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Ende bei Breitbart Steve Bannons tiefer Fall

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Bannons Zukunft ist ungewiss


Den Frust darüber behielt der Ausgebremste nicht für sich. Im Bestsellerbuch „Fire and Fury“ tritt Bannon als Kronzeuge auf, der sich seitenlang zitieren lässt und den Präsidenten und seine Familie frontal angreift. „Er hat sie nicht mehr alle“, sagte Bannon darin über Trump. Tochter Ivanka sei „dämlich wie ein Ziegelstein“.

Auch belastete er Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und Sohn Donald jr. in der Russland-Affäre. Das berüchtigte Treffen mit russischen Vertretern im Trump Tower während der Wahlkampagne, von dem sich die Teilnehmer offenbar schmutzige Informationen über Hillary Clinton erhofften, sei eindeutig „verschwörerischer“ Natur gewesen und keinesfalls harmlos. Dass Bannon zusätzlich noch Klatsch und Tratsch über die Ehe der Trumps und die Vorliebe des Präsidenten für Fast Food einstreute, setzte dem Ganzen aus Sicht des Weißen Hauses die Krone auf.

Nach Veröffentlichung dieser Zitate brach Trump öffentlich mit Bannon. Sein Ex-Berater habe „den Verstand verloren“ schrieb der Präsident in einer vor Rage triefenden Erklärung. Kurz darauf erfand er auf Twitter den beleidigenden Spitznamen „Schmuddel Steve“. Zwar entschuldigte sich Bannon einige Tage nach der Veröffentlichung der ersten Zitate etwas halbherzig, doch das konnte ihn nicht mehr retten – zumal auch die Breitbart-Geldgeber ihre Unterstützung für ihn einstellten.

Sein Nimbus als genialer Stratege hat seit seinem Abschied aus dem Weißen Haus gelitten. Noch im Sommer gelang es ihm, das republikanische Establishment mit der Ankündigung aufzuschrecken, zahlreiche Kandidaten nach seinem Geschmack für die Kongresswahlen im Herbst aufzustellen.

Doch nachdem der Bannon-Kandidat Roy Moore im Dezember überraschend die Wahl für einen Senatssitz im tiefrepublikanischen Alabama verlor, klingt diese Drohung schon leerer. Bannon sehe aus wie ein „zerzauster Trinker“ und die Republikaner sollten sich von ihm lossagen, forderte der Kongressabgeordnete Peter King kurz nach der Wahlniederlage.

Auch der Einfluss von Bannons Ideologie auf Trump geht immer weiter zurück. So erklärte der Präsident am Tag von Bannons Rücktritt, beim Thema Einwanderungspolitik auch großzügigere Optionen prüfen zu wollen und kündigte an, das Weltwirtschaftsforum in Davos zu besuchen. Sein ehemaliger Chefstratege dürfte beide Schritte rigoros ablehnen.

Wen und was Trump schon alles "bad" nannte

Will Bannon seine Ziele umsetzen, bleibt ihm damit nur eine Möglichkeit: Er muss selbst in eine machtvolle Position aufsteigen, um die nationale Politik erneut grundsätzlich beeinflussen zu können. Gerüchte über eine mögliche eigene Präsidentschaftskandidatur hatte er in den vergangenen Monaten immer wieder gestreut. Doch ohne die finanzielle Unterstützung seiner bisherigen Gönner dürfte es selbst für den Ex-Goldman-Banker Bannon schwer sein, eine solche Wahlkampagne überhaupt zu finanzieren. Ohne Breitbart fehlt ihm zudem die Plattform, um die für ihn so wichtige Alt-Right-Szene mobilisieren zu können.

Dass Bannon jetzt jedoch sang und klanglos im Nirgendwo verschwindet, ist unwahrscheinlich. Er hat sich in seinem Leben bereits mehrfach neu erfunden – als Marine-Offizier, als Banker, als Filmproduzent, als Breitbart-Chef, als Wahlkampfleiter, als Präsidentenberater. Trotz seines rasanten Absturzes: Mit Bannon bleibt zu rechnen.

Mitarbeit: Annett Meiritz

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