WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

USA gegen China Das Duell der Supermächte

Seite 2/4

Schrumpfende Reserven

Was machen die USA, wenn China sein Geld abzieht?

Die USA sind hoch verschuldet, deutlich höher als Deutschland oder auch Frankreich – absolut, aber auch im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Zum 1. Juli 2014 hatten die Vereinigten Staaten Schulden in Höhe von 17,557 Billionen US-Dollar. Bis zum Ende des Jahres sollen die Schulden auf 18,52 Billionen Dollar steigen. Das wären 105,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Amerikas größter Gläubiger sind ausgerechnet die Chinesen. Sie haben Washington derzeit etwa 1,3 Billionen Dollar geliehen.

Der US-Dollar ist die globale Leitwährung. Doch China will seine Währung zu einem ernsthaften Konkurrenten aufbauen. Quelle: dpa

Würde China plötzlich keine US-Staatsanleihen kaufen, würde die Rendite für die Schuldtitel – nach dem simplen Prinzip, wonach sich der Preis aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage bildet – nach oben schießen. Die USA könnten in Probleme geraten, ihre Beamten oder ihr Militär zu bezahlen – oder gar: ihre Schulden zu bedienen.

Was gegen diese Theorie spricht: Sollte China sein Geld aus den USA abziehen, würde der Dollar (auch im Vergleich zum Yuan) drastisch abwerten. In der Folge würden chinesische Produkte deutlich teurer und möglicherweise weniger konkurrenzfähig.

Die größten Gläubiger der USA

Wo legen die Chinesen ihr Geld an – wenn nicht in US-Staatsanleihen?

Da die in die USA exportierten Waren auch mit US-Dollar bezahlt wurden, sitzt China heute auf dem größten Devisenberg der Weltgeschichte: Seit dem Beginn des chinesischen Wirtschaftswunders hat das Land Geld im Wert von über 3,8 Billionen US-Dollar gehortet. Davon hat China für rund 1,3 Billionen US-Staatsanleihen gekauft. Hinzu kommen andere Investments wie US-amerikanische Aktien.

Los wird das Land die Investitionen so leicht nicht mehr: Würde China beginnen, seine Anteile zu verkaufen, wäre die Signalwirkung fatal: Der Kurs des Dollars würde fallen. Doch wenn der US-Dollar an Wert verliert, schmelzen auch die Devisenreserven Chinas. So ist eine raffinierte wechselseitige Abhängigkeit entstanden, die beide Wirtschaftsmächte aneinander bindet.

Nur langsam versucht China, seine Investments etwas zu diversifizieren: So ist der Anteil von US-amerikanischen Wertpapieren von 60 Prozent im Jahr 2003 auf unter 50 Prozent 2012 gesunken. Das Problem ist: "Es gibt kaum Assets, die Chinas Nachfrage decken könnten", sagt Brian Jackson, Ökonom beim Analystenhaus IHS Global Insight in Peking.

Eine Möglichkeit stellen Investitionen im Ausland dar: 87 Milliarden Dollar investierten chinesische Unternehmen 2012 in den USA, Europa, Australien, Afrika und Lateinamerika. Auch Staatsanleihen europäischer Staaten vor allem von Deutschland stehen auf dem Menu. Doch eine wirklich Alternative zum US-Dollar ist der unsichere Euro nicht.

Was denkt die US-amerikanische Öffentlichkeit über China?

Abseits der Großstädte (vor allem an der Westküste), wo verhältnismäßig viele asiatische Einwanderer leben, herrscht Ignoranz und Desinteresse gegenüber China. Bekannt ist oft nur, dass die Chinesen billige Klamotten produzieren und in einem kommunistischen Land leben. Das alleine reicht für Misstrauen und latente Ablehnung.

So hätten die vielen asiatischen Einwanderer durchaus Chancen, die Debatte um den Umgang der USA mit China anzustoßen und zu lenken – wenn sie denn wollten. "Es ist nicht das Hauptziel der meisten asiatischen Einwanderer, die Politik zu beeinflussen", sagt Martin Thunert. Ihr Hauptaugenmerk läge darauf, ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. "Es ist paradoxerweise auch ein Zeichen dafür, dass die Asiaten sehr gut in den USA integriert sind. Anders als bei anderen Einwanderern, etwa aus Mittel- und Südamerika, geht es den meisten Bürgern mit asiatischen Wurzeln ziemlich gut."

Nur mit dem Parteienzwist kämen sie nicht zurecht. "Der laute Politikstil in den USA ist für einige asiatische Kulturen gewöhnungsbedürftig. In Amerika muss man auf die Pauke hauen und auch mal radikale Ansichten äußern, um wahrgenommen zu werden. Das liegt vielen Einwanderern aus Asien nicht", so Thunert.

Zudem sind sich die Einwanderer nicht einig: Wer noch Familie in China hat, hofft auf einen laxen Umfang der USA mit dem bevölkerungsreichsten Land der Welt. Vietnamesen, Kambodschaner oder Koreaner wünschen sich eher eine harte Haltung Washingtons gegenüber der chinesischen Führung.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%