Sonnenenergie Wann sich Ihre Solaranlage noch lohnt

Früher galt sie als grüner Renditebringer, jetzt machen immer mehr Regelungen und Subventionskürzungen die Solaranlage zum Kostenfaktor. Ob sich die Paneele noch rechnen und welche weiteren Abgaben drohen.

Eine Solaranlage auf einem Hausdach. Quelle: dpa

Mutter, Vater, zwei Kinder – und ein neues Haus am Stadtrand. Eigentlich soll das Dach möglichst schnell eine Solaranlage zieren. Die Familie hat extra das praktische Satteldach genommen und auf die Sonneneinstrahlung geachtet, damit die Leistung der Anlage möglichst hoch ist.

Mittlerweile kommen dem Familienvater allerdings Zweifel. Die Vergütung für eingespeisten Strom sinkt immer weiter, zuletzt sorgte die Große Koalition in Berlin mit der sogenannten „Sonnensteuer“ für Aufsehen bei Solaranhängern. Weitere Zusatzkosten sind im Gespräch, die Solaranlagenbesitzer ebenfalls belasten könnten. Lohnt sich die Anlage für die Familie rein finanziell betrachtet überhaupt noch?

Während Solaranlagen zunächst als gute Geldanlage galten und bis zu zehn Prozent Rendite abwerfen konnten, ist das längst nicht mehr der Fall. Die Investition sollte gut durchgerechnet sein.

Wenigstens die als „Sonnensteuer“ bekannt gewordene Beteiligung der privaten Anlagenbesitzer an der EEG-Umlage ist offenbar zunächst vom Tisch. Wie am Dienstag bekannt wurde, will die Regierung Besitzer von Anlagen mit einer Leistung von maximal zehn Kilowatt die EEG-Umlage ersparen. Laut Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW) sind damit vor allem die Privatbesitzer von Solaranlagen entlastet, denn eine normale Einfamilienhaus-Anlage entspräche im Schnitt einer Leistung von rund fünf bis sieben Kilowatt.

Die wichtigsten Regelungen im neuen EEG

Ursprünglich hatte die Regierung geplant, künftig auch diese Kleinanlagen-Besitzer an der Umlage zu beteiligen; sie sollten einen Anteil von 40 Prozent der Umlage je Kilowattstunde als eine Art „Soli“ entrichten. Derzeit wären das 2,5 Cent je Kilowattstunde. Nun ruderte die Regierung zurück und begründete das mit dem unverhältnismäßigen bürokratischen Aufwand. Bestehende Anlagen wären von der Neuerung nicht betroffen gewesen.    

Wer sich allerdings eine neue Anlage auf ein Doppelhaus setzt, könnte bereits über die Bagatellgrenze von zehn Kilowatt geraten und müsste die angekündigten 40 Prozent der EEG-Umlage auch als Selbstversorger beisteuern. „Wer mit seiner neuen Anlage droht, über der Bagatellgrenze zu landen, wird wohl künftig ein wenig kleiner bauen“, sagt Holger Schneidewindt, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Besonders nachteilig ist die Entscheidung für kleinere Unternehmen, die einen Teil ihres Stroms selbst erzeugen wollen.

Sparen statt gewinnen

Grundsätzlich geben Experten allerdings Entwarnung. „Für Privatleute lohnt sich eine Solaranlage auf jeden Fall“, sagt Solarfachmann Thomas Seltmann. Das gelte vor allem für diejenigen, die viel Strom selber verbrauchen können. Carsten Körnig bestätigt das: „Eine Solaranlage eignet sich dazu, Geld zu sparen“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. Bei intelligenter Auslegung ließen sich mit ihrer Hilfe die Stromkosten spürbar senken. Die vierköpfige Familie mit dem Haus am Stadtrand wird einiges sparen – bei einem Zweipersonen-Haushalt, in dem beide arbeiten und nur abends und am Wochenende zu Hause sind, sieht die Rechnung dagegen schon anders aus.

