Provinz Idlib Mindestens elf Tote bei Luftangriffen

Tote Zivilisten, strategische Vorstöße, Drohnenangriffe - wie ein Waffenstillstand mutet die Lage in Syrien nicht an. Bei den Friedensverhandlungen in Genf macht die Opposition der Regierung schwere Vorwürfe.

Idlib: Mindestens elf Tote bei Luftangriffen Quelle: REUTERS

Bei Luftangriffen in der von Rebellen beherrschten Provinz Idlib in Syrien sind mindestens elf Menschen getötet worden. Das Nachrichten-Netzwerk Baladi zeigte am Montag Bilder von Rettern, die in der Stadt Ariha unter Trümmern nach Verschütteten suchten. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, mindestens sieben Zivilisten und vier noch nicht identifizierte Personen seien getötet worden. Die Angriffe habe die Armee geflogen. Die Rettungsgruppe Syrische Zivilverteidigung sprach von 15 Toten.

Die auf die Beobachtung von Extremisten-Webseiten spezialisierte US-Gruppe Site meldete, bei einem US-Luftangriff sei möglicherweise der Vizechef des Terrornetzwerks Al-Kaida getötet worden. In sozialen Medien kursierten Berichte, Abdullah Muhammad Radschab Abdulrahman sei am Sonntagabend in seinem Auto in der Provinz Idlib tödlich getroffen worden. Bilder zeigten ein beschädigtes Fahrzeug.

Die Beobachtungsstelle meldete, ein führendes Al-Kaida-Mitglied sei bei einem Drohnenangriff getötet worden, konnte aber nicht sagen, um wen es sich handelte. Abdulrahman war ein enger Mitarbeiter von Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden. Dessen Nachfolger Aiman al-Sawahiri machte Abdulrahman zu seinem Stellvertreter.

Im Norden Syriens vertrieben die Armee und die mit ihr verbündete Hisbollah-Miliz Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat aus mehreren Dörfern am Euphrat und nahmen Verbindung zu kurdischen Kämpfern auf. Dadurch schnitten sie den von der Türkei unterstützten Rebellen der Freien Syrischen Armee den Weg in die IS-Hochburg Al-Rakka ab. Regierungstreue Kräfte und die FSA hatten sich schon beim Kampf um die vom IS gehaltene Stadt Al-Bab eine Art Wettlauf geliefert, den die pro-türkischen Kräfte für sich entschieden.

Die Opposition kritisierte in Genf, die Regierung hindere sie am Kampf gegen den IS. Diese bezeichne die gemäßigten Rebellen als Terroristen, stimme ihr Vorgehen aber selbst mit dem IS ab, sagte Nasr al-Hariri von der Syrischen Nationalkoalition am Rande der Syrien-Friedensgespräche. Die Regierungsdelegation will in Genf zuerst über den Kampf gegen den Terrorismus reden, die Opposition will über politische Veränderungen verhandeln.

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