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Ermittlungen gegen Ex-Präsidenten Warum Trumps Finanzchef jetzt vor Gericht muss

Am Donnerstag stellte sich Allen Weisselberg, der langjährige Finanzchef des Unternehmens des Ex-Präsidenten, den Ermittlern. Quelle: REUTERS

Niemand kennt die Bücher der Trump-Organisation besser als Allen Weisselberg. Nun erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn – auch, um den Druck auf Trump zu erhöhen.

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Der Tag hatte noch nicht richtig angefangen, als Allen Weisselberg das Gerichtsgebäude in Lower Manhattan betrat. In den Räumlichkeiten hat auch Cyrus Vance, der Bezirksstaatsanwalt von Manhattan sein Büro – der Mann, der seit Jahren eine Kriminalermittlung gegen die Trump-Organisation durchführt, zuletzt auch mit Unterstützung der Generalstaatsanwaltschaft von New York.

Am Donnerstag um 6:20 Uhr morgens nun stellte sich Weisselberg, der langjährige Finanzchef des Unternehmens des Ex-Präsidenten, den Ermittlern. Ihm und der Organisation wird vorgeworfen, über 15 Jahre durch ein illegales Vergütungssystem für Führungskräfte Steuern auf 1,7 Millionen Dollar hinterzogen zu haben. Rund acht Stunden später wurde Weisselberg dem Richter am Supreme Court des Staates New York vorgeführt. In Handschellen.

Es sind die ersten Anklagen, die aus Vance‘ Ermittlungen hervorgehen. Und sie kommen nicht überraschend. Die Geschäftspraktiken der Trump-Organisation stehen schon lange unter Beobachtung. Auslöser für die Ermittlungen des Staatsanwalts waren die Schweigegeldzahlungen Trumps an die ehemalige Porno-Darstellerin Stormy Daniels, mit der er angeblich eine Affäre hatte. Seitdem steht der Verdacht im Raum, die Trump-Organisation habe ihre Geschäftsberichte gefälscht. Das wäre eine Straftat. Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen musste im Zusammenhang mit diesem Vorgang bereits ins Gefängnis. Er wandte sich schließlich gegen den Ex-Präsidenten.



Doch die Investigation der Ermittler beschränkt sich wohl schon lange nicht mehr auf den Stormy-Daniels-Fall. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Berichte, dass Vance sich vor allem Immobilien der Trump-Organisation anschaute. Diese sollen, laut Cohens Aussage vor dem Kongress, mal höher, mal niedriger bewertet worden sein – je nachdem, wie es für das Unternehmen vorteilhafter wäre. Das könnte den Straftatbestand des Betrugs oder der Steuerhinterziehung erfüllen.

Ein Mann, der darüber Bescheid wissen müsste, ist Weisselberg. Cohen nannte ihn bereits vor Jahren als potenziellen Mitwisser. Die jetzige Anklage gegen den 73-Jährigen hat mit diesem Verdacht allerdings nicht viel zu tun.

Das ist jedoch kein Zufall. Denn Beobachter sind schon lange der Meinung, dass es den Ermittlern nicht primär um Weisselberg geht. Die Anklage soll demnach den Druck auf den Finanzchef erhöhen, als Zeuge gegen die Trump-Familie auszusagen. In den vergangenen Monaten hatte die Staatsanwaltschaft bereits deutlich gemacht, dass sie Weisselberg das Leben sehr schwer machen kann. Sie überprüften seine Steuererklärung und Bankunterlagen und verhörten sogar seine ehemalige Schwiegertochter.

Sollte sich Weisselberg entschließen, mit den Ermittlern zu kooperieren, hätte die Trump-Organisation womöglich ein Problem. Niemand kennt das Unternehmen besser als er. Weisselberg begann noch unter Trumps Vater Fred als Buchhalter für die Firma zu arbeiten – vor fast einem halben Jahrhundert. Als Donald Trump Präsident wurde, leitete er gemeinsam mit dessen Söhnen Don Jr. und Eric die Geschäfte des Unternehmens. Seit den Neunzigerjahren bearbeitete Weisselberg auch Trumps Steuererklärung. Die Familien sind sich nahe. Weisselbergs Sohn arbeitet für die Organisation.



Noch macht Weisselberg keine Anstalten, sich gegen seinen langjährigen Boss zu stellen. Er sei unschuldig und werde sich gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wehren, so ein Anwalt. Rückendeckung bekommt er von seinem Arbeitgeber. Er werde als „Bauernopfer in einem Verbrannte-Erde-Feldzug gegen den ehemaligen Präsidenten“ missbraucht, heißt es in einem Statement der Trump-Organisation. „Das ist keine Gerechtigkeit. Das ist Politik.“

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