Egal ob Großfamilie oder Einzelperson, alle müssen sich vom Gedanken verabschieden, mit einer Solaranlage auf dem Dach zusätzliche Einnahmen generieren zu können. Das ist mit der immer weiter sinkenden Vergütung für eingespeisten Strom, die mittlerweile noch bei 13 Cent je Kilowattstunde liegt, nicht mehr möglich. Die Vergütung entspricht in etwa den Entstehungskosten, die für eine Kilowattstunde Solarstrom anfallen, das Ganze ist also ein Nullsummenspiel.

Was für eine Anlage spricht

In die Karten spielen den Anlagenbesitzern dagegen die stetig steigenden Strompreise. Je mehr vom eigens erzeugten Solarstrom selber verbraucht wird, desto höher die Ersparnis. Diese Rechnung ist vergleichsweise einfach. Der BSW rechnet mit rund zwölf Cent durchschnittlichen Entstehungskosten je Kilowattstunde. Denen gegenüber stehen derzeit im Schnitt rund 28 Cent je Kilowattstunde für Strom aus dem Netz.

Selbst mit mittelgroßen Anlagen lassen sich so im Jahr Stromkosten in Höhe von rund 300 Euro und mehr sparen. Tendenz steigend, da auch in Zukunft mit steigenden Energiepreisen zu rechnen ist.

Ebenfalls für die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage sprechen die gesunkenen Anschaffungskosten. Während ein Kilowatt Anlagen-Leistung 2006 noch über 5000 Euro kostete, sind es mittlerweile laut BSW nur noch 1640 Euro je Kilowatt. Wer eine durchschnittliche Einfamilienhaus-Anlage mit fünf Kilowatt Leistung installiert, muss mit Gesamtinvestitionen in Höhe von rund 8200 Euro rechnen. So viel etwa zahlt, wer sich für eine Anlage von einem deutschen Hersteller entscheidet. Zellen von asiatischen Herstellern gibt es für etwas weniger Geld.

Mit weiteren deutlichen Preisrutschen ist allerdings nicht zu rechnen. „Die Materialkosten haben sich zuletzt etwas stabilisiert“, sagt Schneidewindt. Das liege unter anderem auch an den Strafzöllen, mit denen asiatische Solarzellenhersteller belastet wurden, um Dumpingpreise zu verhindern.

Was die Entscheidung für eine Anlage zusätzlich erleichtert: die fehlenden Anlagealternativen. Aufgrund der niedrigen Zinsen lassen sich die Investitionskosten von rund 8000 Euro nur schwer renditeträchtig anlegen. Auf dem Sparbuch und beim Tagesgeld gibt es nur Mini-Zinsen, wer etwas mehr Rendite einfahren will, muss mehr ins Risiko gehen und sich an der Börse versuchen.

Hinzu kommen die günstigen Finanzierungskonditionen. Wer die 8000 Euro nicht komplett vom Ersparten bestreiten will, aber gleichzeitig über eine gute Bonität verfügt, kann sich über günstige Finanzierungsbedingungen freuen.

Teure Speicher

Obwohl der Eigenverbrauch beim Kauf einer Solaranlage immer wichtiger wird, gelten Stromspeicher, mit denen sich der Eigenverbrauch von einem Anteil von rund 20 Prozent an der gesamten Solarstromerzeugung auf rund 60 Prozent steigern lässt, weiterhin als zu teuer.

