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Altersvorsorge Die Lebensversicherungen in der Finanzkrise

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Die Kellerkinder des Ratings könnten im kommenden Jahr womöglich finanzielle Probleme bekommen, falls die Erträge nicht mehr die laufenden Auszahlungen decken. „Für eine Handvoll von ihnen dürfte es eng werden“, befürchtet Finsinger. Was für Kunden nicht automatisch ein Desaster bedeutet: Zum einen könnten klamme Unternehmen bei einem anderen Anbieter unterschlüpfen, zum anderen unterhält die Branche die Protektor AG – eine Art Auffanggesellschaft für Pleitekandidaten. Ende des Jahres wird Protektor rund 500 Millionen Euro Kapital in der Kasse haben. Bis die von Versicherern aufgebraucht sind, muss schon viel passieren, denn auch dort gilt: Anders als bei der Einlagensicherung der Banken müssen im Ernstfall nicht alle Kunden gleichzeitig ausgezahlt werden, sondern nur dann, wenn ihre Verträge auslaufen.

Nicht sexy, aber sicher. Für Lebensversicherer gilt schon von Gesetzes wegen nur ein Mantra: konservativ anlegen. So darf ihre Aktienquote übers gesamte Kapital bei maximal 35 Prozent liegen, bestimmte Produkte sind ihnen komplett verwehrt. Kredite – anders als der gestürzte US-Versicherungsriese AIG – dürfen sie nicht vergeben, tückische Währungsgeschäfte sind ausgeschlossen. Die LVM aus Münster, bester Anbieter im Finsinger-Rating, nutzt selbst die gesetzlichen Spielräume nicht komplett. „Unsere Aktienquote liegt bei nur 2,4 Prozent und unsere Anlagen sind breit gestreut“, sagt LVM-Vorstandschef Robert Baresel. „Das zahlt sich jetzt aus, denn die Zeiten, in denen es zum Beispiel sieben Prozent Zinsen für sichere Staatsanleihen gab, mit denen wir Verluste aus Aktien ausgleichen könnten, sind lange vorbei.“

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In Private Equity etwa steckt der Konzern nur 1,6 Prozent seines Kapitals, obwohl ihm gesetzlich mehr erlaubt wäre. Baresel ist das – anders als vielen Branchenkollegen – zu heikel.

Börsennotierten Versicherungen wie Allianz, Axa oder AMB-Generali sitzen neben erwartungsvollen Kunden auch noch Aktionäre im Nacken. Das unterscheidet sie von Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit (VvaGs), wie beispiels-weise Rating-Sieger LVM – gegründet 1896 – oder der R+V Versicherung, die genossenschaftlich funktionieren. Die Aktiengesellschaften sind Diener zweier Herren. Der Drang, durch attraktive Renditen mehr Kunden anzulocken und Aktionären so auf jeden Fall Wachstum zu zeigen, fördert die Lust am Risiko. So fuhren einige in der Finanzkrise zu spät ihre Aktienquote herunter – viele schlicht durch Kursverluste. Die Aktienquote der Allianz (im Ranking Platz acht) fiel von gut 16 Prozent im September auf aktuell 10 Prozent, die der AMB-Generali (Platz 53) von 8,6 Prozent auf 5,0.

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    Wie sicher die Gesellschaften aufgestellt sind, lässt sich die Versicherungsaufsicht jährlich in einem Stresstest vorrechnen. Intern gleichen die Unternehmen ihre Besitzstände vierteljährlich mit den staatlichen Vorgaben ab. Die vier Szenarien galten vielen viele Jahre als utopisch. Jetzt bilden sie haarscharf die Realität ab: Seien es die Einzelvarianten, dass festverzinsliche Papiere um 10 Prozent fallen oder Aktien um 35 Prozent. Oder die kombinierten Erwartungen, nach denen Aktien um 20 Prozent und zeitgleich Festverzinsliche um fünf Prozent sinken beziehungsweise – letzte Variante – Aktien um 20 Prozent und Immobilien zeitgleich um zehn Prozent.

    Im letzten Test musste ein Anbieter nachbessern, der nächste Check für alle steht lauf Versicherungsaufsicht im April 2009 auf Basis der Zahlen für 2008 an. Das wird ein denkwürdiger Tag für die gesamte Branche: Fällt nur einer, steht die Reputation aller auf dem Spiel. In den Hinterzimmern werden die Herren Vorstände alles daransetzen, das zu verhindern.

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