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Erdbeben-Drama in MexikoMehr als 220 Tote, viele Schäden

Vor genau 32 Jahren kamen bei einem Erdbeben in Mexiko Tausende Menschen ums Leben. Ausgerechnet am Jahrestag bebt es nun wieder heftig. Es gibt dramatische Szenen bei der Suche nach Verschütteten. 20.09.2017 - 18:09 Uhr aktualisiert

Bei einem heftigen Erdbeben der Stärke 7,1 sind in Mexiko mehr als 220 Menschen ums Leben gekommen. In Mexiko-Stadt stürzten 40 Gebäude ein. In den Trümmern suchten Retter verzweifelt mit den Händen nach Verschütteten. Nach Angaben des Leiters des Zivilschutzes, Luis Felipe Puente, starben mindestens 226 Menschen. Allein in einer eingestürzten Grundschule wurden in Mexiko-Stadt 32 Kinder und fünf Erwachsene getötet. Die Katastrophe ereignete sich just am Jahrestag des verheerenden Erdbebens vom 19. September 1985.

„Dieses Erdbeben ist eine harte Probe und sehr schmerzhaft für unser Land, aber wir Mexikaner haben gelernt, dem mit dem Geist der Solidarität zu antworten“, sagte Staatspräsident Enrique Peña Nieto. Er rief eine dreitägige Staatstrauer aus. In der Millionenmetropole Mexiko-Stadt werden weitere Opfer in den Trümmern vermutet, rund 500 Gebäude erlitten schwere Schäden und sind zunächst nicht bewohnbar.

Neben der Hauptstadt waren besonders die Bundesstaaten Morelos und Puebla betroffen, das Zentrum lag rund 130 Kilometer Luftlinie südöstlich von Mexiko-Stadt bei Axochiapan. In Atzala im Bundesstaat Puebla stürzte während einer Taufe das Dach und die Kuppel einer Kirche ein, mindestens elf Menschen wurden hier getötet. Mindestens 700 Menschen wurden durch das Erdbeben verletzt, 400 davon schwer.

Erdbeben in Mexiko

VW und Audi unterbrechen Produktion

Da mehrere Krankenhäuser beschädigt wurden, mussten Verletzte teils unter freiem Himmel von Ärzten notdürftig versorgt werden. Nach Angaben des Energieunternehmens CFE waren 3,8 Millionen Menschen zeitweise ohne Strom, auch das Telefonnetz kollabierte in der Stadt.

Dramatisch war die Lage an der Grundschule „Enrique Rébsamen“ in Mexiko-Stadt. Dort war auch ein Kindergarten untergebracht. Bisher wurden 37 Leichen geborgen. „Wir schätzen, dass noch zwischen 30 und 40 Menschen in den Trümmern gefangen sind. Wir hören aber Stimmen, einige sind noch am Leben“, sagte Marine-Sprecher José Luis Vergara. Weitere 209 Schulen in Mexiko-Stadt wurden geschlossen, 15 davon haben schwere Schäden, sagte Bildungsminister Aurelio Nuño Mayer.

Ausgerüstet mit Atemmasken, Fahrradhelmen, Spitzhacken und Schaufeln halfen Hunderte Freiwillige in Mexiko-Stadt bei den Rettungsarbeiten mit. Im Licht von Taschenlampen und Scheinwerfern suchten sie auch die ganze Nacht über zwischen den Steinen der zusammengestürzten Gebäude nach möglichen Überlebenden. Auch zwei Gefängnisse im Bundesstaat Puebla mussten evakuiert und Gefangene verlegt werden. Der internationale Flughafen der Hauptstadt stellte den Betrieb ein, über 180 Flüge fielen aus. Betroffen vom Beben war auch das legendäre Azteken-Stadion, durch eine Tribüne zog sich ein breiter Riss.

Hurrikan Harvey

Noch sind die Schäden, die Hurrikan Harvey verursacht, nicht absehbar - zumal die starken Regenfälle andauern. Erste Schätzungen gehen aber davon aus, dass allein die Wasserschäden eine ähnliche Größenordnung wie bei Hurrikan Katrina erreichen, der 2005 weite Teile von New Orleans zerstörte. Demnach gebührt Harvey gemessen an den Versicherungsschäden wohl ein Platz unter den zehn schlimmsten Katastrophen seit 1970.

Der Rückversicherer Swiss Re hat die teuersten Katastrophen nach Höhe der versicherten Schäden ermitteln. Nicht einbezogen wurden Lebensversicherungs- und Haftpflichtschäden. Für gewöhnlich übersteigen die Gesamtschäden die versicherten Schäden nochmal deutlich.

