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New Yorks Sittenkampagne fürs U-Bahn-Fahren Liebe Männer, macht euch nicht so breit!

Tausende Plakate in der New Yorker U-Bahn fordern Männer auf nicht breitbeinig zu sitzen. Weltweit wird über die Aktion diskutiert. Dabei ist das Plakat erst der Anfang einer großen Sittenkampagne.

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U-Bahn in New York Quelle: REUTERS

„Dude... Stop the spread, please“ steht seit einige Tagen auf Plakaten in Wagen der New Yorker U-Bahn. Zu deutsch: „Kumpel, mach bitte beim Sitzen die Beine zusammen“. Die MTA, der Betreiber der Subway, will die männlichen Gäste dazu anhalten, nicht in breitbeiniger Proleten-Haltung in der Bahn zu sitzen, weil das anderen Fahrgästen den Platz wegnehme und weil der Blick zwischen die gespreizten Beine für Mitreisende eine Zumutung darstellen könne.

Nun ja. Als abgestumpfter Vielfahrer der New Yorker U-Bahn war ich erst einmal geneigt zu denken: Ist doch egal, welche Plakate dort hängen. Wo sonst kommerziell geworben wird – Brustimplantate zum günstigen Festpreis, lebensverändernde Seminare mit dem schleimigen Fernsehprediger Joel Osteen, vegetarische Hundeernährung aus dem Online-Shop – verbreitet nun eben die MTA-Sittenpolizei eine gemeinhin ignorierte Botschaft.

Diese Städte versinken im Verkehrschaos
Bangladesch, DhakaTausende Menschen müssen in Bangladesch täglich zur Arbeit. Überschwemmte Straßen sind in der Stadt Dhaka keine Seltenheit - aber auch kein Hindernis. Was uns in Deutschland an den Rande eines Nervenzusammenbruchs treiben würde, wird in der Hauptstadt Bangladeschs gelassen hingenommen. Die sieben-Millionen-Einwohner-Stadt liegt an einem Seitenarm des Flusses Dhaleswari. Das Gebiet ist bekannt für seine starken Monsun-Überschwemmungen. Wer kein Boot zur Verfügung hat, muss kurzerhand durch das kniehohe Wasser waten oder die Kutsche nehmen. Quelle: dpa
Vietnam, Hoh-Chi-Minh-StadtIn Vietnam gibt es mehr als 37 Millionen Motorräder. Da dauert der Weg zur Arbeit schon mal etwas länger. Besonders in der größten Stadt Vietnams herrscht während der Rush-Hour Chaos auf den Straßen. Denn Hoh-Chi-Minh ist nicht nur Industriestadt, sondern auch Hauptverkehrsknotenpunkt und Kulturzentrum des Landes. Quelle: AP
China, Peking"Lieber auf dem Rücksitz eines BMW weinen, als auf dem Fahrrad lachen", sagen die Chinesen. In Peking kämpfen 5,5 Millionen Autos täglich um einen der 800.000 Parkplätze. Wem der vorprogrammierte Stau zu viel ist, nimmt lieber die U-Bahn. Seit einem Angriff auf die chinesische Region Xinjiang am 22. Mai sind aber auch die öffentlichen Verkehrsmittel kein Garant mehr für schnelles ans Ziel kommen. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden massiv erhöht - deshalb dauert es während den Hauptverkehrszeiten teilweise Stunden, bis die Menschen die Kontrollen passieren können. Quelle: REUTERS
Frankreich, ParisPro Tag zählen die öffentlichen Verkehrsmittel im Großraum Paris rund 8,3 Millionen Fahrgäste. Die Métro Paris ist nach London, Glasgow und Budapest die viertälteste U-Bahn Europas. Wer es schafft, sich in Paris zur Rush Hour in einen Zug zu quetschen, der muss starke Nerven haben. Obwohl die Züge im Minutentakt einfahren, sind die Bahnhöfe überfüllt. Quelle: AP
Indien, MumbaiWer hofft, einen Sitzplatz in einer Straßenbahn in Mumbai zu ergattern, der wird meist enttäuscht. Schon in den frühen Morgenstunden sind die öffentlichen Verkehrsmittel vollkommen überfüllt. Quelle: dpa
Japan, TokioNicht nur während der WM sind die Straßen Tokios verstopft. Auch an normalen Tagen herrscht in der Millionenstadt Verkehrschaos - auf den Straßen und auf den Gehwegen. Mit mehr als neun Millionen Einwohnern ist Tokio nicht nur die bevölkerungsreichste Stadt, sondern auch Sitz der japanischen Regierung. Weil der Platz knapp ist, mussten sogar die Fahrschulen von der Straße auf flache Dächer ausweichen. Die älteste Fahrschule liegt im Norden Tokios. Auf dem Dach eines Supermarktes können Japaner dort Fahren üben und ihre Prüfung ablegen. Dort gibt es 35 Autos, nachgebaute Kreuzungen und Zebrastreifen. Der Motorrad-Unterricht wurde allerdings wegen Absturzgefahr eingestellt. Quelle: dpa
Indien, GuwahatiWenn die Straßen in der indischen Stadt Guwahati geflutet sind, müssen die Menschen sich durch die Wassermassen kämpfen. Einige nutzen die üblichen Rikschas zur Fortbewegung, viele gehen zu Fuß. Die Stadt liegt am südlichen Ufer des Brahmaputra und wird häufig von Überschwemmungen heimgesucht. Mit rund 960.000 Einwohnern ist Guwahati die mit Abstand größte Ansiedlung im Nordosten Indiens. Quelle: REUTERS

