World Economic Form 2023: „Gespenst eines Nuklearkriegs“: So schlecht sind die Vorzeichen für Davos
Der Weltwirtschaftsgipfel in Davos steht dieses Jahr unter dem Vorzeichen der Polykrise
Foto: imago imagesDie Plakate, mit denen das Schweizer Alpendorf Davos ab Dienstag seine 2700 Gäste aus 130 Ländern begrüßt, sind perfekt und farbenfroh wie immer. Auch die Landschaftskulisse vor den mächtigen Bergen ist trotz geringen Schneefalls beeindruckend. Doch die schönen Impressionen passen nicht zur schlechten Lage: Krieg, Energiepreisexplosion, Lieferengpässe und Inflation haben die Welt in eine regelrechte Existenzkrise geführt, so die Einschätzung des World Economic Forums (WEF). Das düstere Urteil speist sich aus dem diesjährigen Global Risk Report, der regelmäßig aus den Einschätzungen von 1200 befragten Entscheidungsträgern erstellt wird.
Das aktuelle Stimmungsbild der Managerelite passt denn auch zum Motto des nunmehr 53. Weltwirtschaftsforums in Davos: „Cooperation in a Fragmented World“, „Zusammenarbeit in einer zersplitterten Welt“. Die Reihe der Risiken, die von den Managern bewertet werden, liest sich ausführlich und eindeutig negativ. Man sehe die Rückkehr von „älteren Risiken“, heißt es da. Gemeint sind Inflation, Krise der Lebenshaltungskosten, Handelskriege, Kapitalabflüsse aus Entwicklungsländern, großflächige soziale Unruhen, geopolitische Konfrontationen und – als sei das alles schon nicht genug – auch noch „das Gespenst eines Nuklearkriegs“.
Diese Zusammenballung von Risiken hat nach Einschätzung des WEF-Reports in dieser Massivität „kaum jemand der aktuellen Generation von Wirtschaftsführern und Politikgestaltern bislang erlebt“. Hinzukommen weitere Risiken, die die ohnehin schon schlechte Lage verschärfen: „Untragbare Schuldenstände, niedriges Wachstum, eine Deglobalisierung und der sich beschleunigende Klimawandel“. Das Fenster zur Erreichung des „Netto-Null-Ziels“ schließt sich. Insgesamt nehme das Risiko zu, dass alle Faktoren zusammengenommen im Jahr 2030 in einer „Poly-Krise“ kulminieren. Die Wirtschaft der kommenden Jahre werde von Stagnation bedroht sein, fürchten die Fachleute.
Die Weltführer bleiben Davos dieses Jahr fern
Die spürbaren geopolitischen Spannungen sind wohl auch die Erklärung dafür, dass die ganz Großen der Welt dem WEF in diesem Jahr fernbleiben. Frankreich, Großbritannien und die USA schicken voraussichtlich keine Staats- oder Regierungschefs nach Davos, auch Russland und China nicht. Angekündigt sind aber neben Bundeskanzler Olaf Scholz, Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Bundesfinanzminister gleich drei Spitzenvertreter der Bundesregierung. Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde will zum WEF reisen, ebenso wie Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez, Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.
Allerdings kommen von Dienstag bis Freitag dieser Woche so viele Finanzminister wie nie zu vor in die Schweizer Berge, ebenso wie eine wachsende Zahl von Topmanagern und hochrangigen Delegationen. Als eines der vielen Themen der Vorträge, Podien und Diskussionsforen sticht die grüne Transformation der Wirtschaft und der Umbau der Energiesysteme heraus. Mehrere hundert CEOs sind angemeldet. Das hat allerdings nicht nur etwas mit der Tagesordnung zu tun. Die meisten nutzen das Treffen in erster Linie, um innerhalb kurzer Zeit ein Maximum an wichtigen Menschen zu treffen, Kontakte zu pflegen und mit etwas Glück auch neue Geschäfte anzuschieben. Denn die Weltlage kann düster sein – der Wunsch nach neuen Aufträgen und Ideen bleibt. Einer der schillerndsten Wirtschaftsführer aber fehlt: Tesla- und Twitter-Chef Elon Musk ließ mitteilen, dass er kein Interesse an einer Teilnahme in Davos habe.
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