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Brexit Preissprung bei Frankfurts Wohnungen befürchtet

Seit 2004 haben sich die Kaufpreise für Wohnungen in Frankfurt verdoppelt. Durch den Brexit könnte es zu einem weiteren Preissprung kommen.

Brexit: Preissprung bei Frankfurts Wohnungen befürchtet Quelle: dpa

FrankfurtDer erwartete Ansturm von bis 10.000 Brexit-Bankern könnte die ohnehin angespannte Lage auf dem Frankfurter Markt für Eigentumswohnungen weiter verschärfen. Immobilien sind im Vergleich zu London oft günstiger und damit für viele aus der Finanzbranche erschwinglicher.

Die Angebots-Kaufpreise für Eigentumswohnungen hatten sich bereits im zweiten Halbjahr 2017 um 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöht, zeigt eine Erhebung des Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle Inc. Im Vergleich zu 2004 liegt das Plus sogar bei 99 Prozent.

„Jeder zusätzliche Zuzug, und selbst wenn es nur einige tausend Mitarbeiter der Banken sind, wird die Kaufpreise in Frankfurt weiter antreiben“, sagt Julius Stinauer, Associate Director Valuation & Transaction Advisory bei JLL, in einem Interview mit Bloomberg. „Londoner Banker sind hohe Preise gewöhnt. Frankfurt ist im Vergleich preiswert und Wohnungsangebote sind knapp. Daher könnte der Brexit zu einer Verlängerung der Aufschwungphase und zu einer Verstärkung des Preisanstiegs führen.“

Ähnlich äußert sich auch David Schmitt, geschäftsführender Gesellschafter des Maklers Engel & Völkers in Frankfurt. „Wir beobachten ein gestiegenes Interesse aus London“, erklärt er. „Traditionsgemäß ist die Mehrheit der Käufer in Frankfurt in der Finanzbranche tätig, da viele internationale Banken, Versicherungen und deren Dienstleister ihren Sitz hier haben.“

Laut JLL lag der durchschnittliche Angebots-Kaufpreis für Eigentumswohnungen in Frankfurt im zweiten Halbjahr 2017 bei 4830 Euro je Quadratmeter. Im Premium-Segment ermittelten die Kollegen von Engel & Völkers für das Gesamtjahr 2017 einen durchschnittlichen Einstiegspreis von 7500 Euro pro Quadratmeter.

Der Immobilien-Dienstleister Colliers International Group Inc. wiederum nennt für eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern in der City of London für 2017 einen Durchschnitts-Verkaufspreis von umgerechnet rund 11.952 Euro je Quadratmeter. Anders als in Frankfurt sind die Preise hier gesunken, und zwar um 2,6 Prozent gegenüber 2016. Auch wenn die Daten aus den beiden Städten nicht direkt miteinander vergleichbar sind, so vermitteln sie doch einen Gesamteindruck von der Lage am Markt.

Die teuerste Wohnimmobilie, die Engel & Völkers 2017 in Frankfurt verkaufte, war eine Villa im Diplomatenviertel für 6,2 Millionen Euro. Dahinter folgten ein Haus im Holzhausenviertel für 5,5 Millionen Euro, zwei Villen in Sachsenhausen für 4,1 Millionen Euro und 4 Millionen Euro sowie ein Neubau-Penthouse im Holzhausenviertel für rund 3,7 Millionen Euro.

JLL führt die zuletzt stark gestiegenen Preise in Frankfurt, auch wenn sie immer noch unter denen von London liegen, auf ein zu geringes Neubauangebot und eine hohe Nachfrage in Folge des Bevölkerungswachstums zurück.

So seien 2016 in Frankfurt insgesamt 3670 Wohnungen neu gebaut worden, während JLL den Bedarf auf 10.000 Wohnungen pro Jahr schätze. „Eine ausreichende Bautätigkeit ist nicht möglich, da Bauland in Frankfurt knapp und teuer ist“, sagt Stinauer. Bei der Anzahl der Einwohner habe es zwischen 2011 und 2016 einen Anstieg von 9,4 Prozent gegeben, während der Wohnungsbestand nur um 3,9 Prozent zugenommen habe.

Frankfurt Main Finance – eine Initiative, die sich für den Standort Frankfurt einsetzt – erwartet durch den Brexit unter bestimmten Voraussetzungen die Verlagerung von potenziell rund 10.000 Arbeitsplätzen von London nach Frankfurt. Viele Banken hatten angekündigt, Geschäftsaktivtäten verlagern zu wollen, darunter auch die Deutsche Bank AG.

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