Irgendwas mit Sex - oder was mit Männern und Frauen, Machos und Emanzen

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    Oh Mann, weit gefehlt. Das ganze Netz, so scheint es, ist in heller Aufregung. Schließlich geht es um irgendwas mit Sex oder zumindest mit Männern und Frauen, um scheinbares Machos-Verhalten und scheinbare Emanzen-Empörung, um Political Correctness und amerikanische Prüderie und natürlich um die wohl namhafteste Metropole der Erde. Eben der perfekte Cocktail für den globalen, weil digitalen Stammtisch.

    Achtung Netz-Stammtisch! Hier kommt neues Öl fürs Twitter-Feuer: Bei dem einen Plakatmotiv wird es nicht bleiben. Die MTA hat elf weitere Botschaften an ihre Kunden formuliert. Sie werden in den kommenden Monaten auf 183 mal 117 Zentimeter großen Plakaten in 2600 Bahnwagen aufgehängt und per Lautsprecher in Waggons und U-Bahn-Gänge geblasen.

    Wo öffentlicher Nahverkehr am teuersten ist
    Platz 10: San Francisco und Chicago Wer in der berühmten Cable Car von San Francisco (Foto) oder in der Hochbahn von Chicago unterwegs ist, muss zwei US-Dollar für das günstigste Ticket bezahlen. Das macht den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) dieser beiden Städte zum zehntteuersten der Welt, hat die Deutsche Bank ausgerechnet. Dafür hat sie die Preise des jeweils günstigsten Nahverkehr-Tarifs in Städten weltweit in US-Dollar umgerechnet und verglichen. Um einzuordnen, wie teuer oder günstig die Preise sind, hat die Deutsche Bank New York als Bezugspunkt gewählt: Die Preise in Chicago und San Francisco sind beispielsweise 20 Prozent günstiger als im Big Apple. Quelle: dpa
    Platz 9: Berlin und ParisBerlin teilt sich den neunten Platz mit Paris. In beiden Städten kostet der günstigste ÖPNV-Tarif umgerechnet 2,06 US-Dollar. Das sind gerade mal 82 Prozent des New Yorker Preises. Quelle: dpa
    Platz 8: SydneyWer im australischen Sydney im öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, zahlt 2,14 US-Dollar für das günstigste Ticket – und damit 15 Prozent weniger als in New York. Quelle: AP
    Platz 7: Edinburgh und OttawaDen siebten Platz teilen sich wieder zwei Städte: Im schottischen Edinburgh und im kanadischen Ottawa (Foto) kosten die günstigsten ÖPNV-Tickets jeweils umgerechnet 2,48 US-Dollar. Das ist ein Prozent weniger als in New York. Quelle: AP
    Platz 6: New YorkWer einmal in New York ist, muss in den Central Park, ins Empire State Buildung – und eine U-Bahn-Fahrt mitmachen. Ein Ticket des günstigsten Tarifs kostet 2,50 US-Dollar, was die Deutsche Bank als Bezugspunkt für alle anderen weltweiten Preise genommen hat. Quelle: REUTERS
    Platz 5: TorontoIn der größten Stadt Kanadas kostet ein ÖPNV-Ticket des kleinsten Tarifs umgerechnet 2,73 US-Dollar. Damit zahlen Menschen in Toronto neun Prozent mehr als in New York. Quelle: dpa
    Platz 4: FrankfurtAuch Deutschlands Bankenmetropole hat es ins Ranking geschafft: Wer mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof zum Hauptsitz der Deutschen Bank fahren möchte, muss umgerechnet 2,88 US-Dollar zahlen. Das sind 15 Prozent mehr als der niedrigste Tarif in New York und platziert Frankfurt im weltweiten Vergleich auf Platz 4. Quelle: dpa

