Gebührenvergleich: Das beste Girokonto für junge Menschen
Den Schulabschluss in der Tasche, der Ausbildungsvertrag unterschrieben, wahlweise die Zulassung zur Universität oder Fachhochschule im Briefkasten – spätestens jetzt denken junge Menschen über ein Girokonto nach. Denn ohne Konto geht es nicht. Doch bei diesem vermeintlich einfachen Produkt gibt es einige Unterschiede.
Das Girokonto als Start in eine Bankbeziehung
Welche Direktbank oder Filialbank ist die richtige? Reicht eine Girocard oder braucht man auch eine Debitkarte? Und was ist mit der Kreditkarte? Wie hoch sind die Kosten? Ist die Bargeldversorgung gebührenfrei? Fragen, die sich Bankkunden stellen sollten. „Auch wenn die jungen Leute gern etwas hip und wechselfreudig eingeordnet werden, glauben wir, dass doch sehr viele jungen Leute sehr konservativ an das Girokonto rangehen – auch weil sie das Girokonto als Start in eine Bankbeziehung ansehen“, sagt Max Herbst, Gründer der FMH-Finanzberatung.
Berufseinsteiger sollten bei der Wahl ihres Girokontos Konditionen vergleichen und dabei auf kostenlose oder günstige Kontoführung achten. Grundsätzlich gilt, dass das Girokonto die gewünschten und notwendigen Funktionen bieten sollte. „Dazu gehört beispielsweise eine Karte, um im Ausland bezahlen zu können, flächendeckende Bargeldversorgung oder die Möglichkeit, virtuelle Karten zur kontaktlosen Bezahlung im Smartphone einzubinden“, sagt ein Sprecher der Comdirect. „Außerdem legen viele unserer Kundinnen und Kunden Wert auf eine einfache und verständliche Nutzerführung im Mobile- und Online-Banking.“ Ebenso sollte der Support 24/7 erreichbar sein. „Viele wünschen sich außerdem, selbstbestimmt ihre Finanzen zu verwalten“, ergänzt er. Diese Funktionalität sollten Online- und Mobile-Banking liefern.
Kostenlose Karten und Bargeldversorgung
Die FMH-Finanzberatung hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die besten kostenfreien Girokonten für junge Menschen gekürt. „Bei den Kreditkarten wurde darauf geachtet, dass mindestens eine Karte, also Debitkarte, GiroCard oder Kreditkarte kostenfrei angeboten wird“, sagt Herbst. Auch gebe es immer noch Kunden, denen die Bargeldversorgung sehr wichtig ist. Deshalb sind auch die kostenfreien Abhebungen im In- und Ausland ein Kriterium. Unter die Lupe genommen wurden die Angebote von 22 Banken. Die Experten bewerteten die Girokonten für junge Erwachsene ab 18 Jahren von jeweils drei Direktbanken und drei Filialbanken mit der Note „sehr gut“.
Der Blick auf die Tabelle zeigt, dass es Unterschiede gibt – auch bei den ausgezeichneten Girokonten. Zum Konto der Consorsbank gibt es neben der Girocard noch eine Debitkarte gebührenfrei, ebenso wie bei der C24 Bank. Die Comdirect berechnet für die Girocard zwölf Euro pro Jahr. Außerdem gibt es bei der Consorsbank eine kostenfreie Kreditkarte dazu. Diese kostet bei der Comdirect 22,80 Euro im Jahr. Die C24 Bank bietet keine zusätzliche Kreditkarte an. Bei der Consorsbank können die Kunden weltweit gebührenfrei Geld abheben. Bei der C24 gibt es vier kostenfreie Geldabhebungen pro Monat und einen Guthabenzins von 0,75 Prozent pro Jahr. Die Comdirect lockt Neukunden mit 75 Euro Prämie, zusätzlich gibt es ein Tagesgeldkonto zum Girokonto dazu, das für die ersten sechs Monate mit drei Prozent verzinst ist.
Konditionen unterscheiden sich auch bei Gratiskonten
Bei der Filialbank wurden die kostenfreien Girokonten von BW-Bank, BBBank und Santander ausgezeichnet. Bei der BW-Bank bekommen die jungen Kunden eine Kombicard aus Girocard und Debitkarte, außerdem gibt es eine gebührenfreie Kreditkarte. Geld können die Kunden weltweit kostenfrei abheben. Die BBBank bietet zum Konto eine Giro- und eine Debitkarte. Für die Kreditkarte werden 25 Euro pro Jahr berechnet. Neukunden bekommen eine Startprämie von bis zu 150 Euro. Santander bietet die Debitkarte und die Visa-Karte gratis an, die Girokarte kostet allerdings zwölf Euro pro Jahr. Viermal pro Monat können die Kunden weltweit kostenfrei Geld abheben.
Interessierte sollten sich die Konditionen also genau anschauen. „Auch zunächst kostenlose Girokonten können im Nachhinein teuer werden, daher muss man genau prüfen, was Banken oder Sparkassen anbieten und ab wann sie für welche Leistungen Entgelte verlangen“, warnt Kerstin Föller, Leiterin Abteilung Insolvenz, Kredit, Konto bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Verbraucher sollten zudem darauf achten, was Überweisungen, Kontoauszüge und andere Serviceleistungen kosten, wenn sie kein Pauschalkonto haben.
Altersgrenze beachten
Außerdem sollten Kunden die Altersgrenze beachten. Denn ab einem bestimmten Alter ändern sich die Konditionen. Bei der Comdirect beispielsweise ist das Girokonto nur bis zum 27. Lebensjahr gratis. „Auch im Anschluss kann dieses Konto weiterhin kostenfrei geführt werden, sofern die Bedingungen des Aktiv-Kontos erfüllt werden“, sagt der Comdirect-Sprecher. „Hierfür ist ein monatlicher Mindestgeldeingang von 700 Euro, drei Zahlungen im Monat mit Apple Pay beziehungsweise Google Pay oder die monatliche Ausführung von einem Trade beziehungsweise einem Wertpapiersparplan notwendig.“ Auch hier hilft der Blick ins Kleingedruckte. Bei der C24 Bank und bei Santander gibt es keine Altersgrenze.
Gerade junge Menschen, die noch nicht viel verdienen, können schnell mal in die roten Zahlen rutschen. „Auch die Höhe des Dispozinses, den man für ein überzogenes Konto zahlt, kann ein Kriterium sein“, sagt Verbraucherschützerin Föller. „Für manch einen mag auch eine ökologische Ausrichtung oder ein regionaler Bezug wichtig sein.“
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