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Elsässers Auslese

Wie die eigene Psyche den Anlageerfolg bestimmt

Markus Elsässer Value Investor

Der Geldanleger und sein Kapital sind ein hoch persönliches Thema. Standardisierte Bankmodelle greifen zu kurz. Die Analyse der eigenen Psyche muss am Anfang stehen.

Wie die Deutschen ihr Geld anlegen
Aktien Quelle: Fotolia
Bargeld und Bankeinlagen Quelle: Fotolia
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Lebensversicherungen Quelle: dpa
Sparbuch Quelle: Fotolia

Bevor Sie einen Fuß auf das Börsenparkett setzen oder Sie anfangen, Ihren Kapitalstock aufzubauen, sollten Sie herausfinden, was für ein Anlegertyp Sie sind.

Der Geldanleger mit seinem privaten Leben sieht sich dem jeweiligen Gesellschafts-, Wirtschafts- und insbesondere dem Finanzsystem ausgesetzt. Da geht es um vielmehr als nur: Anlegertyp konservativ, dynamisch oder Rendite orientiert. Diese Schachteln sind viel zu eng.

Dabei verlassen sich die meisten Anleger auf das, was ihnen vom System eben angeboten wird. Das kann zu einer frostigen Schlittenfahrt werden. Gerade ist in den Vereinigten Staaten von Amerika dazu eine interessante Analyse publiziert worden. Demnach bereuen mehr als 70 Prozent der amerikanischen Geldanleger grobe Fehler und Irrwege, die sie mit ihrem Kapital im Verlauf des Lebens haben einstecken müssen. Die Unzufriedenheit mit dem Lebenswerk „Ich und mein Kapital“ überwiegt. Das ist tragisch.

Bei nüchterner Überlegung ist es ganz klar: Bei dem Thema Kapital geht es nicht um eine abstrakte, mathematische Größe, sondern um den jeweiligen Menschen mit seinen Erwartungen und Hoffnungen, die er mit dem Kapital verbindet. Dies ist ein kompliziertes Feld, welches zutiefst in der Psyche und im Charakter des Geldanlegers fußt. Und das ist seit Urzeiten so.

Denn die menschliche Existenz ist von endlicher Dauer, in deren Ablauf Faktoren wie Ängste, Zuversicht, Unsicherheit, Glauben, Schaffenskraft, Lernbereitschaft, „die Augen verschließen“ und „Lebenslügen“ von Bedeutung sind, wenn es um das Thema „der Mensch und sein Geld“ geht.

Materielle Freiheit innerhalb eines gesellschaftspolitischen Systems kann derjenige besser erzielen, der mit der Selbstanalyse und der Erörterung seines eigenen Lebenskonzepts beginnt. Andernfalls wird er zum Spielball der Wogen der Finanzmärkte und Medienstimmung.

Zur Anschauung einige Beispiele, wie unterschiedlich die Konzeptionen sein können:

Wollen Sie Kapital aufbauen, um im Alter eine Versorgung zu haben und Ihr Kapital entsprechend aufzehren? Oder wollen Sie dynastisch denkend ein Vermögen auf nachfolgende Generationen übertragen?

Wer lange Zeit ein gesichertes monatliches Einkommen bezieht, kann sich Sparplan-Quoten festlegen. Ganz anders der Filmregisseur oder Musikproduzent, der ab und an einen großen Hit landet. Das erfordert einen ganz anderen disziplinierten Zugang zum Kapitalaufbau.

Wer schon früh weiß, dass er im Alter von vierzig Jahren einen halben Straßenzug erben wird, muss dies von vornherein bei seinen Geldanlage-Überlegungen ins Kalkül miteinbeziehen.

Für den Chefarzt, der pro Jahr 480.000 Euro sparen kann, sind 40.000 Euro eine andere Risikogröße, als für den Sanitäter, der jährlich auf 8.000 Euro Sparvolumen kommt.

Wie man es auch wendet und dreht, die Basis und „Abschussrampe“ für Ihre Vermögensrakete, die liegt bei Ihnen und Ihren Gedanken, Gefühlen und ureigensten Fähigkeiten. Wer mit seinem Inneren stimmig und befreit erfolgreich mit Kapital umgehen möchte, der kommt um eine Selbstanalyse nicht herum.

