Aktionäre stimmen zu: Jetzt hat Vonovia bei der Deutschen Wohnen komplett das Sagen
Wohnungen von Vonovia sind in Dortmund zu sehen.
Foto: imago imagesVonovia zementiert seine Position als größter Wohnungskonzern Deutschlands. Die Bochumer dürfen den Konkurrenten Deutsche Wohnen (DW) enger an sich binden. Das haben die Aktionäre beider Unternehmen in zwei außerordentlichen Hauptversammlungen entschieden: An diesem Freitag stimmten die Vonovia-Anteilseigner dem zu, tags zuvor die der DW.
Konkret ging es um einen sogenannten Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag. Dabei stellt sich ein Unternehmen unter die Leitung eines anderen Unternehmens und führt seinen gesamten Jahresüberschuss an dieses ab. Diesen Plan hatte Vonovia bereits im September angekündigt, unter anderem um Kosten einzusparen.
Dass die Aktionäre der DW dem zustimmen würden, galt als Formsache. Seit der Übernahme einer Unternehmensmehrheit im Jahr 2021 hält Vonovia bereits 87 Prozent der DW-Anteile. Die Zustimmungsquote lag bei 98,83 Prozent. Auch eine große Mehrheit von 99,97 Prozent der Vonovia-Aktionäre stimmte dem zu, wie die Bochumer am Freitagabend in einer Pressemitteilung bekanntgaben. Allerdings haben hier nur 67,64 der berechtigten Aktionäre beteiligt.
Vonovia bringt der Deal Vorteile
Nun geht es in die zweite Runde: Die Aktionäre müssen in spätestens zwei Monaten, wenn der Vertrag im Handelsregister eingetragen worden ist, entscheiden, in welcher Form sie das von Vonovia offerierte Abfindungsangebot annehmen wollen. Zur Wahl steht eine garantierte und feste Ausgleichszahlung von 1,22 Euro je DW-Aktie pro vollendetem Geschäftsjahr oder ein Umtausch der DW-Anteilsscheine in solche von Vonovia. Hier bekämen Aktionäre für jede DW-Aktie 0,7947 Vonovia-Aktien.
Die Frist von zwei Monaten könnte sich verlängern, wenn es zu einem sogenannten Spruchverfahren kommt. Hierbei wird geprüft, ob die Höhe der Ausgleichszahlung fair ist. Bei der Abfindung bezieht sich Vonovia auf den gewichteten Durchschnittskurs der DW-Aktie in den letzten drei Monaten vor Ankündigung des Beherrschungsvertrages – eine durchaus gängige Praxis.
Im Vorfeld hatten einige Aktionärsschützer jedoch den Nettovermögenswert als fairen Maßstab für die Preissetzung ausgesprochen. Dieser bildet den Verkehrswert der Immobilien abzüglich Schulden ab und belief sich bei der Deutschen Wohnen zuletzt auf 41,84 Euro. Die Aktie notiert mit deutlichem Abschlag, zuletzt bei 22,55 Euro.
Vonovia kommt günstig weg
Branchenbeobachter halten den Deal daher aus Vonovia-Sicht für äußerst günstig. Vonovia kommt quasi zu einem Schnäppchenpreis an die neuen Anteile. Zum Vergleich: Als Vonovia 2021 den Großteil der DW-Aktien schluckte, musste das Unternehmen 52 Euro pro Aktie plus eine jährliche Sonderdividende bieten. Insgesamt kostete gut 19 Milliarden Euro.
Laut Experten hat der Deal für Vonovia vor allem einen Vorteil, nämlich bei der Finanzierung. Im Verhältnis zum Immobilienwert weist DW einen deutlich geringeren Verschuldungsgrad auf als Vonovia. In Zukunft könnte Vonovia Refinanzierungen über die DW abwickeln. Das wird für Vonovia strategisch wichtig. Vorstandschef Rolf Buch hatte bereit angekündigt, demnächst wieder Wohnungen kaufen zu wollen.
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