Wo der Strom herkommt
BraunkohleNoch immer der mit Abstand bedeutendste Energieträger Deutschlands: Im Jahr 2013 ist die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle auf den höchsten Wert seit 1990 geklettert. Mit 162 Milliarden Kilowattstunden macht der Strom aus Braunkohlekraftwerken mehr als 25 Prozent des deutschen Stroms aus. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Quelle: dpa
SteinkohleAuch die Stromproduktion in Steinkohlekraftwerken stieg im Jahr 2013 – um 8 Milliarden auf mehr als 124 Milliarden Kilowattstunden. Damit ist Steinkohle der zweitwichtigste Energieträger und deckt fast 20 Prozent der deutschen Stromproduktion ab. Vor allem Braun- und Steinkohle fangen also offenbar den Rückgang der Kernenergie auf. Quelle: dpa
Kernenergie Die Abschaltung von acht Atomkraftwerken macht sich bemerkbar. Nur noch 97 Milliarden Kilowattstunden stammten 2013 aus Kernerenergie, drei weniger als im Vorjahr. Das sind allerdings noch immer 15 Prozent der gesamten Produktion. Damit ist Atomstrom nach wie vor die drittgrößte Energiequelle. Quelle: dpa
ErdgasDie CO2-arme Erdgasverbrennung ist - anders als Kohle - wieder rückläufig. Statt 76 Milliarden kamen im vergangenen Jahr nur noch 66 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Erdgaskraftwerken. Das sind gerade mal zehn Prozent der Stromproduktion. Dabei war Erdgas vor drei Jahren schon einmal bei 14 Prozent. Quelle: dpa
WindkraftDer größte erneuerbare Energieträger ist die Windkraft. Mit 49,8 Milliarden Kilowattstunden in 2013 ist sie allerdings leicht Rückläufig. Insgesamt steigt der Anteil der erneuerbaren Energien jedoch stetig. Zusammengenommen produzierten sie 23,4 Prozent des deutschen Stroms. Quelle: dpa
BiomasseFast genauso viel Strom wie aus Windkraft stammte aus Biomasse. Die Produktion stieg auf 42 Milliarden Kilowattstunden. Damit steht Biomasse auf Platz sechs der bedeutendsten Energieträger. Quelle: ZB
PhotovoltaikEs reicht zwar nur für knapp fünf Prozent der deutschen Stromproduktion, aber Solarenergie ist die mit Abstand am schnellsten wachsende Energieform. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch gar keinen Sonnenstrom. Und seit 2007 hat sich die Produktion auf 28,3 Milliarden Kilowattstunden in 2013 beinahe verzehnfacht. Quelle: dpa
Sonstige Immerhin vier Prozent der Stromproduktion stammen aus den sogenannten sonstigen Energieträgern. Dieser Wert ist seit Jahren relativ konstant. Dahinter verbergen sich vor allem verschiedene Gase wie Grubengas, Kokerei- und Hochofengas aber auch zum Beispiel Klärschlamm. Quelle: dpa
WasserAuch Wasserkraft ist seit Jahren verhältnismäßig konstant, wenn auch in 2013 minimal rückläufig. Etwa 21 Milliarden Kilowattstunden wurden in Wasserkraftwerken produziert, das entspricht 3,4 Prozent des deutschen Stroms. Quelle: AP
MineralölEin wichtiger Energieträger, in der Stromproduktion jedoch recht unbedeutend: Öl. Gerade einmal 7 Milliarden Kilowattstunden Strom stammten 2013 aus der Verbrennung von Mineralölprodukten. Das ist etwa ein Prozent des produzierten Stroms, vor 20 Jahren waren es noch zwei Prozent. Quelle: dpa
HausmüllMit fünf Milliarden Kilowattstunden trägt die Verbrennung von Hausmüll auch noch ein kleines Scherflein bei. Der Anteil des Stroms aus Müllverbrennung steigt seit Jahren stetig aber langsam – von 0,4 auf 0,8 Prozent in den letzten zehn Jahren. Quelle: dpa

"Noch sind Batteriesysteme nicht wirtschaftlich", sagt Seltmann. Erst wenn die Preise um weitere 30 bis 50 Prozent sinken, könne man über den Kauf nachdenken, so der Energieexperte. Auch die technischen Fähigkeiten der Speicher sind umstritten. „Bei den Speichern sind wir weiterhin in der Pionierphase“, sagt Schneidewindt. Verbraucher sollten nicht unbedingt damit rechnen, dass der teure Speicher für die nächsten 20 Jahre reibungslos seine Arbeit macht. Dafür fehlten bisher schlicht die Erfahrungswerte.

