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WiWo-Top-Steuerberater Die besten Steuerberater für kleine und große Unternehmen

Einwandfrei: Der Fiskus dürfte klimafreundliche Investitionen – hier werden Solarmodule geprüft – weiter fördern. Quelle: dpa Picture-Alliance

Schon jetzt ist absehbar: Die nächste Regierung wird Steuerschlupflöcher schließen und bestimmte Investitionen fördern, etwa für den Klimaschutz. Was Unternehmen erwartet – und auf wessen Rat sie bauen können.

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Viele Allgemeinplätze, wenig Details – das ist parteiübergreifend ein Merkmal von Wahlprogrammen. Doch zumindest im Bereich Unternehmenssteuern sind einige Vorschläge erstaunlich konkret. So will die SPD den Betriebsausgabenabzug für Managergehälter auf „das 15-Fache des Durchschnittseinkommens“ im Betrieb deckeln. Die Grünen fordern Abschreibungen von „mindestens 25 Prozent“ im ersten Jahr. Die Union bekennt sich undeutlicher zu „deutlich“ höheren Verlustrückträgen.

Damit ist schon jetzt klar: Egal, welche Parteien am Ende koalieren – die nächste Bundesregierung wird keine große Unternehmenssteuerreform auf den Weg bringen, wohl aber an zahlreichen Stellschrauben drehen. Zugleich wirft die geplante globale Mindeststeuer ihre Schatten voraus, die für weiteren steuerlichen Anpassungsbedarf in Deutschland sorgen dürfte.

Entscheider in Konzernen, mittelständischen Unternehmen und Start-ups treibt deshalb die Frage um, was sie erwartet – und auf wen sie bauen können, um sich für die Neuerungen zu wappnen. Das Handelsblatt Research Institute (HRI) hat im Auftrag der WirtschaftsWoche die renommiertesten Steuerberater für große und kleine Unternehmen ausgewählt. Ermittelt wurden auch die Top-Berater für den Ernstfall einer Betriebsprüfung, also einer Kontrolle des Finanzamtes im Unternehmen (siehe Tabellen Seite 2 bis 4).

Jury und Methodik

Vereint gegen Steuertrickser

Zwei Trends zeichnen sich in fast allen Wahlprogrammen ab: Die Parteien wollen Investitionen in klimafreundliche und digitale Technologien fördern – und im Gegenzug Steuerschlupflöcher schließen, um das nötige Geld dafür einzunehmen. Der fiskalische Spagat dürfte insbesondere größere Unternehmen treffen. So plädieren SPD und Grüne dafür, die Anzeigepflicht für Steuergestaltungsmodelle auszuweiten. Aber auch die FDP stört sich an aggressiver Steueroptimierung: Die Liberalen wollen Tax-Deals verbieten, bei denen Konzerne mit ausländischen Steuerbehörden Privilegien aushandeln.

Zudem dürfte der Fiskus nach Corona die Zügel bei Betriebsprüfungen wieder anziehen. „In der Krise haben viele Finanzämter Augenmaß bewiesen und weniger geprüft – gerade in gebeutelten Branchen wie Gastronomie oder Hotellerie“, sagt Fritz Esterer, Vorstandschef der Steuerberatungsgesellschaft WTS in München. Nach der Pandemie dürfte nicht nur mehr, sondern auch anders geprüft werden. „Die Finanzverwaltung will und muss effektiver werden“, so Esterer.

Die renommiertesten Kanzleien und Experten für kleine und mittelständische Unternehmen

Betriebsprüfer dürften sich verstärkt auf Bereiche mit hohen Steuerausfallrisiken konzentrieren. Dazu gehören etwa konzerninterne Verrechnungspreise, weil sie ein beliebtes Vehikel sind, um Gewinne in Niedrigsteuerländer zu verlagern – etwa, indem Unternehmen einer Tochter im Ausland überhöhte Preise für deren interne Dienstleistungen zahlen.

Bargeldphobie beim Fiskus

Für Unternehmen muss der „risikoorientierte Ansatz“ der Finanzverwaltung kein Nachteil sein, betont Esterer: „Wer neuralgische Punkte offen anspricht und Prüfern gut aufbereitete Daten für deren digitale Analysetools bereitstellt, kann davon profitieren.“ So bestehe die Chance, Betriebsprüfungen erheblich zu beschleunigen und damit früh für Rechtssicherheit zu sorgen.

Zudem sinke das Risiko, dass Finanzbeamte Fehler als versuchte Steuerhinterziehung einstufen. „Nach meinem Eindruck verhalten sich Prüfer immer öfter kooperativ, wenn sie merken, dass Unternehmensverantwortliche mit offenen Karten spielen“, sagt Esterer.

Das heißt aber nicht, dass es billiger wird. „Der risikoorientierte Ansatz wird in vielen Fällen zu Mehrsteuern führen“, prognostiziert der Steuerexperte. Besonders ins Visier dürften Unternehmen geraten, die regelmäßig Bargeld kassieren – vom Bäcker bis zum Taxibetrieb. Viele Finanzbeamte argwöhnen, dass solche Unternehmer hohe Cash-Beträge nicht verbuchen, sondern an der Steuer vorbeischleusen.

Kassen stehen deshalb unter besonderer Beobachtung. Steuerprüfer würden akribisch Kassendaten auslesen und detailliert analysieren, sagt Ferdinand Rüchardt, Vorstand der Steuerberatungsgesellschaft Ecovis: „Bei manuellen Kassen prüfen sie, ob täglich Kassenberichte erstellt wurden.“

Die renommiertesten Kanzleien und Experten für Betriebsprüfung

Zu den weiteren Top-Themen bei Betriebsprüfungen gehöre derzeit die private Nutzung von Dienst- und Firmenwagen, sagt Rüchardt. Und Finanzbeamte belassen es keineswegs dabei, Fahrtenbücher zu untersuchen: Ungemach droht auch, wenn Arbeitnehmer ihre Fahrten nicht einzeln aufzeichnen, sondern pauschal ein Prozent des Listenpreises im Monat als geldwerten Vorteil versteuern. „Betriebsprüfer analysieren sehr genau, ob der angegebene Listenpreis korrekt ist“, berichtet Rüchardt. So würden sie inzwischen über eine Fahrzeugidentifizierungsnummer abfragen, mit welchen Extras die Fahrzeuge ausgestattet seien. Mit Ledersitzen, Infotainment-Systemen oder Multifunktionslenkrädern steigt der Listenpreis schnell um mehrere Tausend Euro – und mit ihm die einprozentige Steuerpauschale.

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