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Tupperware-AktieHört auf, mit Pleitekandidaten zu zocken

Tupperware steht wohl kurz vor der Insolvenz – schon wieder. Anlegern sollte klar sein: Unternehmen am Abgrund sind keine Anlageziele. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Julia Groth 17.09.2024 - 12:40 Uhr

Die Kultmarke Tupperware steht offenbar vor Insolvenz.

Foto: imago images

Geschichte wiederholt sich. Im Februar vergangenen Jahres meldete Tupperware Insolvenz an. Nachdem sich das Unternehmen mit seinen Geldgebern geeinigt hatte, sagte der damalige Vorstandschef Miguel Fernandez: „Manche haben uns zu früh abgeschrieben.“

Aus heutiger Sicht muss man sagen: Viel zu früh war es jedenfalls nicht. Die Rettungsbemühungen scheinen nicht gefruchtet zu haben. Berichten zufolge steht Tupperware erneut kurz vor der Insolvenz.

Was sich hoffentlich nicht wiederholt: wildes Zocken mit der Tupperware-Aktie. Die avancierte, als die Probleme des US-Plastikdosenherstellers offenkundig wurden, zeitweise zu einem beliebten Spekulationsobjekt. Vergangenes Jahr verzeichnete sie binnen vier Wochen ein Plus von fast 500 Prozent, in Euro gerechnet. Wohlgemerkt: Der Kurssprung fand statt, nachdem das Papier von seinem früheren Rekordhoch bei umgerechnet rund 69 Euro bereits 95 Prozent an Wert verloren hatte. Um das alte Hoch zu erreichen, hätte der Kurs rund 1900 Prozent zulegen müssen.

Nachhaltig war der Kursanstieg – wenig überraschend – nicht. Seit die neuerlichen Zahlungsschwierigkeiten bekannt wurden, ist die Aktie noch weiter abgerutscht. Inzwischen notiert sie bei rund 45 Cent, also auf Pennystock-Niveau. Wer vergangenes Jahr mitgezockt, aber den Absprung nicht geschafft hat, guckt jetzt in die Röhre. Was Anleger noch für die Tupperware-Aktie bekommen können, ist unklar. Sie wurde am Dienstag vom Handel ausgesetzt.

Schief gewickelt

Hinterher ist man immer schlauer. Trotzdem muss gesagt werden: Die Entwicklung bei Tupperware kam wenig überraschend. Manchen Unternehmen gelingt zwar ein Turnaround. Wenn sie aber sowohl unter strukturellen als auch unter hausgemachten Problemen leiden, sogar schon einmal insolvent waren, dann sollten Anleger besser die Finger von ihren Aktien lassen.

Beispiele für gehypte Aktien, an denen sich Anleger die Finger verbrannt haben, gibt es viele. Erinnert sich noch jemand an Windeln.de? Die Aktie des Onlinehändlers für Babybedarf ging zwischenzeitlich durch die Decke. Im Herbst 2022 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Anfang dieses Jahres wurde es in Nakiki umbenannt, der Geschäftszweck nach Übernahme der Legal Finance SE zu Prozessfinanzierung geändert. Die Nakiki-Aktie kletterte kurzzeitig auf mehr als acht Euro. Aktueller Kurs: 56 Cent.

Anleger können sich nicht darüber beschweren, dass die Börse manchmal mit einem Casino verglichen wird, und gleichzeitig Wetten eingehen, deren Gewinnchancen hinter denen eines Blackjack-Automaten zurückbleiben. Zocken kann zwar Spaß machen. Aber doch bitte nicht so.

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