Das wurde im ersten Halbjahr aus 100.000 Euro
Platz 20: Aktien VenezuelaDie Börse in Caracas ist winzig, nur wenige Aktien sind dort notiert und die Umsätze liegen oft bei nur ein paar tausend Dollar pro Tag. Internationale institutionelle Investoren meiden venezolanische Aktien. Die Inflation im Land galoppiert, der Versorgungsmangel eklatant, die Währung Bolivar ist auf Talfahrt. Anleger, die im Januar 100.000 Euro in den IBC-Index investierten, haben so jetzt nur noch 54.320 Euro. Im Vorjahr hatten sich die Kurse noch mehr als vervierfacht.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten. Quelle: Reuters
Platz 19: Aktien ChinaDie Wirtschaft in China macht Anlegern seit über einem Jahr Sorgen. Die Börse stürzte entsprechend weiter ab. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandschinas erfasst, brach um 15,6  Prozent ein. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro leicht abwertete blieben Anlegern von 100.000 Euro nur 80.900 Euro übrig.   Schlusstand 30.6.2016,  Angaben ohne Transaktionskosten. Quelle: Reuters
Platz 18: Aktien Euro-ZoneDer Jahresauftakt an Europas Börsen war schon ein Horror, dann kam noch das Debakel um den Brexit hinzu. Die Folge: Die Aktien in der Euro-Zone notieren tief im Minus. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Leitindex Euro Stoxx 50 investierte, verfügt angesichts des Minus von 12,3 Prozent jetzt nur noch über 87.670 Euro. Am schlimmsten erwischte es dabei Anleger in Italien – der FTSE MIB 100 Index verlor fast ein Viertel seines Wertes.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten. Quelle: REUTERS
Platz 17: Britisches PfundInvestoren haben die britische Währung nach dem Brexit-Votum regelrecht heruntergeprügelt. Schon vorher litt es deutlich, am Tag nach der Bekanntgabe des Referendums stürzte es dann zum US-Dollar um bis zu knapp 14 Prozent und zum Euro um mehr als acht  Prozent ab. Zur US-Währung liegt das Pfund auf dem niedrigsten Stand seit über 30 Jahren. Zum Euro liegt das Pfund „nur“ auf dem niedrigsten Stand seit rund zwei Jahren. In diesem Jahr wurden aus 100.000 in Pfund angelegten Euro 88.620 Euro.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 16: Aktien DeutschlandAuch Aktienanleger in Deutschland hat bislang kein schönes Jahr. Gleich zu Beginn des Jahres stürzte der Leitindex Dax ab. Danach erholte er sich zwar – machte die Verluste vom Jahresanfang aber nie ganz wett. Der Brexit-Schock setzte dem Dax dann erneut zu. Aus 100.000 im Dax investierten Euro sind innerhalb von sechs Monaten nur noch 90.110 Euro geworden.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: AP
Platz 15: Aktien SchweizAuch die Aktien der Schweiz gingen auf Talfahrt. Der Franken legte dabei zum Euro nur ganz leicht zu. Im vergangenen Jahr hatte er kräftig aufgewertet, nachdem die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs für den Franken aufgegeben hatte. Von daher machten Anleger mit Franken in diesem Jahr keine Währungsgewinne. Von 100.000 Euro blieben 91.320 Euro übrig.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: Reuters
Platz 14: Aktien GroßbritannienDas Brexit-Votum hat der britische Leitindex rasch verkraftet.  Der Leitindex „Footsie“ war zwar am 24. Juni heftig eingebrochen, holte die kurzfristigen Verluste dann aber wieder auf. Trotzdem sind Experten skeptisch, da wegen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU eine lange Phase der Ungewissheit droht. Dennoch notiert der Footsie auch auf Halbjahressicht 4,2 Prozent im Plus. Da der Euro jedoch zum Pfund kräftig zulegte, machten Euro-Anleger, die ihre Positionen nicht absicherten, einen Verlust von 8,01 Prozent und hatten bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro so nur noch 91.990 Euro auf dem Konto.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: Reuters

Wie beim Arzttermin bei Verdacht auf eine bedrohliche Krankheit, geht das nur mit schonungsloser Wahrheitsliebe. Wenn Sie das alleine nicht schaffen, holen Sie sich Hilfe und suchen das vertrauensvolles Gespräch.

Wahrscheinlich wird es nicht Ihr Banker sein. Eher der Sandkastenfreund, der Pastor, ein Psychoanalytiker oder ein erfahrener unabhängiger Investor, der das Maß der Dinge schon geschaut hat. Nicht von ungefähr sind an der Börse viele Achtzig- und Neunzigjährige trotz ihres Alters überaus erfolgreich unterwegs. Das hat genau damit zu tun.

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