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Grand-Hotel-Pleite Wie das Ostseebad Heiligendamm baden ging

Es war eines der Vorzeigeprojekte in den neuen Bundesländern – auch wenn es von Anfang an Zweifler gab. Das geschichtsträchtige Hotel Heiligendamm musste dennoch Insolvenz anmelden.

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Die Problemprojekte des Anno August Jagdfeld
Anno August Jagdfeld Quelle: dpa
Grand Hotel Heiligendamm Quelle: dpa
Kempinski Quelle: dpa
Jagdfeld Quelle: dpa
Hotel Adlon  Quelle: AP
Hotel Adlon Quelle: AP
Hotel Adlon Quelle: AP

Der sanfte Kameraflug geht über kabbelige Ostseewellen hinweg, vorbei an einer Seebrücke und Ostseevillen, bis ein Areal in den Blick kommt, auf dem das heutige Luxushotel Grand Hotel Heiligendamm steht. Untermalt von Klängen aus Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ soll das Werbevideo den Eindruck von Luxus und Aufbruch vermitteln. Schwenks zeigen grüne Umgebung, Golfplatz, Galopprennbahn und Fürstenhof. Das Video endet mit den optimistischen Zeilen: „Heiligendamm - Die Legende lebt und wächst.“ Bis heute ist es auf der Homepage der als Investor hinter dem Hotel stehenden Fundus-Gruppe zu sehen - wohl auch als Werbung für das fondsfinanzierte Luxushotel. Wie allerdings die schnöde Realität aussieht, zeigt sich nach einem Klick auf den Button Aktuelle Meldungen: „Sanierung gescheitert - Fonds KG des Grand Hotel Heiligendamm beantragt Insolvenz“, heißt es dort.

Jagdfeld und Zumbaum Quelle: dpa

Jagdfeld klagt über fehlende Zeit zur Sanierung

Die von Anno August Jagdfeld geführte Fundus-Gruppe hatte 1996 das klassizistische Gebäudeensemble in Heiligendamm sowie ein benachbartes landwirtschaftliches Gut von der Treuhandanstalt erworben. 2003 wurde das Grand Hotel eröffnet, das zunächst von Kempinski gemanagt wurde. Rund neun Jahre später - und nach dem Kempinski-Ausstieg im Streit - ist das Hotelprojekt vorerst gescheitert. Mit niedrigen Auslastungszahlen hatte es von Beginn an zu kämpfen, derzeit liegt die Auslastung bei rund 44 Prozent. Das Projekt schrieb 2010 und 2011 leicht schwarze Zahlen. Dennoch, so klagte Jagdfeld am Dienstag in Heiligendamm vor Journalisten, fehle seiner Gruppe die Zeit, die begonnene Sanierung weiterer Gebäude abzuschließen. Seinen Angaben zufolge hatten sich Banken geweigert, die Kredite zu verlängern. Auch die Anleger wollten kein frisches Geld mehr geben.

Heiligendamm an der Ostsee ist das älteste deutsche Seebad. Es wurde 1793 von Friedrich Franz I. gegründet, dem Herzog von Mecklenburg-Schwerin. Er ließ das kleine Bad zu einer Ansammlung klassizistischer Bauten und Villen ausbauen, die im 19. und 20. Jahrhundert vom europäischen Hochadel frequentiert wurden. Weil die Gebäude strahlend weiß gestrichen waren, hieß Heiligendamm „Weiße Stadt am Meer“. Am Kurhaus befindet sich die lateinische Inschrift „Heic te Laetitia invitat post balnea sanum“, also „Frohsinn erwartet dich hier, entsteigst du gesundet dem Bade“. Durch Heiligendamm führt die Bäderbahn „Molli“, eine Schmalspurbahn, die mit Dampfloks betrieben wird und von Bad Doberan nach Kühlungsborn an der Küste führt.

Klassenkampf am Ostseestrand

Grand Hotel Heiligendamm Quelle: dapd

Heiligendamm war das erklärte Lieblingsprojekt von Immobilieninvestor Jagdfeld. Und er will als Geschäftsführer in der Verantwortung bleiben – und sieht in der Insolvenz auch Chancen. Der vom Aachener Amtsgericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum aus Düren hat sich nach eigenen Angaben eine Frist bis Frühherbst gesetzt, um das Unternehmen zu sanieren. Die Stimmung unter den 300 Mitarbeitern der Belegschaft sei „aufgeräumt und frisch“, sagte Zumbaum nach einer Betriebsversammlung am Dienstag. Er gehe davon aus, alle Gläubiger bedienen zu können.

Bei der Suche nach Investoren sei alles möglich, sowohl ein Einzelinvestor für den fehlenden Millionenbetrag als auch der Verkauf des Hotels. „Das ist kein Gewerbe, bei dem die Käufer Schlange stehen“, sagte Zumbaum. „Aber wir haben hier ein Kleinod, das nur darunter leidet, nicht so en vogue zu sein, wie andere Städte auf der Welt“, fügte der Insolvenzverwalter hinzu.

Geldanlage



Image von Heiligendamm laut Jagdfeld ruiniert

Jagdfeld sieht einen Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten darin, dass Kritiker das Image von Heiligendamm „systematisch ruiniert“ hätten. Jahrelang seien die Hotelgäste durch Heerscharen von Radlern und neugierigen Spaziergängern gestört worden. „Jetzt noch besteht die Gemeinde auf einem Wanderweg mitten durch das Hotelgelände, das ist reine Sabotage“, sagte der Geschäftsführer.

Zeitungen hätten gern vom „Klassenkampf am Ostseestrand“ berichtet. Das Hotel könne aber nur von einem Gästeklientel leben, das Zimmer auf Hochpreisniveau buche. Vor einigen Jahren habe man versucht, im Winter Zimmer für je 50 Euro zu vermieten. Das habe zwar für eine gute Auslastung gesorgt, aber auch ein um zwei Millionen Euro schlechteres Jahresergebnis.

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