Zentralbanken Wie lange kann das Ponzi-Spiel noch gutgehen?

Die Weltwirtschaft lahmt, die Fed zieht die Zinsen an, während sich China sperrt. Die globale Kredit- und Geldarchitektur funktioniert nicht mehr. Sparer und Investoren sollten vor der Geldentwertung auf der Hut sein.

Das Geldsystem steht unter starker Spannung. Quelle: Fotolia

Die amerikanische Zentralbank (Fed) spielt mit der Idee, die Leitzinsen anzuheben, vielleicht schon in diesem Monat. Die Auswirkungen sind bereits zu spüren. China hat vor wenigen Wochen den Außenwert des Renminbi gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Ein unmissverständliches Zeichen, dass das Reich der Mitte keine steigenden Zinsen will.

Zudem wird Kapital aus den „aufstrebenden Volkswirtschaften“ abgezogen. Die noch vor kurzem hochgelobten Wachstumsmärkte knicken ein, ihre Währungen stürzen ab. Die Kurse auf den weltweiten Aktienmärkten geben nach. Der Eindruck, dass die Weltwirtschaft einen kritischen Punkt erreicht, trügt nicht.

Zur Person

Die globale Kredit- und Geldarchitektur funktioniert nicht mehr. Dazu muss man wissen, dass alle wichtigen Währungen der Welt – ob US-Dollar, chinesischer Renminbi, Euro, japanischer Yen, Britisches Pfund oder Schweizer Franken – nicht einlösbares Papiergeld sind. Sie alle stellen staatlich monopolisiertes Geld dar, das sprichwörtlich „aus dem Nichts“ geschaffen wird. Dieses Geld lässt sich auch als „Fiat-Geld“ bezeichnen (abgeleitet vom lateinisch fiat: „Es werde“) und es ist alles andere als unschuldig und harmlos. Das Fiat-Geldregime verursacht schwerwiegende ökonomische, soziale und politische Probleme.

Die Ausgabe von Fiat-Geld setzt zunächst einen künstlichen Aufschwung („Boom“) in Gang. Der Boom kippt jedoch früher oder später in einen Abschwung („Bust“) um. Rufe werden laut, die Zentralbank solle doch die drohende Rezession mit noch tieferen Zinsen „bekämpfen“. Unter dem öffentlichen Meinungs- und Politikdruck senkt die Zentralbank die Zinsen und weitet das Kredit- und Geldangebot aus. Dadurch mag es zwar das ein oder andere Mal gelingen, einen Bust abzuwenden und in einen neuerlichen Boom umzumünzen. Doch genau wie der Boom zuvor wird auch er früher oder später kollabieren.

Das Anleihenkaufprogramm OMT der Europäischen Zentralbank

Wie lange kann das gutgehen?

Die Zentralbanken, die die Krise bekämpfen, die sie selbst verursacht haben, treiben die Volkswirtschaften in einen Boom-und-Bust-Zyklus. Doch nicht nur das. Das Fiat-Geld führt die Volkswirtschaften auch in die Überschuldung. Der Grund: In der Fiat-Geldwirtschaft reicht die Ertragskraft der kreditfinanzierten Investitionen nicht aus, den Schuldendienst vollumfänglich zu leisten. Die Schuldenlast der Volkswirtschaft schwillt relativ zur Produktionsleistung immer weiter an – vor allem auch, weil sich Konsumenten und besonders die Regierungen immer mehr verschulden – und zwar für unproduktive Ausgaben.

Die beliebtesten Geldanlagen der Deutschen
Platz 6: Unternehmensanleihen6000 von 100.000 Euro würden die Deutschen noch in Unternehmensanleihen stecken, also 6 Prozent. Für die meisten Bundesbürger kommt ein solches Investment nicht infrage: 67 Prozent würden nicht ihr Geld nicht in Firmenanleihen anlegen. Quelle: imago
Mehr als die Hälfte der Befragten können sich die Anlage in Staatsanleihen nicht vorstellen: 60 Prozent lehnen dies laut Umfrage ab. Quelle: dpa
5. Platz: StaatsanleihenZu hohes Risiko: Nur 9 Prozent von 100.000 Euro würden die Deutschen in Staatsanleihen anlegen. Quelle: dpa
Knapp zwei Drittel der Deutschen lehnt dankend ab: 63 Prozent würden kein Geld in Fonds anlegen. Quelle: dpa
Platz 4: FondsFonds als Anlage erwägen nur wenige Deutsche: 10 Prozent von 100.000 Euro würden die Befragten in Fonds stecken. Quelle: dpa
Vielen Bundesbürgern sind Aktien aber zu risikoreich: 48 Prozent der Deutschen schließen die Wertpapiere als Anlage aus. Quelle: dpa
3. Platz: AktienFür Aktien haben viele Deutsche nichts übrig: 14 Prozent von 100.000 Euro würden die Befragten in Wertpapiere investieren. Quelle: dpa

Der Boom, in Gang gesetzt durch das Ausgeben von Fiat-Geld, kann eine ganze Weile gutgehen. Irgendwann jedoch keimen bei den Gläubigern Zweifel auf, ob Schuldner noch in der Lage oder willens sind, ihre Verbindlichkeiten zu bedienen. Dann wird es prekär. Dauerschuldner, deren Kredite fällig werden, suchen verzweifelt nach jemandem, der ihnen neue Kredite gibt. Die Kreditkosten steigen an. Das Kreditkartenhaus gerät ins Wanken.

Genau das ist in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 geschehen. Sie hätte zu Zahlungsausfällen von Staaten, Banken und Unternehmen geführt und die Weltwirtschaft in eine Rezession-Depression gestoßen. Dass es dazu nicht gekommen ist, lag an den Zentralbanken. Sie haben  den Zahlungsausfall verhindert, indem sie die Zinsen gesenkt und die Geldmenge ausgeweitet haben.

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