    Elfengleich statt Fußballer auf der Ersatzbank

    Die New Yorker U-Bahn ist eben nicht nur ein profanes Fortbewegungsmittel. Mit ihren 1,7 Milliarden Fahrgästen pro Jahr ist sie zuvorderst eine Bildungseinrichtung. Sie ist, und da darf man ruhig mal Schillers Bild der Theaterbühne bemühen, eine moralische Anstalt. Wo Menschen 1,7 Milliarden mal pro Jahr mehr oder minder gelangweilt und vor allem mehr oder minder breitbeinig ihrem Fahrtziel entgegenruckeln, sind Plakate eben doch ein Blickfänger und folglich ein machtvolles Instrument der Volksbildung. 1,7 Milliarden Chancen, die Hirne von Menschen zu erreichen, davon kann die New York Times mit ihrer putzigen Zwei-Millionen-Auflage nur träumen.

    Die erste MTA-Botschaft ist also angekommen. Wir New Yorker Jungs halten die Beine zusammen, als trügen wir einen Mini-Rock, schlagen sie elegant übereinander, falten uns elfengleich und platzökonomisch auf unsere Sitze, aber nie, nie wieder geben wir den Fußballer auf der Ersatzbank.

    Doch wie geht es weiter in der rollenden Volkshochschule? Hier ein Überblick über sämtliche Unterrichtsthemen im Winter- und Sommersemester 2015:

    Die Sprüche auf den New Yorker U-Bahn-Plakaten

    1. „Treten Sie beiseite und lassen andere austeigen.“ Man soll also nicht schon in den Zug drängen, wenn andere noch am Aussteigen sind. Gut, das kommt manchmal vor, ist dann aber auch kein Drama. Sowieso kein schönes Thema fürs Netz, weil nix mit Mann und Frau und so. Also schnell weiter zu 2.

    2. „Behalten Sie Ihr Zeug bei sich.“ Was die MTA wohl damit meint? Die Grippe-Viren beim Nießen? Oder darf ich dem Sitznachbarn kein Hasch anbieten? Da muss sich die MTA noch erklären.

    3. „Nehmen Sie den Rucksack ab.“ Ja, das ist ein Problem. Touristen hauen andere Fahrgäste mit ihren mit dicken Rucksäcken oft förmlich aus den Schuhen, wenn sie sich umdrehen – und merken es hinterher noch nicht einmal. Es gibt New Yorker Politiker, die deshalb ein Rucksackverbot fordern. Das ist natürlich nicht durchsetzbar, also sollen es jetzt Plakate richten. Ich fürchte nur, dass die, die sie lesen müssten, die Touristen nämlich, beim U-Bahn-Fahren immer nur in ihre Subway-Pläne starren.