Foto: AP

Hurrikan Wilma

Wirbelsturm Wilma tobte 2005 vor allem in der Karibik, Mexiko, Kuba und Florida. Zeitweise gehörte er zur höchsten Hurrikan-Kategorie 5 und erreichte Windgeschwindigkeiten von 295 km/h. Die versicherten Schäden beliefen sich auf 15,4 Milliarden US-Dollar, die Gesamtschäden wurden auf 18 Milliarden Dollar geschätzt. Platz 11 im Ranking der höchsten Versicherungsschäden.

Foto: AP

Überschwemmungen in Thailand

Im Sommer 2011 wurde Thailand von Starkregen-Überschwemmungen heimgesucht, die zwölf Prozent des ganzen Landes überfluteten. Insgesamt verursachte das Wasser Schäden in Höhe von 28,9 Milliarden Dollar. Die versicherten Schäden beliefen sich auf 16 Milliarden Dollar. Platz 10 im finanziellen Katastrophenvergleich.

Foto: REUTERS

Hurrikan Ivan

Der Hurrikan Ivan verwüstete im September 2004 zunächst die Inseln Grenada, Jamaika und die Cayman Islands, bevor er an die US-Golfküste und über Florida hinweg zog. Die Gesamtschäden sollen sich auf 18 Milliarden Dollar belaufen haben. Die versicherten Schäden erreichten 16,4 Milliarden Dollar laut Swiss Re fast die gleiche Höhe. Platz 9 im Katastrophenranking.

Foto: dpa

Christchurch-Erdbeben

Am 22. Februar 2011 ereilte Neuseeland ein verheerendes Erdbeben nahe der damals zweitgrößten Stadt des Landes, Christchurch. Mit einer Stärke von 6,3 auf der Richter-Skala war es zwar nicht das stärkste Beben, aber der Erdbebenherd dicht unter der Erdoberfläche und die Nähe zur Stadt forderten 185 Tote und verursachten immense Schäden. Die Versicherungsschäden beliefen sich auf 17 Milliarden US-Dollar, Platz 8.

Foto: dpa

Hurrikan Ike

Anfang September 2008 wütete Hurrikan Ike durch die Karibik, betroffen war vor allem die Dominikanische Republik, Haiti, Kuba und die Südküste der USA. Die Gesamtschäden beliefen sich auf 37,6 Milliarden Dollar. Versichert waren davon 22,6 Milliarden. Platz 7 im Vergleich.

Foto: AP

Northridge-Erdbeben

1994 kam in der Nähe von Los Angeles zu einem verheerenden Erdbeben der Stärke 6,7. Zum Glück blieb die Zahl der Opfer gering, da es an einem Feiertag passierte. Die Schäden an Straßen und Gebäuden waren indes gewaltig. Der Versicherungsschaden erreichte eine Höhe von 24,7 Milliarden Dollar. Platz sechs der teuersten Katastrophen.

Foto: dpa

9/11 - Terroranschläge in New York

Der Einsturz der Zwillingstürme des World Trade Centers sowie die Flugzeug-Attacke auf das Pentagon am 11. September 2001 forderten etwa 3000 Todesopfer und gelten als terroristischer Massenmord. Die Versicherungsschäden erreichten mit 25,5 Milliarden Dollar den fünfthöchsten Wert in diesem Vergleich.

Foto: dpa

Hurrikan Andrew

Andrew war 1992 zwar nicht der bis dahin stärkste Hurrikan, wohl aber der Sturm, der die meisten Schäden anrichtete. Der Sturm der Kategorie 4 traf im September 1992 vor allem auf Florida City und Miami. Wegen der vielen betroffenen Einkaufspassagen, Seniorencamps und Neubausiedlungen war besonders betroffen und trieben die versicherten Schäden auf eine Höhe von 27,4 Milliarden Dollar.

Foto: AP

Hurrikan Sandy

2012 durchquerte Hurrikan Sandy zunächst die Karibik, um dann mit Wucht auf die Ostküste der USA zu prallen. Teile von Manhattan und Brooklyn wurden evakuiert, die Bewohner der Küste Long Islands ebenfalls, der New Yorker Hafen geschlossen. Obwohl nicht einmal ein Hurrikan der höchsten Stufen, war das Ausmaß der Zerstörung gewaltig, vor allem auf Haiti und an der Ostküste. Die Gesamtschäden sollen eine Höhe von 75 Milliarden Dollar erreicht haben. Die Versicherungen mussten 30,1 Milliarden Dollar bezahlen - Platz 3.

