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WiWo-Top-Kanzleien Die besten Anwälte für Bank-, Finanz- und Kapitalmarktrecht

Nachhaltiges Risiko: Banken, die Kohlekraftwerke (wie hier im Ruhrgebiet) finanzieren, riskieren ihren guten Ruf. Quelle: imago images

Regierungen und Regulierer machen Druck: Banken und Investmenthäuser sollen endlich grüner werden. Die strengen Vorgaben werfen knifflige rechtliche Fragen auf – und bescheren den Top-Experten für Finanzrecht Zulauf.

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Der Titel zeigt, wohin die Reise geht: „Shifting the trillions“ lautete die Überschrift des Abschlussberichts, den der Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung im Frühjahr präsentierte. Damit wurde klar, auf wem die Hoffnungen im Kampf ums Klima ruhen: Banken, Vermögensverwalter und Versicherungen sollen die Billionen von Anlegern und Sparern in grüne Kanäle schieben.

Die EU tickt ähnlich und hat bereits 2018 den „Aktionsplan nachhaltige Finanzen“ auf den Weg gebracht. Ihm folgt derzeit ein wahrer Reigen neuer Vorgaben: Banken sollen intensiver prüfen, ob bei Kreditvergaben Nachhaltigkeitsrisiken bestehen. Fondsanbieter müssen genauer erklären, wohin das Geld der Anleger fließt. Und sie alle werden verpflichtet, streng zwischen grünen und schmutzigen Geschäften zu unterscheiden.

Der Haken an der Sache: Die neuen Regelwerke sind oft kleinteilig und schwammig. Die staatlich befeuerte grüne Transformation der Finanzwirtschaft ist deshalb zugleich ein Konjunkturprogramm für Kanzleien und Berater. Denn ohne fundierten Rat ist es schlicht unmöglich, die neuen Anforderungen zu erfüllen.

Vorsicht, Kreditprüfung!

Aber auf welche Juristen können Entscheider bei der grünen Transformation bauen? Um das herauszufinden, hat die WirtschaftsWoche in Kooperation mit dem Handelsblatt Research Institut (HRI) Deutschlands Top-Juristen für Bank- und Finanzrecht sowie für Kapitalmarktrecht ausgewählt (siehe Tabellen Seite 3 und 4).

Zu den Ausgewählten gehört Bettina Steinhauer, Partnerin der Wirtschaftskanzlei Clifford Chance in Frankfurt. Sie beobachtet die Neuregelungen: „Die EU hat umfassende Vorgaben auf den Weg gebracht, die die Berichtspflichten für Banken, Vermögensverwalter und börsennotierte Unternehmen erheblich verschärfen.“ Sie müssten künftig detailliert Rechenschaft darüber ablegen, ob sie an Geschäften beteiligt sind, die nicht als nachhaltig gelten. Banken müssen daher unter anderem offenlegen, in welchem Umfang sie Kredite an Klimasünder vergeben und vermutlich die „Green Asset Ratio“ veröffentlichen. Das ist vereinfacht gesagt der Anteil der grünen Finanzierungen und Investitionen.

Wer Betreiber von Kohlekraftwerken oder Zementhersteller alimentiert, riskiert den Ruf. „Die neuen Regeln führen zu einer umfassenden Kapitalverschiebung hin zu nachhaltigen Unternehmen beziehungsweise Projekten“, sagt Steinhauer. Schon jetzt würden Banken genauer hinsehen, auch im Hinblick auf Kreditausfallrisiken – zum Beispiel, bei Automobilzulieferern, die stark vom Verbrennungsmotor abhängig sind.

Die besten Anwälte für Bank- und Finanzrecht
Die besten Anwälte für Kapitalmarktrecht

Das zeigt: Auch wenn wesentliche Teile der neuen Vorgaben erst 2022 in Kraft treten, reagieren Banken schon jetzt. Das liegt auch daran, dass die Finanzaufsicht klare Erwartungen formuliert hat: Bereits Ende 2019 rief die BaFin Geldhäuser auf, Nachhaltigkeitsrisiken bei Kreditvergaben stärker zu berücksichtigen.

Das betrifft neben Klimasündern aus der Wirtschaft auch Immobilienkäufer. Denn laut BaFin sollen Banken genau analysieren, ob am jeweiligen Standort im Zuge des Klimawandels Überflutungen, Stürme oder Waldbrände drohen. Auch auf die Energieeffizienz von Häusern und Wohnungen sollen Kreditprüfer achten.

Doch wann genau sind Immobilien und Unternehmen nachhaltig? Das definiert die EU im Rahmen einer Klassifizierung, die sie Taxonomie getauft hat. In Teilen ist sie bereits ausformuliert, derzeit folgen weitere Definitionen. Ganz aktuell geht es zum Beispiel um die technischen Voraussetzungen für grüne Immobilien.

Zweifelsfälle sind häufig. Beispiel Atomkraft: Was für manche ein unkalkulierbares Umweltrisiko ist, stufen andere als klimaschonende, da CO2-arme Technologie ein. In welche Richtung das Pendel ausschlägt und was am Ende in der Taxonomie steht, ist noch unklar.

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