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US-Wirtschaftspolitik Wie viel Einfluss werden Joe Bidens ökonomische Berater haben?

Harvard-Ökonom und Obama-Berater Jason Furman Quelle: Bloomberg

Mit Joe Bidens Amtsantritt ändert sich auch die Besetzung des „Council of Economic Advisers“, der ihn in Wirtschaftsfragen berät. Jason Furman, einst Chefberater von Barack Obama, erklärt was von dem Rat zu erwarten ist.

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Jason Furman ist Professor an der Harvard University. Von 2013 bis 2017 war der Ökonom unter Präsident Barack Obama Vorsitzender des Council of Economic Advisers im Weißen Haus.

WirtschaftsWoche: Professor Furman, Joe Biden will die Princeton-Ökonomin Cecilia Rouse zur Vorsitzenden des Council of Economic Advisers (CEA) machen, dem Pendant zum deutschen Sachverständigenrat. Was bedeutet das für die US-Wirtschaftspolitik?
Jason Furman: Ceci Rouse ist eine exzellente Ökonomin und sehr regierungserfahren – schließlich hat sie in der Vergangenheit sowohl im CEA gearbeitet als auch im National Economic Council (NEC) im Weißen Haus. Ich gehe davon aus, dass sie großen Einfluss haben wird, vor allem bei den Themen Bildung und Arbeitsmarkt, an denen sie in ihrer Karriere kontinuierlich gearbeitet hat. Sie steht für eine breitere wirtschaftspolitische Agenda, zu der unter anderem höhere Löhne und der Abbau von Ungleichheit zählen dürften.

Aber wie einflussreich ist der CEA überhaupt noch? Donald Trump gab nicht allzu viel auf dessen Ratschläge…
Der CEA erfüllt die Aufgabe eines „öffentlichen Intellektuellen“, der die Debatte über wirtschaftliche Zusammenhänge prägt. Er hat aber keine formelle Autorität. Sein Einfluss ist von der Stärke seiner Ideen und der Offenheit anderer für seine Vorschläge abhängig. Der CEA sitzt in der Regel bei jedem wirtschaftlich relevanten Thema mit am Tisch und kann im Konfliktfall mit anderen Regierungsbehörden dafür sorgen, dass Entscheidungen hoch zum Präsidenten wandern.

Das ist jedoch keine Garantie dafür, dass die Politik auf den Rat des CEA hört. Das wäre auch gar nicht wünschenswert, da das Gremium auch mal querdenken und unkonventionelle Ideen entwickeln soll. Abgesehen davon ist der CEA in zahlreiche Regierungsprozesse eingebunden, die nicht direkt etwas mit dem Präsidenten zu tun haben, etwa die konkrete Gestaltung von Regulierungen.

Hängen Präsident und CEA in der Regel derselben wirtschaftswissenschaftlichen Denkschule an?
Ja, der CEA-Vorsitzende nimmt üblicherweise dieselbe Perspektive wie der Präsident ein, also entweder Mitte-Links oder Mitte-Rechts. Die Mitarbeiter des Rates sind jedoch in der Regel unpolitische Ökonomen mit Doktortiteln, sie arbeiten konsistent auf Basis der ökonomischen Theorie und Forschung. Beim Thema Handel waren die CEA-Mitarbeiter beispielsweise in der Regel für den Abbau von Barrieren.

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Was war der größte Erfolg, den Sie in Ihrer Zeit als CEA-Chef verbuchen konnten?
Ich bin stolz auf Vieles, was der CEA zu wichtigen wirtschaftspolitischen Herausforderungen beigetragen hat. Viele unserer Ideen haben die Debatte innerhalb der Wirtschaftswissenschaften zu zahlreichen Themen verändert – etwa wenn es um die Bedeutung von Wettbewerb und Anti-Trust-Maßnahmen geht. Oder darum, neu über Defizite und Verschuldung in einer Welt der Niedrigzinsen nachzudenken und den Blick auf die strukturellen Herausforderungen zu lenken, vor denen der amerikanische Arbeitsmarkt steht.

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