Sparkasse Fifty Shades of Grey beim Onlinebanking

Fast jeder Klick schmerzt: Eine Sparkasse quält ihre Kunden mit einer besonders raffinierten Gebühr. Das kann man kaum ernst nehmen.

Sparkassenkassenkunden in Soest zahlen pro Klick Quelle: dpa

Es klingt wie ein Aprilscherz zur falschen Jahreszeit: Zwei Cent pro Mausklick soll die Sparkasse Soest ihren Onlinebanking-Kunden berechnen – jedenfalls denen, die sich für ein Kontomodell mit besonders niedriger Fixgebühr entschieden haben.

So wird es für Kunden jedes Mal zur Qual, ihr Internetkonto aufzurufen. Die Ungewissheit darüber, welche Kosten die Klickerei am Ende des Jahres auslöst, dürfte jeden Normalnutzer in den Wahnsinn treiben. Allenfalls masochistisch veranlagte Kunden könnten daran Gefallen finden. Das ist nicht diskriminierend gemeint und soll die Absurdität hinter diesem Konditionengebaren verdeutlichen.

Spötter dürfen die Soester Stilblüte daher ruhig als möglichen Weg in die digitale Zukunft des Bankgeschäfts sehen: Ein Sado-Maso-Studio light, das sogar online verfügbar ist. Der Marketinglockruf der Soester Sparkasse „Ihr komfortables Onlinebanking steht Ihnen rund um die Uhr zur Verfügung“ bekommt dadurch einen ganz neuen Beigeschmack.

Kostet ins Soest wirklich jeder Klick? Die Sparkasse selbst will sich aktuell nicht äußern und verweist auf eine Veröffentlichung des Sparkassenverbands DSGV in Berlin. Dort dementiert man den Begriff von der Klickgebühr: Pay per Click? „Natürlich nicht!“ Beileibe nicht jeder Seitenaufruf koste, wohl aber einzelne Aktivitäten im Onlinebanking wie die Abfrage des Kontostands oder der Blick in die Daueraufträge. Ah ha.

Transparenz sieht anders aus. Aber vielleicht erleben gerade masochistische Feinschmecker die Ungewissheit darüber als besonders aufregend, welcher Klick genau nun eine schmerzhafte Miniabbuchung auslöst. Das ist natürlich schwarzer Humor, doch der lässt sich angesichts einer solchen Gebührenpolitik nicht verkneifen.

Und so ganz an der Realität vorbei geht das zugespitzte Schlagwort von der Klickgebühr nicht. Schließlich kosten nach Definition des DSGV nicht nur ausgeführte Transaktionen wie Überweisungen oder Daueraufträge, sondern schon der Abruf von Informationen. Nur zehn Prozent der Soester Kundschaft seien davon betroffen – und auch nur solche, die sich für ein Kontomodell entschieden hätten, bei dem das Onlinebanking eine zu vernachlässigende Rolle spiele.

Nimmt man dieses Argument für einen Moment ernst, müsste man es weiter spinnen. Dann könnten die mit zwei Cent noch sanft dosierten digitalen Peitschenhiebe den einen oder anderen Filialmuffel wieder zurück in die immer seltener besuchten Schalterhallen geißeln.

Wem die zwei Cent zu sanft sind, der kann ja seine Sparkassenberater fragen, ob sie die Dosis um ein paar Cent erhöhen. Nun ja, so kann man sich seine Kunden auch erziehen.

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