Erste staatliche Kryptowährung Venezuela nimmt Millionen mit Petro ein

Venezuelas eigener Bitcoin startet: Präsident Nicolas Maduro gab den Startschuss für die staatliche Kryptowährung Petro. Quelle: REUTERS

Das krisengebeutelte Venezuela hat als erste Nation weltweit seine eigene Kryptowährung eingeführt. Die ersten Verkäufe liefen gut, Experten sind dem Petro gegenüber aber skeptisch.

Venezuela hat nach Angaben von Präsident Nicolas Maduro Hunderte Millionen Dollar beim Start der weltweit ersten staatlichen Kryptowährung "Petro" eingenommen. Am ersten Vorverkaufstag seien 735 Millionen Dollar zusammengekommen, sagte Maduro in Caracas. "Heute wird eine Kryptowährung ins Leben gerufen, die es mit Superman aufnehmen kann", sagte Maduro und spielte mit der bekannten Comic-Figur auf die USA an, aus der die Weltleitwährung Dollar kommt.

„Wir haben einen großen Schritt in das 21. Jahrhundert genommen“, sagte Maduro im Staatsfernsehen. Das Land sei damit ein technologischer Vorreiter. Die Präsentation des Petro fand im Präsidentenpalast Miraflores statt. Maduro erhielt eine kurze Demonstration der Computertechnik hinter der Kryptowährung von einem Mitarbeiter der russischen Firma, die die Plattform für Venezuela verwalten wird.

Das krisengeplagte Venezuela will durch den Start der Cyber-Devise einen wirtschaftlichen Befreiungsschlag erreichen. Bis 19. März können Interessenten in den "Petro" investieren, der venezolanischen Angaben zufolge mit jeweils einem Barrel (159 Liter) der Rohöl-Reserven des Landes besichert ist. 100 Millionen digitale Münzen sollen zu jeweils etwa 60 Dollar ausgegeben werden. Damit käme der Petro auf einen Gesamt-Börsenwert von sechs Milliarden Dollar und würde aus dem Stand in die Top Ten der Kryptowährungen einziehen.

Was Venezuela mit dem Petro vorhat

Maduros Regierung hofft, damit die darniederliegende Wirtschaft des Landes neu zu beleben und die von den USA verhängten Sanktionen zu umgehen. Allerdings warnte Washington potenzielle Investoren, dass sie auch mit dem Kauf des Petros die Sanktionen missachten und sich damit strafbar machen könnten. Maduro sieht den eigenen venezolanischen Bitcoin auch als entscheidenden Schritt hin zum Ziel seines Vorgängers und Mentors Hugo Chávez, die Dominanz des US-Dollars und der Wall Street im kapitalistischen Wirtschaftssystem zu beenden. Kritiker geben aber zu bedenken, dass auch die Petros bisher nur in Dollar gekauft werden können.

Die venezolanische Währung Bolívar hat angesichts einer vierstelligen Inflationsrate dramatisch an Wert verloren. Die Venezolaner nutzen bereits jetzt vielfach Bitcoins und andere digitale Währungen etwa für Arztbesuche oder Reisen. Damit gehen sie dem entwerteten Bolívar und dem US-Dollar aus dem Weg, den sie nur auf dem Schwarzmarkt besorgen können.

Einige Fans der Digitalwährung stehen der Möglichkeit ablehnend gegenüber, dass Einzelstaaten Kryptowährungen einführen, die ja eigentlich entwickelt wurden, um staatliche Kontrollen zu umgehen.

von AP und Reuters

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