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      Wo die ältesten Bahnen unterwegs sind
      B-Wagen am Mülheimer Hbf Quelle: Stefan Baguette Creative Commons-Lizenz
      Eine U-Bahn hält am Duisburger Hauptbahnhof Quelle: PR
      Ein Bonner Stadtbahnwagen 0372 vor der Konzernzentrale der Deutschen Telekom Quelle: Qualle Creative Commons-Lizenz
      Eine berliner U-bahn des Typus A3 Quelle: Amiden Creative Commons-Lizenz
      Eine U-Bahn der Linie U3 in Hamburg Quelle: PR
      Eine U-Bahn des MVV in München Quelle: PR
      Niederflurlinie 9 in der unterirdischen Haltestelle Bf. Deutz Quelle: Qualle Creative Commons-Lizenz

      4. „Bieten Sie Ihren Sitz Älteren, Behinderten oder Schwangeren an.“ Man kann  ja viel Schlechtes über New Yorker sagen, aber nicht, dass sie das nicht tun würden. Manchmal passiert sogar zu viel des Guten. Nie werde ich die Szene vergessen, als ein Mann einer jungen Frau mit dickem Bauch seinen Platz anbot, sie dankend ablehnte, rot wurde, schnell ausstieg und alle Umstehenden peinlich berührt erkannten, dass sie wohl gar nicht schwanger war.

      5. „Nehmen Sie Ihren Müll mit.“ Meine Güte, MTA, welchen Müll? Die Leute lassen fast nichts in der Bahn liegen. Bei sechs Millionen Fahrgästen am Tag könnten die Waggons ganz anders aussehen.

      6. „Halten Sie den Lärm in Grenzen.“ Dröhnende Kopfhörer des Nachbarn sind fester Bestandteil des U-Bahn-Alltags. Allerdings werden solche Mini-Konzerte ohnehin vom ohrenbetäubenden Quietschen, Klappern und Donnern der veralteten U-Bahn übertönt. Also liebe MTA, halten Sie den Lärm in Grenzen, indem Sie in neue Züge investieren.

      7. „Die Stangen sind für Ihre Sicherheit, nicht für ihre körperliche Ertüchtigung.“ Es gibt wirklich hin und wieder Jugendliche, die an den vertikalen Haltestangen herumturnen. Aber das kommt fast nie vor. Und wenn schon – ist doch gut, wenn sich die Stadtkinder mal ein bisschen bewegen.

      8. „Nagelschneiden? Schminken?“ Okay, einen nagelknipsenden Mann habe ich mal gesehen. Das war nicht sehr appetitlich. Aber darf sich eine Frau in der U-Bahn nicht schminken, wenn ihr danach ist?

      9. „Sei kein Stangen-Schwein.“ Die MTA meint damit: Man soll sich nicht mit dem Rücken an eine der vertikalen Haltestange lehnen – eben so, wie ein Schwein sich mit dem Rücken an einem Baumstamm kratzt. Das ist praktisch, denn man hat beide Hände frei und kann zum Beispiel eine Zeitung halten. Aber man nimmt natürlich eine ganze Stange in Beschlag, an der sich sonst mehrere Leute festhalten können.

      Ausland



      10. „Das ist eine U-Bahn, kein Speisewagen.“ New Yorker machen am liebsten alles gleichzeitig. Aber U-Bahn-Fahren und Essen, das machen erstaunlich wenige. Das Plakat kann die MTA sich sparen.

      11. „Blockieren Sie die Türen nicht.“ Mal eben die Tür aufhalten, weil noch jemand angerannt kommt – das ist nett für den einen, aber nervig für Hunderte andere. Aber auch das macht eigentlich fast niemand.

      Ich hätte einen Vorschlag für ein weiteres Plakat: „Drucken Sie keine unnützen Plakate, wenn Ihre Organisation 34 Milliarden Dollar Schulden hat.“ Anzubringen im MTA-Hauptsitz, 2 Broadway, NY 10004.

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