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Szenario 1: Zurück zur D-Mark Was die Rückkehr zur D-Mark kosten würde

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Vorteile

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Bei ihren Zinsentscheidungen müsste die Bundesbank keine Rücksicht auf die anderen Länder Europas nehmen. Das versetzt sie in die Lage, eine passgenaue, auf die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland zugeschnittene Geldpolitik zu betreiben, die für stabile Preise sorgt. Zudem müsste Deutschland den fußkranken Ländern im Süden Europas nicht länger mit Transfers unter die Arme greifen. Das Geld der Steuerzahler könnte hierzulande statt in Griechenland investiert werden. Die Rahmenbedingungen für mehr Wachstum würden sich verbessern.

Nachteile

Die D-Mark würde im Gefolge massiver Kapitalzuflüsse kräftig aufwerten und die deutschen Ausfuhren verteuern. Ein lange andauernder Einbruch der Exporte wäre jedoch eher unwahrscheinlich. So zeigen ökonometrische Studien, dass der Wechselkurs nicht die entscheidende Einflussgröße für die deutschen Ausfuhren ist. Wertet der reale effektive Außenwert um ein Prozent auf, gehen die deutschen Exporte nur um 0,5 Prozent zurück.

Das ist zum einen darauf zurückzuführen, dass heimische Unternehmen vielfach Weltmarktführer in Nischenmärkten sind, die ihre Produkte vor allem über die hohe Qualität und den Zuschnitt auf die Kundenwünsche verkaufen. Zum anderen verbilligt eine starke Währung die Importe. Da rund 42 Prozent der deutschen Exporte aus importierten Vorleistungen bestehen, können die Exporteure die sinkenden Bezugskosten für Preisnachlässe nutzen, durch die sie die wechselkursbedingte Verteuerung ihrer Produkte ausgleichen.

Hinzu kommt, dass der Euro nach einem Austritt Deutschlands nicht nur gegenüber der D-Mark, sondern auch gegenüber Dollar, Yen, Pfund und Co. kräftig abwerten dürfte. Das regt die Exporte und die Konjunktur in der Rest-Euro-Zone an – und verbessert so die Absatzaussichten deutscher Exporteure auf diesen Märkten. Studien zeigen: Steigt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in wichtigen Handelspartnerländern um ein Prozent, legen die deutschen Ausfuhren um mehr als zwei Prozent zu. Würde also das BIP der Euro-Zone im Zuge einer Abwertung um 2,5 Prozent steigen, nähmen die deutschen Ausfuhren um fünf Prozent zu. Das reichte, um den Exportdämpfer durch eine zehnprozentige D-Mark-Aufwertung auszugleichen.

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