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Ökonom Kevin Hassett US-Konzerne müssen massiv entlastet werden

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Attacken auf Hillary Clinton

Vor allem wegen der Steuerpolitik hatte Hassett im Wahlkampf für Donald Trump geworben – und gegen dessen Konkurrentin Hillary Clinton gestänkert. Er kenne kein ökonomisches Modell, wonach höhere Steuersätze wachstumsfördernd seien, erklärte er in Richtung der Demokratin, die sich unter anderem für eine Reichensteuer einsetzt. Clintons Vorschlag, den Mindestlohn zu erhöhen, grenze an „wirtschaftspolitisches Analphabetentum“.

Doch so hart Hassett in der Sache argumentiert, so umgänglich ist er im persönlichen Umgang. Nie dränge er sich in den Vordergrund, sagt Kollege Hubbard, und mit seiner guten Laune würde er sein Umfeld beflügeln. An Podiumsdiskussionen nimmt Hassett gern leger teil, in heller Hose und ohne Krawatte.

Die Leitung des CEA ist für ihn Höhepunkt einer Karriere, die Anfang des Jahrtausends ins Stocken geraten war. 1999 schrieb Hassett zusammen mit James Glassmann ein Buch über die Chancen am Aktienmarkt. Der Titel: „Dow 36 000“. Die Botschaft: Trotz der damaligen Höchststände sei es nicht zu spät, einzusteigen. Der Dow, der im Frühjahr 2000 bei rund 11.700 Punkten lag, würde in den kommenden „drei bis fünf Jahren“ auf 36.000 Punkte steigen. Es kam bekanntlich anders.

Selbst heute, 18 Jahre nach der Dotcom-Blase und neun Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise, steht der Index erst wieder bei rund 21.000 Punkten. Hassett wurde in der Fachwelt mit Hohn und Spott überzogen, auch wegen Schlampereien bei der Verwendung finanzmathematischer Formeln. Der US-Ökonom Brad DeLong hält Hassett als Wissenschaftler für diskreditiert. Mit Prognosen über die Aktienmärkte hält der sich seitdem zurück, nicht aber mit Vorschlägen, wie die Finanzmärkte zu beaufsichtigen ­seien. Für Hassett steht fest: Der Sektor ist „überreguliert“.

Das Dodd-Frank-Gesetz (ein Regelwerk, das strenge Auflagen für Banken beinhaltet und den Eigenhandel verbietet) müsse gelockert werden. Diese Sichtweise wird von allen wichtigen Akteuren im Weißen Haus und in der republikanischen Partei geteilt. Ein bisschen Süßes hat Hassett für seine Kollegen schließlich stets dabei.

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