Obwohl die eingespeiste Strommenge für die Wirtschaftlichkeit der Anlage immer unerheblicher wird, erkennt Solarexperte Seltmann noch keinen Trend zu kleineren Anlagen. Es mache auch schlicht keinen Sinn, seine Anlage so zu optimieren, um bei kleiner Fläche eine möglichst hohe Eigenverbrauchs-Quote zu erreichen. Dafür seien die Fixkosten zu hoch. Einfach ein paar Solarpaneele weniger aufs Dach zu bauen, bringt kaum eine nennenswerte Ersparnis ein. Er rät dennoch zu einer normal großen Anlage. Schließlich könne es sich später lohnen, ältere Anlagen mit Batteriesystemen nachzurüsten. Spätestens dann machen sich die zusätzlichen Paneele in jedem Fall bezahlt.

Rechnen Sie vorher!

Eine pauschale Aussage darüber, wie sehr sich eine Solaranlage rechnet, lässt sich nicht treffen. Das hängt von diversen Faktoren wie der Größe der Anlage und der erreichten Leistung ab. Diese wiederum hängt unter anderem von der Dachform, der Sonneneinstrahlung und schlicht der Lage ab. Eine Anlage im sonnigen Freiburg wird in der Regel mehr Strom produzieren als eine in Hamburg.

Praktische Rechenhilfe

Für eine genaue Wirtschaftlichkeitsrechnung gibt es daher diverse Rechner, mit denen Leistung sowie Kosten und Erträge bestimmt werden können. Der Stromertrag je nach Dachform, - neigung, -ausrichtung sowie Größe und Ort der Anlage lässt sich beispielsweise mit dem Photovoltaik-Rechner ermitteln. Auch die Stiftung Warentest bietet einen guten Renditerechner für Solarstrom. Hier lassen sich neben den klassischen Faktoren wie den Anschaffungskosten, Einspeisevergütung oder Eigenverbrauchsanteil auch Steuern und Kreditfinanzierungskosten berücksichtigt.  

Was allerdings kein Rechner miteinkalkulieren kann, sind mögliche Kosten, die in Zukunft auf Solaranlagen-Besitzer zukommen. Zwar ist die "Sonnensteuer" vorerst vom Tisch, ob der Gesetzentwurf damit aber für immer in den Aktenvernichtern des Bundestags versenkt wurde, ist unklar. Zudem wird im Zuge der Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) über weitere Finessen diskutiert. Im Gespräch ist beispielsweise eine Umstellung der Stromtarife. Würde nicht mehr nur ein Preis je Kilowattstunde gezahlt, sondern auch eine fixe Gebühr für die Nutzung des Netzes, könnte das die Ersparnisrechnung einer Solaranlage verändern.

Auch über die Regulierung der eingespeisten Strommenge wird diskutiert. Bisher sind nur Neubesitzer verpflichtet, entweder die Einspeiseleistung auf 70 Prozent zu reduzieren und entsprechende Einbußen zu akzeptieren, oder vergleichsweise teure Hardware zur Steuerung zu installieren, damit es nicht zu Überlastungen im Stromnetz kommt. „Sollte die Abregelungshardware auch für bestehende Anlagen Pflicht werden, kommen Kosten auf die Anlagenbesitzer zu“, sagt Schneidewindt. Gleichzeitig überlegt die Regierung, flächendeckend sogenannte intelligente Messsysteme (Smart Meter) einzusetzen. Verbraucherzentralen warnen vor hohen Kosten für die Verbraucher bei gleichzeitig geringem Nutzen.

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Für Thomas Seltmann sind die ständigen Neuerungen schwierig. "Ein Problem ist, dass sich die geltenden Regeln ständig ändern", sagt Seltmann. Das erschwere es beispielsweise, ältere Anlagen auszubauen und zu ergänzen. Zudem können sich Käufer nicht darauf verlassen, dass die geltenden Regelungen länger Bestand haben.

Fazit: Insgesamt sollte der Sparfaktor im Mittelpunkt stehen, die Zeiten, in denen sich mit Solaranlagen Geld einnehmen lässt, sind im Privatbereich vorbei. Wer einen relativ hohen Strombedarf hat und möglicherweise in einer sonnenverwöhnten Region wohnt, kann aber von den gesunkenen Anschaffungskosten profitieren. Verbraucher sollten allerdings vom Gedanken der Eigenversorgung und den ökologischen Aspekten überzeugt sein, und nicht aus rein finanziellen Aspekten in eine Anlage investieren.

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