Neobroker: Trade Republic führt Kinderdepots ein
Der Neobroker Trade Republic erweitert seine Produktpalette. Ab diesem Dienstag können Kunden dort in Kinderdepots für ihren Nachwuchs Geld am Kapitalmarkt anlegen. Das neue Angebot steht ab sofort zur Verfügung, heißt es von dem Fintech.
Für die Kinderdepots von Trade Republic stehen alle Funktionen der App zur Verfügung: Eltern können kostenfreie ETF- und Aktiensparpläne ausführen, Bruchstücke einer Aktie erwerben und Anleihen kaufen. Außerdem wird nicht-investiertes Geld mit zurzeit 2,25 Prozent verzinst. Teile dieses Guthabens können in Geldmarktfonds investiert sein, wo keine Einlagensicherung greift.
Bei ausgewählten ETFs gibt es einen kleinen Kostenvorteil. Normalerweise fällt für die Verwaltung eines Indexfonds eine jährliche Gebühr an. Bei einem ETF auf den Weltaktienindex MSCI World beläuft sich diese meist auf 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr. Bei einigen Indexfonds müssen Trade-Republic-Kunden diese jährliche Verwaltungsgebühr nicht zahlen, wenn die Fonds in einem Kinderdepot liegen.
Mehr noch: Die Fondskosten werden bis zum 18. Lebensjahr des Kindes monatlich gutgeschrieben und automatisch reinvestiert. Bei einer monatlichen Einzahlung von 100 Euro würden damit ein paar Cent zusätzlich in den ETF eingezahlt. Dieser Funktion gibt der Neobroker den Namen „Trade Republic Kindergeld“.
Den Kostenvorteil gibt es allerdings nur bei drei Indexfonds des ETF-Anbieters Vanguard, nämlich beim FTSE All World (IE00B3RBWM25), beim Vanguard ESG Global All Cap (IE00BNG8L278) und beim Vanguard LifeStrategy 80 (IE00BMVB5R75). Die Kosten würden von Trade Republic und Vanguard gemeinsam getragen, teilte eine Sprecherin mit. Für alle anderen ETFs werden Verwaltungsgebühren fällig.
Wer bislang über Trade Republic für seine Kinder anlegen wollte, musste das Depot auf seinen eigenen Namen laufen lassen. Steuerlich betrachtet ist das von Nachteil. Jeder Steuerpflichtige hat einen eigenen Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 1000 Euro, auch Kinder. Ein Depot auf den Namen des Kindes hat den Vorteil, dass der Pauschbetrag des Kindes voll genutzt werden kann. Auf der anderen Seite gehört ein Depot im Namen des Kindes rechtlich dem Kind. Mit 18 Jahren bekommt das Kind vollen Zugriff auf das investierte Geld, die Eltern haben dann nichts mehr zu sagen.
Der Markt ist umkämpft
Die Zukunft des Rentensystems sei unsicher, sagt Christian Hecker, Mitgründer von Trade Republic, zur Einführung der Kinderdepots. „Unseren Kindern werden eine marode Altersvorsorge und hohe Staatsschulden hinterlassen.“ Heckers Botschaft: Ohne private Altersvorsorge wird die Rente schmal. Das ist einerseits richtig. Andererseits will Heckers Unternehmen mit den neuen Kinderdepots offensichtlich vom steigenden Interesse an privater Vorsorge profitieren.
In der Branche kursierten schon länger Gerüchte, dass Trade Republic an einem Kinderdepot arbeite. Dass der Neobroker das neue Produkt ausgerechnet jetzt ausrollt, ist kein Zufall: Die Bundesregierung plant laut Koalitionsvertrag die Einführung einer sogenannten Frühstart-Rente. Dahinter steckt die Idee, jedem Kind in Deutschland zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr monatlich zehn Euro für den Vermögensaufbau zu spendieren. Dieses Geld können Eltern etwa in einen ETF-Sparplan investieren. Trade Republic dürfte von der steigenden Nachfrage durch die staatliche Förderung profitieren.
Der Markt für Kinderdepots ist umkämpft. Erst vor wenigen Wochen verkündete Trade Republics Konkurrent Scalable, „in diesem Sommer“ Kinderdepots einzuführen. Ein konkretes Datum ist noch nicht bekannt.
Viele etablierte Banken und Broker haben schon längst Kinderdepots in der Palette. Bei Comdirect, der Direktbank ING oder der Consorsbank etwa können Eltern Depots für ihren Nachwuchs eröffnen. Die Konditionen unterscheiden sich allerdings. So sind etwa je nach Anbieter unterschiedliche und auch unterschiedlich viele ETFs kostenlos besparbar. Teils werden auch für die Depotführung Gebühren fällig. Bei Comdirect etwa kostet das Kinderdepot nach den ersten sechs Monaten 1,95 Euro pro Monat, wenn nicht mindestens einmal pro Quartal ein Sparplan ausgeführt wird.
Bei manchen Anbietern müssen die Eltern selbst Kunden sein, wenn sie für ihre Kinder ein eigenes Depot eröffnen wollen. Bei Scalable etwa müssen laut Homepage alle Erziehungsberechtigten selbst ein Scalable-Depot führen, wenn sie eines für den Nachwuchs einrichten möchten.
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