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Unterstützung der WirtschaftChina überrascht mit neuen Konjunkturmaßnahmen und löst Kursrally aus

Die chinesische Regierung versucht, die angeschlagene Wirtschaft wieder anzukurbeln – jetzt auch mit Hilfe der Zentralbank. Die Märkte reagierten prompt. 27.09.2024 - 14:56 Uhr

Die Zentralbank senkte den Satz für Pflichteinlagen, sodass Banken nun mehr Kredite ausgeben können. (Archivbild)

Foto: dpa

Chinas Zentralbank hat eine wichtige Rate für Banken gesenkt, um der angeschlagenen Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Durch die Reduzierung der Mindestreserven um 0,5 Prozentpunkte müssen Banken weniger Pflichtguthaben einbehalten, wie aus einer Mitteilung in Peking hervorging.

Damit steht den Finanzinstituten mehr Geld zur Verfügung, um Kredite auszugeben oder Staatsanleihen etwa zur Finanzierung von Infrastruktur zu kaufen. Damit will die Zentralbank nach eigenen Worten an ihrem „unterstützenden geldpolitischen Kurs“ festhalten. Der Gouverneur der Bank, Pan Gonsheng, hatte bereits vor einigen Tagen ein ganzes Maßnahmenpaket angekündigt.

Ungewöhnliches Treffen zu Chinas Wirtschaftslage

Die Zinssenkung folgt einen Tag nach einem Treffen des Politbüros, bei dem jener innere Führungszirkel der Kommunistischen Partei überraschend die Lage der Wirtschaft auf die Agenda gesetzt hatte. Üblicherweise bespricht die Partei die ökonomische Situation später im Jahr, weshalb Beobachter in dem Treffen ein Zeichen erhöhter Dringlichkeit sahen, um die strauchelnde zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt zu unterstützen.

Immobilienkrise

Auch diese Milliarden werden Chinas Wohnungsmarkt nicht retten

Mit einem Paket von fast 40 Milliarden Euro will Peking den Immobilienmarkt des Landes stabilisieren. Doch die Dimension des Problems ist um ein Vielfaches größer.

von Jörn Petring

Experten hatten schon länger gewarnt, dass China sein selbst gestecktes Wachstumsziel von rund fünf Prozent in diesem Jahr unter anderem wegen der Immobilienkrise und des schwachen Konsums im Inland nicht erreichen könnte.

Der offizielle Bericht des Politbüro-Treffens stellte etwa mehr Staatsausgaben und Hilfe für die Immobilienbranche in Aussicht – ohne genaue Details zu nennen. Peking verpflichtete sich am Donnerstag dazu, das für dieses Jahr angestrebte Wirtschaftswachstum zu erreichen und die Krise auf dem Immobilienmarkt zu stoppen, wie staatliche Medien unter Berufung auf die Politbüro-Sitzung berichteten.

Märkte reagieren mit Kurs-Rally

An Chinas Finanzmärkten löste die Nachricht sowie Gerüchte über die Sonderausgabe von Staatsanleihen, um den schwächelnden Konsum anzukurbeln, eine Kurs-Rally aus.

Auch in Deutschland und international treiben Hoffnungen auf weitere Konjunkturhilfen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt die Märkte. Der Dax setzte seine Rekordjagd am Freitagvormittag zunächst fort. Im frühen Handel legte der Dax zuletzt 0,17 Prozent auf 19.270 Zähler zu.

„Die Stimmung ist unumstritten bullish“, kommentierte Stephen Innes von SPI Asset Management. Chinesische Aktien hätten nach den Konjunkturimpulsen ihre beste Woche der Dekade erlebt. Und der Welleneffekt trage die globalen Märkte gleich mit, sagte Innes mit Verweis auch auf Rekorde des S&P 500 und des internationalen MSCI World Index.

Profitieren konnten europaweit vor allem Luxuswerte, da diese stark von der Nachfrage in China abhängen. LVMH, Hermes, Dior, Kering and Burberry stiegen am Donnerstag zwischen 8,7 und 9,8 Prozent. Im MDax notierten die Titel von Hugo Boss am Donnerstag 5,5 Prozent fester.

China plant Anleihen für Konjunkturhilfen

Die chinesische Regierung will ihre geplanten Konjunkturhilfen Insidern zufolge mit der Ausgabe von Staatsanleihen in enormer Höhe finanzieren: Dazu sollen spezielle Papiere im Wert von rund zwei Billionen Yuan (rund 256 Milliarden Euro) platziert werden, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. So will das Finanzministerium etwa eine Billion Yuan begeben, um damit den Konsum anzuschieben – etwa durch Abwrackprämien für den Umtausch alter Elektro-Geräte gegen moderne. Der Erlös solle dazu verwendet werden, allen Haushalten mit mindestens zwei Kindern ein monatlich etwa 800 Yuan (umgerechnet 102 Euro) pro Kind auszuzahlen.

Geplant ist demnach eine weitere Ausgabe von Staatsanleihen, die ebenfalls eine Billion Yuan in die Kassen spülen soll. Mit dem Erlös soll den regionalen Regierungen bei der Bewältigung ihrer Schuldenprobleme geholfen werden, sagte einer der Insider.

Lesen Sie auch: „Ob das der große Boost für den wirtschaftlichen Motor ist, ist fraglich“

dpa, rtr, jre
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