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Afrikaner wollen durchstarten Nigeria steht unter Strom

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Last der Korruption

Heißes Thema für Investoren - Roland-Berger-Berater Christian Wessels ist seit acht Jahren in Nigeria Quelle: Akintunde Akinleye

Ähnlich abschreckend wirken für Investoren jenseits von Afrika das verfilzte Regierungssystem, Korruption und Vetternwirtschaft. Dazu kommt die katastrophale Infrastruktur. Im Moloch Lagos mit seinen zehn Millionen Einwohnern, wo das Herz der Wirtschaft schlägt und 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden, sind die Straßen heillos verstopft. Permanent kommt es zu Blackouts. Einem Nigerianer steht im Schnitt eine Leistung von 30 Watt Strom zur Verfügung – einem Südafrikaner 500, einem Deutschen 5.000 Watt.

Bleibt also Nigeria das ewige Versprechen eines Wachstumsmärchens? Trotz der Probleme mehren sich die Zeichen, dass das Land wirtschaftlich durchstartet. Diesen Monat haben die Agenturen Moody’s und Standard & Poor’s ihre Ratings im B-Bereich heraufgesetzt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für dieses Jahr trotz der desolaten Infrastruktur ein Wachstum von 6,7 Prozent – mehr als in Brasilien, Russland und Indien. In der Studie „Märkte von morgen“, die die WirtschaftsWoche mit der Unternehmensberatung Valueneer in Berlin erstellt hat, steht Nigeria auf Platz eins als Beschaffungsmarkt und auf Rang fünf als Absatzgebiet.

Womit Nigeria punktet - und womit nicht

„Nigeria ist keine simple Rohstoff-Story mehr“, sagt Christian Wessels, Chef der Niederlassung der Münchner Unternehmensberatung Roland Berger. Zwar machen Ölexporte 95 Prozent der Ausfuhren aus und legen seit einer Dekade jährlich um bis zu acht Prozent zu. Doch hat dies dazu beigetragen, dass es nicht einer Clique Privilegierter gut geht, sondern in Großstädten wie Lagos zugleich eine Mittelschicht heranwächst, die nach mehr Dienstleistungen und Konsumgütern verlangt. Das eröffnet Unternehmen neue Chancen.

Nigeria, der Wachstumsmarkt

Bestes Beispiel dafür ist Roland Berger selbst. Neben dem viel größeren US-Wettbewerber McKinsey haben die Berater Nigeria früh als Wachstumsmarkt entdeckt – und Präsenz gezeigt, indem sie ein großes, mittlerweile schnell expandierendes Büro aufbauten. „Nigerianer mögen es nicht, wenn Sie ab und zu mal einfliegen, um kurz danach wieder zu verschwinden“, sagt Afrika-Experte Wessels. Wer bei den großen Projekten dabei sein wolle, müsse ständig im Markt sein.

Wessels lebt seit acht Jahren in Lagos. Der Kölner, der lange Zeit für die britische Barclays-Bank in Südafrika arbeitete, hat sich in Nigeria eingenistet. Er hält Kontakte zu den Unternehmenschefs des Landes, gibt Cocktailpartys für die Elite, diniert in den besten Restaurants der Stadt, kennt aber auch die Empfangsdame der größten Bank des Landes beim Vornamen. Nach Jahren des Klinkenputzens hat der 38-Jährige eine solche Präsenz erreicht, dass er nicht nur westlichen Konzernen die Schneisen durch den Bürokratie-Dschungel schlägt, sondern auch lokalen Unternehmen bei der Strategiefindung hilft. Wessels beriet die nigerianische Zentralbank bei der Bankensanierung und organisierte das Massengeschäft des landesgrößten Geldhauses, der First Bank, neu. „Nigeria ist ein ganz heißes Thema unter Investoren aus dem Mittleren Osten, Asien und Lateinamerika“, sagt Wessels, „die Deutschen halten sich dagegen zurück.“

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