WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen
Berlin intern

Was Sigmar Gabriel mit Donald Trump gemeinsam hat

Gregor Peter Schmitz
Gregor Peter Schmitz Ehem. Leiter Hauptstadtbüro WirtschaftsWoche (Berlin)

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel fällt im Trump-Stil über die Deutsche Bank her. Schlimmer für ihn als für die Bank.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Quelle: dpa

Als Sigmar Gabriel am Sonntagmittag in den Iran aufbrach, hatte er nicht nur eine Flugzeugladung Unternehmer im Gepäck, sondern auch eine umfangreiche Broschüre, 64 Seiten lang. „Menschenrechte achten. Ein Leitfaden für Unternehmen“ lautete ihr Titel, sie sollte Anleitung bieten, wie am Irangeschäft interessierte Geschäftsleute sich rücksichtsvoll gegenüber Land und Menschen verhalten können.

Zur Frage, wie die Interessen von Unternehmen oder gar dem Wirtschaftsstandort Deutschland zu achten sind, hatte Gabriel offenbar keine Broschüre an Bord. Kurz vor der Landung im Land der Mullahs sandte er nämlich erst einmal seine eigene Form von Fatwa aus, sie erging vom Wirtschaftsminister der Bundesrepublik gegen eine der wirtschaftlichen Schnittstellen der Bundesrepublik: die Deutsche Bank. „Ich wusste nicht, ob ich lachen oder wütend sein soll“, diktierte Gabriel den mitreisenden Journalisten in die Blöcke, „dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt.“ Damit er auch ganz sicher gehört würde, stellte Gabriel – entgegen sonstiger Gepflogenheiten – noch klar, die Sätze seien nicht für den Hinterkopf bestimmt, sondern für die Titelseiten.

Warum macht ein Wirtschaftsminister so was? Immerhin bildet die Deutsche Bank, allen Krisen zum Trotz, weiterhin ein wichtiges Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Daher verweigern Regierungsmitglieder seit Tagen jede Stellungnahme zur Bank. Sie wollen nicht die Verantwortung übernehmen, am weiteren Marktniedergang der Institution mit schuld zu sein.

Diese Republikaner wenden sich von Donald Trump ab
Donald Trump Quelle: AP
US-Senator John McCain Quelle: REUTERS
Condoleeza Rice Quelle: AP
Mike Pence Quelle: AP
Paul Ryan Quelle: AP
John Kasich Quelle: DPA
Mitt Romney Quelle: AP

Vizekanzler Gabriel kennt diese Sprachregelung natürlich. Auch er sagte im Flieger schließlich, nicht mehr sagen zu können, er wolle ja nicht für einen fallenden Aktienkurs haften. Aber genau das tat der Kurs nach jenen Sätzen: Er fiel.

Einfache Antwort auf die Frage nach dem Warum: Für den SPD-Wahlkämpfer Gabriel hat das alles Sinn. Mögliche Staatshilfe für die Deutsche Bank wird ja so kontrovers diskutiert, weil sie so unpopulär ist. Viele Wähler haben den Eindruck, dass Banken gerne Verluste verstaatlichen, Gewinne aber nie. Auch suggeriert etwa die AfD erfolgreich, politisch Mächtige deckten Verfehlungen wirtschaftlich Mächtiger, ob es um Boni gehe oder um Zockerei. Dagegen müsse jemand ein Zeichen setzen, so offenbar Gabriels Logik.

Deshalb wächst die Sorge um Deutschlands größte Bank
Josef Ackermann, Angela Merkel Quelle: AP
Das Bild zeigt den damaligen Bankchef Rolf-E. Breuer nach der Verkündung der Bankers-Trust-Übernahme im Jahr 1998. Quelle: dpa Picture-Alliance
Lehman-Brothers-Mitarbeiter nach der Kündigung 2008 in London. Quelle: REUTERS
Die Folgen der Immobilienkrise Quelle: dpa
Schwaches KerngeschäftNach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt. Quelle: dpa
Riskante Finanzierung Quelle: dpa
Wenig Reserven Quelle: dpa

Durchaus richtig. Aber er muss auch wissen, dass viele AfD-Wähler den Mächtigen vorhalten, alles zu sagen, um gewählt zu werden. Genau das tut aber ein Wirtschaftsminister, wenn er Sorge um Beschäftigte der Deutschen Bank äußert – und dann Sätze formuliert, die doch nur weiter schaden könnten. Das legt einen anderen Schluss nahe: nämlich dass ein Mann sich nicht beherrschen kann. Und auch nicht zu unterscheiden weiß zwischen langfristigem staatlichem Interesse und kurzfristigem Wahlkampfkalkül. Es liegen Welten zwischen Gabriel und Donald Trump. Aber unter Iranmitreisenden kursierte ein Vergleich: Trump mag man sich nicht in Knopfdrückweite der Atombombe vorstellen. Als Deutsche Bank aber auch Gabriel nicht zu Krisenzeiten im Kanzleramt.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%