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Zusatzrente von der Börse Das Geheimnis des langfristigen Aktiensparens

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Die Beispielrechnung

Das vorhandene Guthaben soll bei dieser Beispielrechnung immer voll in Aktien investiert bleiben. Auch in der Rentenphase steckt alles Geld, das noch nicht ausgezahlt worden ist, weiter in Aktien. So bleibt Sparern die Chance - selbst bei Börseneinbrüchen kurz vor Rentenbeginn -, noch von einer Erholung während der Rentenphase zu profitieren. Diese Strategie, allein in Aktien zu investieren, wirkt vermutlich riskant. Doch es geht bei der Berechnung genau darum, zu überprüfen, wir riskant solch ein Vorsorgesparen nur mit Aktien wirklich ist.

Für die Berechnung sind wir von einer 15-jährigen Ansparphase und 25 Jahren Rentenphase ausgegangen. Das würde also zum Beispiel für einen 50-Jährigen passen, der 15 Jahre lang einzahlt, und dann bis zu seinem 90. Lebensjahr eine gleich hohe Rente kassieren möchte. Angesetzt wurden Daten für den deutschen Aktienindex Dax inklusive Dividenden, seit Anfang 1960. Die Kurse von vor 1988 sind dabei mit anderen Kursreihen zurückgerechnet worden. Den Dax gab es damals noch nicht. Die von der Deutschen Börse veröffentlichen Daten für die Zeit vor 1988 unterschätzen laut wissenschaftlichen Studien den Effekt der ausgeschütteten Dividenden. Aus diesem Grund wurde für die Zeit von 1960 bis 1987 eine korrigierte Zeitreihe des Berliner Finanzmarktforschers Professor Richard Stehle verwendet, die diese Schwäche auszugleichen versucht.

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    Durchschnittliche Rendite pro Jahr für 15-jährige monatliche Ratensparpläne auf den Aktienindex Dax mit anschließendem 25-jährigen Entnahmeplan bzw. einer Einmalauszahlung (berechnet als Rendite auf das durchschnittlich gebundene Kapital); Datenbasis: Bloomberg, Professor Richard Stehle; eigene Berechnung

    Natürlich kann es theoretisch passieren, dass das angesparte Geld nicht für Auszahlungen über 25 Jahre reicht. In der Praxis ist dies im betrachteten Zeitraum aber nie passiert. Meist sind nach den 25 Jahren sogar noch hohe Summen übrig geblieben. Für die Berechnung gehen wir davon aus, dass das verbleibende Restguthaben dann nach 25 Jahren ebenfalls voll entnommen wird. Nach dem 1. Oktober 1990 begonnene Auszahlphasen können noch nicht final ausgewertet werden. Die 25 Jahre Rentenphase sind bei einem späteren Start schließlich noch nicht beendet. 190 Spar- und Entnahmepläne über insgesamt 40 Jahre fließen daher in die Berechnung ein.

    Langsamer Ausstieg aus dem Aktienmarkt lohnt

    Wieviel Rendite hätten Sparer also geschafft, wenn sie erst in Raten sparen und dann in gleich hohen Raten Geld aus ihrem Depot entnehmen? Das Ergebnis: 8,5 Prozent Rendite pro Jahr. Spannender als dieser Durchschnitt sind die Extremergebnisse, also Minimum und Maximum. So hätten die Vorsorgesparer im schlechtesten Fall noch 6,3 Prozent Rendite auf ihr durchschnittlich gebundenes Kapital geschafft; das beste Ergebnis hätte bei 9,9 Prozent pro Jahr gelegen. Die relativ enge Spanne zwischen dem schlechtesten und dem besten Fall zeigt: Durch den Ausstieg aus dem Aktienmarkt in Raten senken Vorsorgesparer ihr Risiko sehr stark. Zum Vergleich: Ein gleich langer Ratensparplan mit anschließender Einmalauszahlung hätte sehr viel höhere Schwankungen gebracht. Hier wären Sparer auf ihr deutlich kürzer gebundenes Kapital im Schnitt auf 7,6 Prozent Rendite gekommen. Im schlechtesten Fall hätten sie aber 0,3 Prozent pro Jahr verloren.

    Geldanlage



    Die Grafik zeigt, dass der schrittweise Ausstieg die Ergebnisse stark glättet. Die angegebenen Daten beziehen sich jeweils auf den Beginn der Sparphase. Für alle seit 1965 begonnenen Sparpläne (Rentenphase von 1980 an) liegt die jährliche Rendite zum Schluss über acht Prozent pro Jahr; im Durchschnitt hätten alle zwischen 1965 und 1. Oktober 1990 in irgendeinem Monat eingestiegenen Sparer zum Schluss sogar 9,1 Prozent Jahresrendite geschafft. Für die vorher, zwischen 1960 und 65, begonnenen Spar- und Entnahmepläne steigen die Renditen kontinuierlich an, ausgehend von sechs Prozent pro Jahr.

    Natürlich lassen sich diese Ergebnisse nicht unbedingt in die Zukunft fortschreiben. Sie zeigen aber doch eindrucksvoll, dass Vorsorgesparer einen großen Fehler machen, wenn sie Aktien für die Altersvorsorge leichtfertig für zu riskant halten. Nur schaffen es solche Zahlen eben nicht in Tagesschau & Co., anders als die kurz- und mittelfristigen Schwankungen der Aktienmärkte.

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