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Immobilien Zwangsversteigerungen werden weniger

In Deutschland kommen immer weniger Immobilien unter den Hammer. Wer im Ballungszentrum auf ein leichtes Schnäppchen hofft, wird oft enttäuscht - Gerichte erleben häufig einen regelrechten Ansturm von Interessenten.

So bringen Sie Immobilien schneller an den Mann
Umziehen ist Trend! Das zumindest behauptet die Plattform Moovin, die sich auf die Vermietung von Immobilien spezialisiert hat. So will in den nächsten zwei Jahren jeder dritte Deutsche seine Wohnung wechseln, trotz angespanntem Wohnungsmarkt und steigenden Mietspiegeln. „Begünstigt wird dies auch aktuell durch die neue Gesetzeslage zum Bestellerprinzip. Doch obwohl alle Zeichen günstig stehen, beklagen viele Vermieter zu lange Leerstände und damit verbundene Mietausfälle“, heißt es in einer Pressemittelung des Anbieters. Der Immobilien-Experte und Moovin-Gründer Fabian Mellin zeigt, wie Vermieter die finanzielle Belastung möglichst gering halten können. Quelle: Getty Images
„Wer schon einmal ein Inserat erstellt hat, weiß, wie viel Zeit in der Aufbereitung steckt“, erklärt Fabian Mellin. Als Visitenkarte von Vermieter und Immobilie ist das Inserat der klassische Erstkontakt und sollte daher mit Liebe zum Detail glänzen. Unbedingt vermieden werden sollten spezifische Fachausdrücke und eine schwer verständliche Ausdrucksweise. Und um ein realistisches Bild über die Immobilie zu vermitteln, sollten alle wirklich relevanten Informationen so umfassend wie möglich sein. Mellin: „Angaben über Größe, Lage, Adresse, Mietpreis, Ausstattung und Zustand der Immobilien sind hier das Mindestmaß. Realistische Beschreibungen über die unmittelbare Umgebung, Straßenbild oder Zusammensetzung der Nachbarschaft punkten zusätzlich.“ Quelle: Getty Images
Der Experte weist auch darauf hin - eigentlich ja eine Selbstverständlichkeit –, dass ansprechende und vor allem repräsentative Fotos keinen Fall fehlen. Damit die auch gelingen, hat Fabian Mellin noch einen Tipp parat: „Achten Sie bei Innenaufnahmen auf die Lichtverhältnisse in den Räume: Lichtdurchflutete Objekte wirken an sonnigen Tagen wesentlich einladender als an dunklen Wintertagen. Fehlt es an notwendigem Fotoequipment oder Erfahrung, lohnt sich die Investition in einen professionellen Fotografen, der die besten Blickwinkel und Schokoladenseiten der Immobilie mit geschultem Blick erkennt.“ Quelle: Getty Images
Die Wahl des neuen Mieters bereitet vielen Vermietern Bauchschmerzen. Zwar geben die obligatorischen Selbstauskünfte über Schufa, Gehalt und Familienstand ein erstes Bild, aber sollten dennoch nicht als entscheidendes Indiz für eine Zu- oder Absage gewertet werden, rät der Experte. Fabian Mellin: „Ein persönliches Gespräch oder ein weitergehender Fragebogen können viel Aufschluss über Persönlichkeit und Lebensweise der Interessenten geben.“ Doch auch hier ist Vorsicht geboten... Quelle: Getty Images
Rein rechtlich nach §242 BGB erlaubt sind nämlich nur Fragen zur Mietsituation, zum Beispiel warum nach einer neuen Wohnung gesucht wird, über die Häufigkeit der Umzüge, zur aktuellen Arbeitsstelle oder finanziellen Einkünften. Die müssen vom Mieter auch wahrheitsgemäß beantwortet werden. Auf jeden Fall sollten keine Fragen gestellt werden, die zu sehr in die Privatsphäre eingreifen. Mellin: „Dies betrifft unter anderem Angaben über Familienplanung, mögliche Vorstrafen, Mitgliedschaft in Parteien oder sogar über das Rauchen.“ Quelle: Getty Images
Im Schnitt dauert die Besichtigung einer Wohnung knapp zehn Minuten, um alle Räumlichkeiten durchzugehen und noch offene Fragen zu klären. Dafür sollte der Termin gut vorbereitet und strukturiert sein: Welche Fragen können sich seitens der Interessenten ergeben? Welche Informationen fehlen noch für eine vollständige Selbstauskunft? Gibt es zukünftige Entwicklungen an der Immobilie, die dringend geklärt werden müssen? Quelle: Getty Images
Wovon der Experte absolut abrät, sind Massenbesichtigungen! Die sind nicht nur für alle potentielle Mieter der Horror, sondern unter dem Strich auch noch ineffizient. Zielführender sind aufgeteilte Besichtigungen. „Bereits innerhalb einer Stunde sind fünf bis sechs Besichtigungen realistisch. Als Zeitfenster unter der Woche eigenen sich besonders die frühen Abendstunden zwischen 17 Uhr und 19 Uhr oder am späten Samstagvormittag“, erklärt Fabian Mellin. „Legen Sie die Termine unbedingt auf Zeiten, in denen sich die Wohnung, aber auch die Umgebung realistisch präsentieren, zum Beispiel wenn Cafés und Restaurants als Highlight angepriesen werden, sollten diese bei der Besichtigung auch geöffnet haben.“ Quelle: dpa

Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Immobilien ist in Deutschland im ersten Halbjahr 2016 weiter gesunken. Insgesamt seien zwischen Januar und Juni rund 17.000 Gerichtstermine angesetzt worden, 3500 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, teilte der Fachverlag Argetra aus Ratingen bei Düsseldorf mit. Dabei seien Immobilien im Wert von 2,69 Milliarden Euro aufgerufen worden. Im Vorjahreszeitraum hatte diese Zahl noch bei 3,37 Milliarden Euro gelegen.

Auch für das Gesamtjahr 2016 erwarten die Experten weniger Zwangsversteigerungen als im Vorjahr. Eine Umkehr des Trends sei auch im laufenden Jahr nicht in Sicht, sagte Argetra-Geschäftsführer Axel Mohr. Der Fachverlag wertet für seine Untersuchung die Zwangsversteigerungstermine bei rund 500 Amtsgerichten aus.

Negativer Spitzenreiter bei den Zwangsversteigerungen im ersten Halbjahr sei Sachsen-Anhalt gewesen mit 81 Fällen pro 100.000 Haushalte. Mit nur 10 Fällen bezogen auf 100.000 Haushalte sei der Wert dagegen in Hamburg am geringsten gewesen. Bezogen auf die absolute Zahl der Zwangsversteigerungen lag dagegen Nordrhein-Westfalen mit 4343 Fällen vorn.

Hintergrund der Zwangsversteigerungen seien oft private Notlagen etwa durch Scheidungen oder den Verlust des Jobs, sagte Mohr. Sollten die derzeit niedrigen Zinsen wieder ansteigen, sei auch wieder mit einer Zunahme der Zwangsversteigerungen zu rechnen.

Mythen und Irrtümer der Immobilienfinanzierung
Kreditvertrag und Hausmodell Quelle: dpa
Ein Paar mit Makler (Symbolbild)
Sparkasse Quelle: dpa
500-Euro-Scheine Quelle: dpa
Handwerker Quelle: dpa
Jemand schnallt seinen Gürtel enger
Schild Zu verkaufen Quelle: dpa

In mehr als zwei von drei Fällen (70 Prozent) seien Eigentumswohnungen oder Ein- und Zweifamilienhäuser unter den Hammer gekommen. In den großen Ballungszentren sei der Andrang von Interessenten bei Versteigerungen bisweilen so groß, dass der Termin auf den Gerichtsflur übertragen werden müsse. Bei Versteigerungen in eher ländlichen Regionen herrsche dagegen manchmal gähnende Leere.

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