Foto: AP

Erdbeben / Tsunami in Japan

2011 löste ein schweres Seebeben vor der Küste der japanischen Region Tōhoku einen Tsunami aus, der mit seinen Flutwellen in vielen Ländern die Küstenregionen überflutete und mehr als 15.000 Todesopfer forderte. Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima kam es zur Kernschmelze. 400.000 Gebäude stürzten ein, über 470.000 Menschen waren zunächst ohne Unterkunft. Die Versicherungsschäden erreichten eine Höhe von 30,1 Milliarden Dollar. Der Gesamtschaden ist schier unermesslich. Platz 2 im Vergleich.

Foto: dpa

Hurrikan Katrina

Sollte Hurrikan Harvey weiter wüten, hätte er das Zeug, zum bislang teuersten Sturm der vergangenen vier Jahrzehnte zu werden. Bislang aber ist Hurrikan Katrina die Naturkatastrophe, die die größten Versicherungsschäden verursacht hat. Katrina traf Ende August 2005 auf die US-Golfküste als einer der heftigsten Stürme, die je gemessen wurden. Besonders betroffen waren Florida, Louisiana (besonders der Großraum New Orleans), Mississippi, Alabama und Georgia. Noch heute sind die Schäden in New Orleans sichtbar. Die Gesamtsumme der Schäden wird auf rund 100 Milliarden Dollar geschätzt. Die Versicherungen mussten 80,7 Milliarden Dollar zahlen. Katrina ist damit mit deutlichem Abstand der teuerste Sturm aller Zeiten - Platz 1.

Foto: dpa

Präsident Peña Nieto rief die Bevölkerung dazu auf, die Straßen für Krankenwagen frei zu halten „und die Arbeit der Rettungshelfer zu erleichtern“. US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter: „Gott schütze die Menschen in Mexiko-Stadt.“ Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb in einem Kondolenztelegramm an Peña Nieto, die Nachricht erfülle sie mit großer Trauer und Bestürzung. „Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitbürgern Kraft und Stärke in dieser schweren Stunde.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb: „Mit mir sind heute viele Deutsche in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und bei den Menschen, die sich noch in Gefahr befinden und auf Rettung hoffen.“ Das Auswärtige Amt hatte am Mittwoch nach Angaben eines Sprechers noch keine Kenntnisse über mögliche deutsche Opfer.

In Mexiko-Stadt war vor allem das Zentrum mit den touristischen Vierteln betroffen. Viele der beschädigten oder eingestürzten Gebäude wurden vor dem Erdbeben 1985 gebaut und entsprachen nicht den später eingeführten strengeren Baunormen. Bei dem schweren Erdbeben am 19. September 1985 starben nach lokalen Schätzungen rund 10.000 Menschen.

Rund zwei Stunden vor dem heftigen Erdstoß am Dienstag - wieder ein 19. September - hatten sich Behörden, Unternehmen und Schulen noch an der alljährigen Erdbebenübung mit Evakuierungen beteiligt. Kurz nach dem Testfall bebte dann um 13.14 Uhr die Erde tatsächlich. Tausende Menschen versuchten verzweifelt, sich nach draußen zu retten.

Wolkenkratzer schwankten hin und her, Straßen bebten, Fassadenteile von Gebäuden stürzten zu Boden. Über der Stadt hingen Rauchschwaden, Staub lag in der Luft, Gas trat aus. In der Hauptstadt und dem angrenzenden Großraum leben rund 20 Millionen. Im VW-Werk Puebla, einem der größten Fahrzeugwerke des Konzerns, wurden nach Informationen der Wolfsburger Zentrale keine Mitarbeiter verletzt.

Mehrere Nachbeben versetzen die Menschen zusätzlich in Angst. Erst vor knapp zwei Wochen, am 7. September, waren bei einem Beben der Stärke 8,2 rund 100 Menschen in Mexiko umgekommen, dabei lag das Zentrum aber im Pazifik und war in Mexiko-Stadt längst nicht so stark zu spüren. Mexiko befindet sich in einer der weltweit aktivsten Erdbebenzonen mit gefährlichen Erdplattenverschiebungen. Wegen der vielen Verschütteten rechneten die Behörden mit steigenden Opferzahlen, für die Retter begann ein Wettlauf gegen die Zeit.

dpa
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