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Konjunktur Deutsche Industrie verzeichnet größtes Auftragsplus seit zehn Monaten

Die Firmen haben im Juni etwa vier Prozent mehr Bestellungen als im Mai erhalten. Ökonomen hatten mit einem schwächeren Anstieg gerechnet.

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Die deutsche Industrie hat im Juni deutlich mehr Bestellungen erhalten als im Mai. Quelle: dpa

Die deutsche Industrie hat im Juni wegen der starken Binnennachfrage das größte Auftragsplus seit zehn Monaten geschafft. Die Unternehmen sammelten 4,1 Prozent mehr Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte. Das ist der größte Zuwachs seit August 2020.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen nicht einmal halb so kräftigen Anstieg von 1,9 Prozent erwartet, nachdem die Aufträge im Mai noch um 3,2 Prozent gefallen waren und damit so stark wie seit über einem Jahr nicht mehr. „Insgesamt setzen die Auftragseingänge damit ihren seit Jahresanfang bestehenden Aufwärtstrend nach kurzer Unterbrechung im Mai weiter fort“, so das Ministerium.

In diesem Tempo dürfte sich der Aufschwung allerdings kaum fortsetzen, sagen Experten voraus. „Die chinesische Administration drückt auf die Kreditbremse, und auch in den USA ebbt der Nach-Corona-Boom ab“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. „Die Aufträge werden deshalb in den kommenden Monaten weniger stark sprudeln.“

Hinzu kommen akute Engpässe bei wichtigen Vorprodukten wie Mikrochips. „Der Auftragsbestand ist zwar hoch, kann aber wegen anhaltender Lieferengpässe bei Vorprodukten und Materialien nicht zügig abgearbeitet werden“, sagte der Ökonom des Bankhauses Lampe, Bastian Hepperle. „So nimmt die Produktion nicht mehr Fahrt auf.“ So klagen etwa die deutschen Autobauer und ihre Zulieferer über den größten Materialmangel seit 30 Jahren, wie das Ifo-Institut bei seiner Firmenumfrage herausfand.

Die Aufträge aus dem Inland stiegen diesmal um 9,6 Prozent zum Vormonat, wozu besonders die gute Nachfrage in den Bereichen EDV und Optik sowie sonstiger Fahrzeugbau beitrugen. „Auch in den gewichtigen Bereichen Kfz und Maschinenbau stiegen die Auftragseingänge“, so das Ministerium.

Wirtschaft auf Wachstumskurs

Das Auslandsgeschäft legte dagegen nur um 0,4 Prozent zu. Dabei wuchsen die Bestellungen aus der Euro-Zone um 1,3 Prozent, während die aus dem restlichen Ausland leicht nachgaben. Gemessen am Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie, liegen die Aufträge nun um 11,2 Prozent höher. Verglichen mit dem deutlich von der Pandemie beeinträchtigten Vorjahresmonat Juni 2020 zogen sie um 26,2 Prozent an.

Trotz Lieferengpässen und der Coronakrise ist die deutsche Wirtschaft mittlerweile wieder auf Wachstumskurs. Mit dem Ende des Lockdowns stieg das Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr um 1,5 Prozent zum Vorquartal, nachdem es zu Jahresbeginn noch um 2,1 Prozent gesunken war. Bereits im Sommer könnte die Wirtschaft wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen.

Mehr: Geplante Verlängerung der Überbrückungshilfen sorgt für Unmut bei Ökonomen

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