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Nahostkonflikt Israelische Soldaten nehmen Dutzende Palästinenser fest – ein Toter bei Unruhen

Die israelische Regierung greift nach tödlichen Anschlägen gegen Verdächtige im Westjordanland durch. Dabei ist es zu blutigen Zusammenstößen gekommen.

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Mehr als 100 Menschen wurden nach palästinensischen Angaben bei den Zusammenstößen verletzt. Quelle: Reuters

Tel Aviv Nach tödlichen Anschlägen auf Israelis ist es zu blutigen Zusammenstößen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern im Nahen Osten gekommen. Dabei wurde ein 18-jähriger Palästinenser nahe Ramallah im Westjordanland getötet, wie das Gesundheitsministerium in Ramallah am Freitag mitteilte. Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht dazu. Man prüfe entsprechende Berichte, sagte ein Sprecher.

Die radikal-islamische Hamas hatte den Freitag zum „Tag des Zorns“ erklärt. Mehr als 100 Menschen wurden nach palästinensischen Angaben bei den Zusammenstößen verletzt: 75 an der Gaza-Grenze und 50 in Nablus und Ramallah im Westjordanland.

Nach Angaben der israelischen Armee versammelten sich rund 10.000 Palästinenser an mehreren Punkten der Gaza-Grenze. Sie hätten Steine, Granaten und eine Brandbombe in Richtung der Soldaten geworfen, sagte ein Sprecher. Die Soldaten hätten mit entsprechenden Maßnahmen reagiert. Genauere Angaben machte er nicht.

Israelische Sicherheitskräfte hatten nach Angaben der Armee in der Nacht zum Freitag 40 verdächtige Personen festgenommen. 37 davon seien Mitglieder der Hamas. Kontrollpunkte um die Stadt Ramallah, das Verwaltungszentrum der Palästinenser im Westjordanland, blieben bestehen, sagte ein Sprecher.

Die Suche nach dem Attentäter des tödlichen Anschlags vom Donnerstag gehe weiter. Ein verletzter Soldat schwebte nach einem Bericht des israelischen Fernsehens noch in Lebensgefahr. Die israelische Armee hatte Ramallah während der Suche nach dem mutmaßlichen palästinensischen Attentäter abgeriegelt.

Dies geschah nach palästinensischen Medienberichten das erste Mal seit Ende der zweiten Intifada (palästinensischer Volksaufstand) im Jahr 2005. Bei dem Anschlag am Donnerstag nördlich von Jerusalem hatte nach Angaben der israelischen Armee der Angreifer das Feuer auf Israelis an einer Bushaltestelle eröffnet. Zwei Soldaten starben, ein Soldat und ein Zivilist wurden verletzt.

Israelische Abgeordnete der Siedlerpartei forderten nach Medienberichten unter anderem die Schließung von Straßen für Palästinenser sowie die Legalisierung von illegalen Außenposten im Westjordanland. Ein entsprechendes Gesetz solle am Sonntag in ein Komitee des Parlaments eingebracht werden. Israel unterscheidet zwischen Siedlungen, die mit Genehmigung der Regierung gebaut wurden, und illegalen Außenposten.

Nach internationalem Recht sind alle Siedlungen illegal. Die Abgeordneten setzten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach einem Bericht der „Times of Israel“ ein Ultimatum und drohten damit, die Regierung zu stürzen. Netanjahu regiert aktuell mit einer dünnen Mehrheit von 61 zu 59 Mandaten im Parlament. Er ist auch Außen- und Verteidigungsminister.

Netanjahu hatte als Reaktion auf die Anschläge einen Ausbau der israelischen Siedlungen angekündigt. Er erklärte zudem, dass mit der Zerstörung der Häuser von Attentäter-Familien schneller begonnen werden solle - innerhalb von 48 Stunden.

Die Hamas beging am Freitag ihr 31-jähriges Bestehen. „Die Hamas wird mit ihrem Kampf weitermachen, bis die Sehnsüchte unseres Volkes erfüllt sind, vor allem Freiheit, Rückkehr (in Gebiete im heutigen Israel) und Unabhängigkeit“, hieß es in einer Stellungnahme.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte Israel bei einer Rede in Istanbul: „Seit den letzten 50 Jahren versucht Israel mit Absicht, die Spuren des islamischen Erbes in Jerusalem auszulöschen. Ihr werdet sie nicht auslöschen können.“

In der Nacht zu Donnerstag hatten israelische Sicherheitskräfte zwei mutmaßliche palästinensische Attentäter aus dem Westjordanland bei versuchten Festnahmen getötet. Zwei weitere Palästinenser wurden nach Angaben der Armee und der Polizei bei ihren eigenen Attacken erschossen.

Bereits am Sonntag waren bei einem Anschlag bei der israelischen Siedlung Ofra sieben Israelis teilweise schwer verletzt worden, darunter eine hochschwangere Frau. Drei Tage später starb ihr Baby, das Ärzte mit einem Notkaiserschnitt in der 30. Woche geholt hatten.

Israel hatte 1967 im Sechstagekrieg unter anderem Ost-Jerusalem und das Westjordanland erobert. Die Palästinenser fordern das Gebiet jedoch für einen eigenen Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

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