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Qualität Chinesen graust es vor deutschen Standards

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Opfer der chinesischen Aufholjagd

Chinesen machen im deutschen Mittelstand fette Beute
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„Lokale Hersteller haben erkannt, dass sie sich durch Qualität abheben können, und deshalb teilweise große Erfolge gehabt“, sagt Dirk von Wahl, Vorstandsvorsitzender des TÜV Süd für Greater China. Und die Aufholjagd gewinnt immer mehr an Tempo. „Chinesische Unternehmen kommen unseren Produkten immer näher“, sagt Maria Xenidou, Leiterin der Klebstoffforschung von Henkel in Shanghai. Damit setzen die Asiaten die etablierten Hersteller gewaltig unter Druck. „Bevor die Chinesen zum Beispiel einen Klebstoff produzieren können, der genauso leistungsfähig ist wie ein Produkt von uns, müssen wir bereits ein neues innovatives Henkel-Produkt entwickelt haben, das sie noch nicht herstellen können.“

Zu den ersten Opfern der chinesischen Aufholjagd gehörten deutsche Solarunternehmen wie Conergy aus Hamburg und Schüco aus Bielefeld. Während deren Umsätze mit Sonnenstromtechnik 2011 um knapp 20 Prozent sanken, verdoppelte ihr chinesischer Wettbewerber Astronergy aus Hangzhou südwestlich von Shanghai 2011 seinen Umsatz auf 573 Millionen Euro – bei einem Gewinn von 25,5 Millionen Euro. „Die Solarbranche ist ein gutes Beispiel, wie chinesische Unternehmen von westlichen gelernt haben und nun eigene Qualitätsprodukte auf den Markt bringen“, sagt Astronergy-Chef Liyou Yang.

Die Top-Ten-Hersteller kristalliner Solarmodule

Er bewundert die Qualitätsstandards des deutschen Mittelstands. „Sie sind grausam, aber gut“, sagt der 50-Jährige. Liyou hat die Standards deshalb auch in seinem Unternehmen etabliert. Dafür holte er 2006 direkt nach der Gründung deutsche Experten in die Zentrale. Sechs Monate lang arbeiteten sie Tag und Nacht im Werk.

Vom deutschen Perfektionismus

Liyou erlebte den Umbau zum Qualitätshersteller als einen einzigen Leidensprozess. Die deutschen Fachleute zeigten den chinesischen Arbeitern immer wieder ihre Grenzen. Sie scheiterten zunächst immer wieder daran, die hohen Qualitätsstandards einzuhalten. „Die Mentalität ist einfach eine andere“, sagt Liyou. „Wenn Chinesen etwas perfekt finden, erkennt der Deutsche immer noch Details, die sich verbessern lassen.“

Heute sind die deutschen Qualitätsvorstellungen in Liyous Fabrik Standard: „Das schreibt uns der Markt vor, um im Wettbewerb zu bestehen“, sagt er. Was Liyou im Kleinen durchlebte, erlebte China im Großen, nachdem der langjährige Premierminister Zhou Enlai das Land Ende der Siebzigerjahre für die Marktwirtschaft öffnete. Unter den Ersten, die deutsche Mittelständler ins Visier nahmen und sich ihrer bedienten, war Haier. Zhang Ruimin, der heute noch Vorstandsvorsitzender ist, übernahm vor etwa einem Vierteljahrhundert die Kühlschrankfabrik im ostchinesischen Qingdao.

Eine Geschäftsreise nach Deutschland führte ihm die ernüchternde Qualität der eigenen Produkte vor Augen. Zurück in China ließ er Arbeiter mit Vorschlaghämmern 76 defekte Kühlschränke zerschlagen. Um hochwertige Geräte zu produzieren, ging Ruimin ein Joint Venture mit dem deutschen Kühlgerätebauer Liebherr ein.

China in Shoppinglaune

Das Beispiel, auf diese Weise von westlichen Unternehmen Know-how abzuschöpfen, machte Schule. Lange waren solche Kooperationen für ausländische Unternehmen, die auf den chinesischen Markt drängten, Pflicht. Doch seit dem Jahr 2001 baut China seine Joint-Venture-Verpflichtungen schrittweise ab. An ihre Stelle tritt nun eine neue Strategie, auf die sich die deutschen Mittelständler gefasst machen müssen: die direkte Übernahme.

Nicht nur Haier geht jetzt so vor, zuletzt durch den Kauf des japanischen Elektronikherstellers Sanyo. Auch in Deutschland gehen chinesische Unternehmen auf Einkaufstour. Die Regierung des Riesenreichs unterstützt die Übernahmen. Im Fünfjahresplan ist explizit festgehalten, dass chinesische Unternehmen mehr ausländische Produzenten aufkaufen. Für Schlagzeilen sorgte der geplante Kauf der ThyssenKrupp-Tocher Taylored Blanks durch Wuhan Iron and Steel und der mögliche Einstieg der Shandong Heavy Industry beim Wiesbadener Gabelstaplerbauer Kion.

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