. Geht es doch nach oben an den Märkten, ist der dann verlorengegangene Einsatz aus der Absicherung sehr schnell wieder hereingeholt.

Aktien, Anleihen und Sicherungsinstrumente für ein krisenfestes Depot

Protektionismus, geopolitische Krisen und teures Öl, steigende Zinsen und eingetrübte Konjunkturprognosen – nichts scheint kaufbereite Investoren an den Aktienmärkten zu erschüttern. Noch. Kluge Anleger bauen jetzt vor. Hier erhalten Sie die WirtschaftsWoche-Anleitung für das krisenfeste Depot.

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